Bouil­lon ruft in Flücht­lings­kri­se Bun­des­wehr zur Hil­fe

Zelt­stadt wird dras­tisch ver­grö­ßert – In­nen­mi­nis­ter bit­tet Bun­des­wehr um Hil­fe – Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um prüft

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE - Von SZ-Re­dak­teur Da­ni­el Kirch

Le­bach. In­nen­mi­nis­ter Klaus Bouil­lon (CDU) bit­tet die Bun­des­wehr um Hil­fe bei der Ver­sor­gung der Flücht­lin­ge in der Lan­des­auf­nah­me­stel­le Le­bach. Als Ein­satz­mög­lich­kei­ten der Sol­da­ten nann­te er die Ver­pfle­gung der Flücht­lin­ge mit war­men Mahl­zei­ten so­wie die me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung. Das Lan­des­kom­man- do der Bun­des­wehr be­stä­tig­te, dass im Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um der­zeit „zwei Amts­hil­fe-Er­su­chen zur Ver­bes­se­rung der Un­ter­brin­gungs- so­wie der Ver­sor­gungs­si­tua­ti­on der Flücht­lin­ge“ge­prüft wer­den. Bouil­lon will zu­dem Lan­des­be­diens­te­te, die in Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen ak­tiv sind, für den Ein­satz frei­stel­len.

Auf der Su­che nach neu­en Bet­ten für die Lan­des­auf­nah­me­stel­le hat die Lan­des­re­gie­rung jetzt so­gar das fran­zö­si­sche und das US-Mi­li­tär um Hil­fe ge­be­ten. Un­ter­stüt­zung könn­te bald auch von der Bun­des­wehr kom­men.

Saar­brü­cken/Le­bach. Um al­le Flücht­lin­ge in den Not­zel­ten der Lan­des­auf­nah­me­stel­le un­ter­zu­brin­gen, zie­hen das Land und die Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen in Le­bach in­zwi­schen al­le Bet­ten zu­sam­men, die sie ir­gend­wie be­kom­men kön­nen. Die Bun­des­wehr lie­fert 140 Hoch­bet­ten, das Tech­ni­sche Hilfs­werk hun­der­te Feld­bet­ten, und selbst das fran­zö­si­sche und das US-Mi­li­tär ha­ben in­zwi­schen An­fra­gen aus dem Saar­land auf dem Tisch.

Das In­nen­mi­nis­te­ri­um rech­net mit bis zu 3000 Asyl­be­wer­bern pro Mo­nat. Bis ihr Auf­nah­me­ver­fah­ren be­ginnt, müs­sen sie rund ei­ne Wo­che in Zel­ten ver­brin­gen. Die Zelt­stadt soll nun deut­lich ver­grö­ßert wer­den. Aus den an­fangs 200 Bet­ten wa­ren bis ges­tern 400 ge­wor­den. Bis zum Wo­che­n­en­de sol­len 1000 Bet­ten ste­hen.

In­nen­mi­nis­ter Klaus Bouil­lon (CDU) hat in sei­nem Res­sort ei­nen Kri­sen­stab ein­ge­rich­tet. In Le­bach tref­fen sich Be­hör­den und Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen je­den Mor­gen zur La­ge­be­spre­chung und rund um die Uhr ko­or­di­niert die Ein­satz­lei­tung Be­treu­ung, Ver­pfle­gung und Sa­ni­täts­ver­sor­gung der Flücht­lin­ge.

