Tier­schutz­bund will mehr für Tier­hei­me tun

Neu­er Vor­stand des Tier­schutz­bun­des will Si­tua­ti­on ver­bes­sern

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE - Von SZ-Re­dak­teu­rin Ute Klock­ner

Die Tier­hei­me sto­ßen an ih­re Gren­zen, klagt der neue Lan­des­vor­stand des Deut­schen Tier­schutz­bun­des. Die La­ge zu ver­bes­sern, ist sein wich­tigs­tes An­lie­gen.

Hil­fe für Tier­hei­me, Maß­nah­men ge­gen ei­ne wach­sen­de Kat­zen­po­pu­la­ti­on so­wie Ein­satz ge­gen Tier­ver­su­che – die­se Punk­te hat sich der neue Lan­des­vor­stand des Deut­schen Tier­schutz­bun­des vor­ge­nom­men.

Saar­brü­cken. Im Som­mer wird es eng in den saar­län­di­schen Tier­hei­men. Wenn der Ur­laub wich­ti­ger ist als das Haus­tier, wer­den Bel­lo, Mie­ze und Co. oft aus­ge­setzt oder auf Nim­mer­wie­der­se­hen ab­ge­ge­ben. „Die Tier­hei­me im Saar­land sind an ih­rer Gren­ze“, sagt Achim Dell­wo, zwei­ter Vor­sit­zen­der des Lan­des­ver­bands des Deut­schen Tier­schutz­bun­des. „Oh­ne die sehr en­ga­gier­ten Eh­ren­amt­li­chen und klei­nen Ver­ei­ne, die die Tie­re teil­wei­se bei sich zu Hau­se auf­neh­men, wür­de es nicht ge­hen“, sagt die ers­te Vor­sit­zen­de, Bea­tri­ce Spei­cherSpeng­ler. Mit­te Ju­ni wur­de der neue Vor­stand des Tier­schutz­bun­des ge­wählt. Mit sei­nen 17 Mit­glieds­ver­ei­nen – dar­un­ter die vier Tier­hei­me – zählt er nach ei­ge­nen An­ga­ben et­wa 8000 Mit­glie­der. Die Si­tua­ti­on in den Tier­hei­men zu ver­bes­sern, ist ei­nes ih­rer wich­tigs­ten Zie­le. Da­bei ge­he es auch um ei­ne bes­se­re räum­li­che Aus­stat­tung. Be­son­ders schlimm sei die La­ge in Homburg. So stell­ten un­ter an­de­rem durch­ge­ros­te­te Wän­de ei­ne Ver­let­zungs­ge­fahr dar. In Ge­sprä­chen mit der Po­li­tik wer­de nach Lö­sun­gen ge­sucht. Man sei froh über die Un­ter­stüt­zung durch das Land, hof­fe aber auf wei­te­re Mit­tel. Bis 2012 flos­sen jähr­lich 35 000 Eu­ro Lan­des­mit­tel an die Tier­schutz­stif­tung, die das Geld an die Tier­hei­me ver­teilt. Die gro­ße Ko­ali­ti­on ha­be den Be­trag auf 57 000 Eu­ro auf­ge­stockt, zu­sätz­lich ge­be es nun För­der­mit­tel für Sa­nie­run­gen und An­bau­ten, so das Um­welt­mi­nis­te­ri­um.

Die vom Land­tag be­schlos­se­ne Bun­des­rats­in­itia­ti­ve zur Kenn­zeich­nungs­pflicht für Kat­zen und Hun­de kann aus Sicht der Tier­freun­de nur ein ers­ter Schritt sein. Da­mit die Kat­zen­po­pu­la­ti­on nicht noch stär­ker an­wach­se, for­dern sie ei­ne Kastra­ti­ons­pflicht. Doch bis wann dies bun­des­weit Un­ter­stüt­zer fin­det, kön­nen Jah­re ins Land ge­hen. Da­her be­grü­ßen sie, dass die Lan­des­re­gie­rung im letz­ten Jahr erst­mals 50 000 Eu­ro für ein Kat­zen­kas­tra­ti­ons­pro­gramm auf­ge­legt hat. Rund 500 Kat­zen wur­den kas­triert. Die glei­che Sum­me fließt auch die­ses Jahr. „Die Initia­ti­ven zur Kenn­zeich­nung und ge­gen die Wild­tier­hal­tung in Zir­kus­sen dür­fen nicht in der Schub­la­de ver­schwin­den, son­dern müs­sen am Lau­fen ge­hal­ten wer­den“, mah­nen sie.

Kri­tik übt der neue Vor­stand am 2014 ver­ab­schie­de­ten Jagd­ge­setz. „Ins­be­son­de­re die Ver­kür­zung der Fuchs­schon­zeit kri­ti­sie­ren wir“, sagt Dell­wo. Die­se hat­te ei­ne Schon­zeit von sechs Mo­na­ten ein­ge­führt. 2014 wur­de die­se um acht Wo­chen ver­kürzt. Da­mit sol­le ein An­stieg der Fuch­s­po­pu­la­ti­on im Zu­ge der Seu­chen­be­kämp­fung ver­mie­den wer­den, aber auch um den Druck auf das Nie­der­wild zu sen­ken, so das Mi­nis­te­ri­um. Ei­ne Ar­gu­men­ta­ti­on, die Tier­schüt­zer nicht tei­len, da Deutsch­land als toll­wut­frei gel­te und es 2013 im Saar­land nur zwei Fäl­le von Fuchs­band­wurm ge­ge­ben ha­be.

Der Lan­des­ver­band will sich ne­ben sei­nem Ein­satz ge­gen Tier­ver­su­che in Zu­kunft auch ver­stärkt in land­wirt­schaft­li­che The­men ein­brin­gen und so für ei­ne art­ge­rech­te Hal­tung von Nutz­tie­ren ein­tre­ten. „Wir wol­len die Vor­aus­set­zung schaf­fen, dass man uns als Part­ner sieht und bei die­sen The­men – wenn es et­wa um Pro­jek­te wie die Mee­res­fisch­zucht geht – als Ge­sprächs­part­ner von An­fang an mit ein­lädt“, sagt Dell­wo. Er be­grüßt das Ver­bands­kla­ge­recht, das den Tier­schüt­zern in die­sen Fäl­len er­mög­licht, ei­ne Be­tei­li­gung zu er­strei­ten.

Ne­ben der Po­li­tik sei aber auch die Be­völ­ke­rung ge­fragt. Hier möch­ten die Tier­freun­de an ei­nem ge­sell­schaft­li­chen Um­den­ken mit­wir­ken. „Viel wä­re er­reicht, wenn nicht mehr je­den Tag Fleisch ge­ges­sen wür­de“, sagt Spei­cher-Speng­ler. Um die­ses Be­wusst­sein zu för­dern, müs­se der Tier­schutz be­reits in den Schul­un­ter­richt in­te­griert wer­den.

AR­CHIV­FO­TO: ROLF RUPPENTHAL

In der Ur­laubs­zeit sind die Tier­hei­me vol­ler aus­ge­setz­ter Kat­zen

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