Mil­lio­nen Au­gen hel­fen Fahn­dern

Wann die Po­li­zei mit Phan­tom­bil­dern und Vi­de­os an die Öf­fent­lich­keit geht

Saarbruecker Zeitung - - ZEITUNG FÜR SAARBRÜCKEN - Von SZ-Re­dak­teur Frank Koh­ler

Er­mor­det, be­stoh­len, be­tro­gen: Wenn Men­schen Ver­bre­chern zum Op­fer fal­len, ge­hö­ren Phan­tom­bil­der und Vi­de­os zu den Hel­fern der Po­li­zei. Aber für den Ein­satz die­ser Werk­zeu­ge gel­ten stren­ge Re­geln. Und sie sol­len nicht stumpf wer­den. Erst jüngst führ­te ein Fahn­dungs­fo­to zum Er­folg. Da­bei ist die Tat schon Mo­na­te her.

Saar­brü­cken. Die 95-Jäh­ri­ge ließ im Su­per­markt ih­re Hab­se­lig­kei­ten am Rol­la­tor kurz aus den Au­gen. Schon fisch­te ei­ne Die­bin den Geld­beu­tel aus der Hand­ta­sche. Dann ging sie da­von, die Beu­te hin­ter Schal und Step­p­ja­cke ver­ber­gend. Die Vi­deo­an­la­ge des Mark­tes hielt am 19. Ja­nu­ar al­les fest. En­de Ju­li ging die Po­li­zei mit dem Bild der Die­bin an die Öf­fent­lich­keit. Of­fen­bar mit Er­folg. Zeu­gen er­kann­ten die Frau auf dem Fo­to, wie die In­spek­ti­on Bur­bach am Don­ners­tag mit­teil­te.

Am 4. Au­gust ga­ben die Fahn­der das Phan­tom­bild ei­nes Be- trü­gers her­aus, der ei­nen Gold­käu­fer um 3000 Eu­ro ge­bracht hat und noch nicht er­mit­telt ist. Tat­tag: 3. De­zem­ber 2014.

„War­um die­se Ver­zö­ge­run­gen?“, dürf­ten sich vie­le fra­gen. Über­las­te­te Po­li­zis­ten? Über­vor­sich­ti­ge Staats­an­wäl­te und Rich­ter? Ant­wor­ten gibt Sa­rah Sersch von der Po­li­zei.

Dem­nach hat das mit­un­ter lan­ge War­ten auf Phan­tom­bil­der nichts mit den Leu­ten zu tun, die sie er­stel­len. Son­dern mit der Schwe­re der Tat und der Qua­li­tät der Be­wei­se. So­bald der er­mit­teln­de Po­li­zist ei­nen gu­ten Zeu­gen so­wie grü­nes Licht von Staats­an­walt und Rich­ter hat, sagt er im Lan­des­po­li­zei­prä­si­di­um Be­scheid.

Der Zeu­ge be­schreibt dort ei­nem Spe­zia­lis­ten den Tä­ter. Mit Hil­fe ei­nes Com­pu­ter­pro­gramms ist das Phan­tom­bild nach zwei bis drei St­un­den fer­tig. Wann die Po­li­zei mit Fo­tos und Phan­tom­bil­dern fahn­det, hängt Sersch zu­fol­ge vor al­lem vom De­likt ab, vom ge­setz­lich ver­an­ker­ten „Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz“. „Hier spie­len be­son­ders das durch die Tat ver­ur­sach­te Leid der Op­fer, der Schutz ih­rer Per­sön­lich­keits­rech­te so­wie die Ge­fahr ei­ner Vor­ver­ur­tei­lung der Ver­däch­ti­gen oder ei­ne Be­ein­träch­ti­gung ih­rer Re­so­zia­li­sie­rungs­chan­cen ei­ne Rol­le.“

Und Er­mitt­ler wol­len ih­re Ar­beit nicht aufs Spiel set­zen. „So kann ei­ne Öf­fent­lich­keits­fahn­dung da­zu füh­ren, dass Ver­däch­ti­ge un­ter­tau­chen oder ihr Aus­se­hen ver­än­dern, um nicht er­kannt zu wer­den.“

Au­ßer­dem sol­le die Öf­fent­lich­keits­fahn­dung als Werk­zeug nicht stumpf wer­den, gibt Sersch zu be­den­ken. „Ei­ne über­mä­ßig häu­fi­ge In­an­spruch­nah­me der Me­di­en wirkt sich er­fah­rungs­ge­mäß nach­tei­lig auf das In­ter­es­se und die Un­ter­stüt­zungs­be­reit­schaft der Be­völ­ke­rung aus.“Da­her wer­de ei­ne Öf­fent­lich­keits­fahn­dung in be­stimm­ten Fäl­len schon zu Be­ginn der Er­mitt­lun­gen ver­an­lasst, in an­de­ren Fäl­len spä­ter – oder gar nicht.

Der Staats­an­walt, in Kri­mis oft klein­li­cher Brem­ser der Po­li­zei­ar­beit, hat je­den­falls nichts da­mit zu tun, wie Ober­kom­mis- sa­rin Sersch ver­si­chert. Die Fra­ge, ob es schwer sei, über den Staats­an­walt ei­nen Ge­richts­be­schluss zu be­schaf­fen, be­ant­wor­tet sie denk­bar knapp: „Nein.“Bei schwe­ren Ta­ten lau­fe ei­ne Öf­fent­lich­keits­fahn­dung so­gar sehr schnell an. Bei­spiel: ein Tö­tungs­de­likt Mit­te Ju­li in Dil­lin­gen. Op­fer: ei­ne 63-Jäh­ri­ge. Ver­däch­tig: ein 55-Jäh­ri­ger. Schon Ta­ge nach der Tat fahn­de­te die Po­li­zei mit ei­nem Fo­to des Man­nes und der Be­schrei­bung sei­nes Fahr­zeugs. Kurz dar­auf ent­deck­te ei­ne Zeu­gin das Au­to. Die Spur führ­te zum Ge­such­ten. Und viel­leicht hilft ja das Phan­tom­bild in die­sem Ar­ti­kel bei der Jagd nach dem Be­trü­ger mit den fal­schen Ket­ten.

Wer ihn er­kennt, mel­de sich bei der Kri­mi­nal­po­li­zei, Tel. (06 81) 9 62 21 30.

Wer kennt den Mann?

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