„Ich or­ga­ni­sie­re ganz streng mi­li­tä­risch“, sagt Ex-Feld­jä­gerRe­ser­ve­of­fi­zier Bouil­lon – und hofft jetzt auch auf Hil­fe von der Bun­des­wehr. Die Trup­pen­kü­che der nur we­ni­ge hun­dert Me­ter ent­fern­ten Ka­ser­ne könn­te nach Bouil­lons Über­le­gung war­mes Es­sen für die Flücht­lin­ge lie­fern. Wenn das nicht klap­pe, wer­de er ei­nen Ca­te­rer be­auf­tra­gen, so Bouil­lon. „Das Ro­te Kreuz ist auf Dau­er da­mit über­for­dert.“

Die Bun­des­wehr kön­ne den Flücht­lings­ein­satz auch mit Per- so­nal un­ter­stüt­zen, so Bouil­lon. „Ich wün­sche mir Man­power, was Nacht­diens­te, Es­sens­aus­ga­be, Klei­der­aus­ga­be oder den Sa­ni­täts­dienst an­geht“, sag­te Bouil­lon. Auch die Saar- Grü­nen sind der Mei­nung, dass der „über­ge­setz­li­che Not­stand“in der Lan­des­auf­nah­me­stel­le „die Ein­bin­dung der Bun­des­wehr zur hu­ma­ni­tä­ren und lo­gis­ti­schen Un­ter­stüt­zung“recht­fer­ti­ge, ins­be­son­de­re bei der Ver­pfle­gung der Flücht­lin­ge mit war­men Mahl­zei­ten und bei der me­di­zi­ni­schen Ba­sis­ver­sor­gung.

Der Kom­man­deur des Lan­des­kom­man­dos der Bun­des­wehr, Oberst Rein­hard Fels­mann, teil- te der SZ auf An­fra­ge mit, dass ein Ver­bin­dungs­of­fi­zier der Bun­des­wehr seit Frei­tag an den mor­gend­li­chen La­ge­be­spre­chun­gen in Le­bach teil­neh­me. „Ge­gen­wär­tig sind zwei Amts­hil­fe-Er­su­chen zur Ver­bes­se­rung der Un­ter­brin­gungs-so­wie der Ver­sor­gungs­si­tua­ti­on der Flücht­lin­ge in der mi­nis­te­ri­el­len Prü­fung und Ent­schei­dungs­fin­dung im Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung“, er­klär­te Fels­mann. Wei­te­re An­fra­gen zu Un­ter­stüt­zungs­leis­tun­gen im Saar­land wür­den „in stän­di­gem Dia­log zwi­schen den fach­lich zu­stän­di­gen Be­hör­den und der Bun­des­wehr ab­ge­stimmt“.

Weil Bouil­lon be­fürch­tet, dass den Eh­ren­amt­li­chen mit zu­neh­men­der Dau­er die Pus­te aus­geht („Wir sind erst am An­fang“), will er sie deut­lich ent­las­ten. Sein Plan: Je­der der rund 30 000 Lan­des­be­diens­te­ten, der ei­ner Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on an­ge­hört, soll sich für den Flücht­lings­ein­satz in Le­bach frei­stel­len las­sen kön­nen – „wenn es sein muss, bis zu zwei Mo­na­ten“, so Bouil­lon. Dass die je­wei­li­gen Di­enst­herrn da­bei Schwie­rig­kei­ten ma­chen könn­ten, glaubt er nicht: „Ich brau­che die Leu­te. Da kann kei­ner nein sa­gen.“

In der Auf­nah­me­stel­le soll es dem­nächst ein Spiel­zelt so­wie ein Un­ter­hal­tungs- und ein Sport­pro­gramm für Kin­der ge­ben. Zu­dem sol­len ei­ne fes­te Arzt­pra­xis und ein Ort für Schwan­ge­re ein­ge­rich­tet wer­den. „Es gibt in der Lan­des­auf­nah­me­stel­le sehr vie­le schwan­ge­re Frau­en“, sag­te DRK-Spre­cher Hel­ge Gil­cher. Vor­ges­tern kam in der Zelt­stadt das ers­te Ba­by zur Welt.

Klaus Bouil­lon

FO­TO: STRA­TEN­SCHUL­TE/DPA

In der Lan­des­auf­nah­me­stel­le wer­den Feld­bet­ten be­nö­tigt (hier ein Fo­to aus Han­no­ver). In den Zel­ten in Le­bach stan­den vor Kur­zem noch 200 Bet­ten, bald sol­len es 1000 sein.

Rein­hard Fels­mann

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.