Viel Klein­geld für krea­ti­ve Köp­fe

Crowd­fun­ding wird im­mer be­lieb­ter, Nut­zer soll­ten aber vor­sich­tig sein

Saarbruecker Zeitung - - INTERNET - Von dpa-Mit­ar­bei­ter Andre­as Reins­ha­gen

Crowd­fun­ding be­fin­det sich nach dem Deutsch­land­start der USPlatt­form Kick­star­ter in ei­ner Auf­bruch­stim­mung. Doch vor der In­ves­ti­ti­on in neue Pro­duk­te soll­ten An­le­ger die An­bie­ter genau un­ter die Lu­pe neh­men.

Berlin. Noch nie war es für jun­ge Un­ter­neh­mer und krea­ti­ve Köp­fe ein­fa­cher, an Geld zu kom­men, als mit dem so­ge­nann­ten Crowd­fun­ding. Bei die­ser Form der Fi­nan­zie­rung in­ves­tie­ren vie­le ein­zel­ne Un­ter­stüt­zer in ein Pro­jekt. Das Prin­zip ist ein­fach: Der Ent­wick­ler stellt sei­ne Idee vor, ent­wirft ei­nen Ablauf­plan und wirbt um In­ves­ti­tio­nen. Das kön­nen schon klei­ne Geld­be­trä­ge sein, aber auch Sum­men im Be­reich über 500 Eu­ro. Wird die an­ge­peil­te För­der­sum­me er­reicht, kann das Pro­jekt Fahrt auf­neh­men.

Die Idee zur Fi­nan­zie­rung durch ei­ne Mas­se von Un­ter­stüt­zern kommt ur­sprüng­lich aus dem künst­le­ri­schen Be­reich. Bands sam­mel­ten im Netz vor ei­ner Al­bum­pro­duk­ti­on Geld von Fans und ver­spra­chen je nach Geld­ein­satz als Be­loh­nung bei­spiels­wei­se si­gnier­te CDs, T-Shirts oder ein Tref­fen. Mitt­ler­wei­le wer­den auf die­se Wei­se auch vie­le Tech­nik-Pro­duk­te rea­li­siert. Man­che er­zie­len gro­ße Sum­men – et­wa die Smart­watch Peb­b­le Ti­me (rund 14 Mil­lio­nen Eu­ro) oder das Com­pu­ter­spiel „Pil­lars of Eter­ni­ty“(et­wa 3,6 Mil­lio­nen Eu­ro). In­zwi­schen gibt es im In­ter­net zahl­rei­che Crowd­fun­ding-Platt­for­men. Ne­ben gro­ßen An­bie­tern wie Kick­star­ter und In­diego­go wird auch auf deut­schen Platt­for­men wie Nord­star­ter, Ulu­le oder Dres­de­ner Durch­star­ter um die Gunst mög­li­cher För­de­rer ge­wor­ben. Aber nicht je­des Pro­jekt ist er­folg­reich. Und oh­ne Ri­si­ko ist die Fi­nan­zie­rung für die Un­ter­stüt­zer auch nicht. Es gibt kei­ne Ga­ran­tie, dass das Pro­dukt am En­de auch al­le zu­vor ver­spro­che­nen Funk­tio­nen hat. Geht al­les schief, ist das Geld weg. Da­für ha­ben Nut­zer die Chan­ce, span­nen­de Pro­jek­te zu un­ter­stüt­zen und neue Pro­duk­te früh zu be­sit­zen.

Wolf­gang Seibold hat sein Pro­jekt Mit­te Mai auf der USPlatt­form Kick­star­ter ein­ge­stellt. Sei­ne Tech­nik-Idee: ein 3-D-Dru­cker, der mit Le­bens­mit­teln drei­di­men­sio­na­le Ge­gen­stän­de baut – et­wa ei­ne Rit­ter­burg aus Kar­tof­fel­brei. Sein Fi­nan­zie­rungs­ziel von 30 000 Eu­ro war nach we­ni­gen Ta­gen er­reicht und wur­de so­gar über­trof­fen. Für in­ter­es­sier­te Crow­din­ves­to­ren hat er ei­ni­ge Tipps. Gu­te Pro­jek­te er­ken­ne man oft schon am In­ter­net­Auf­tritt des An­bie­ters. In wel­chem Pro­duk­ti­ons­schritt ist das Pro­dukt und was kann es nach Fer­tig­stel­lung? Die­se Fra­gen soll­ten auf der Sei­te be­ant­wor­tet wer­den. Auch un­kom­pli­zier­ter Kon­takt zum Ent­wick­ler kann ein In­diz für gu­te Ar­beit sein. „Wir ha­ben gro­ßes In­ter­es­se am Kon­takt mit un­se­ren Un­ter­stüt­zern und das kommt gut an“, sagt Seibold.

Kars­ten Wenzlaff ist Grün­der des Ger­man Crowd­fun­ding Net­works. Er rät: „Zu­erst soll­te ein ge­nau­er Blick auf die Platt­form ge­wor­fen wer­den, auf der das Ka­pi­tal in­ves­tiert wird.“Hin­ter den An­ge­bo­ten ste­cken sehr ei­ge­ne Ge­schäfts­mo­del­le, und es gibt mitt­ler­wei­le auch schon ver­schie­de­ne For­men der so­ge­nann­ten Schwarm­fi­nan­zie­rung. Beim Crowd­fun­ding geht es ge­ne­rell dar­um, bei der Rea­li­sie­rung ei­nes Pro­jek­tes zu hel­fen. Ge­schäfts­an­tei­le er­wer­ben die Un­ter­stüt­zer nicht. Da­für be­kom­men sie das fer­ti­ge Pro­dukt frü­her und oft auch güns­ti­ger als ge­wöhn­li­che Käu­fer. Meis­tens gibt es zu­dem nach In­ves­ti­ti­ons­grö­ße ge­staf­fel­te Be­loh­nun­gen.

Lang­fris­ti­ge An­la­ge Das Crow­din­ves­ting, ei­ne an­de­re Form der Schwarm­fi­nan­zie­rung, ist da­ge­gen ei­ne lang­fris­ti­ge­re Geld­an­la­ge, bei der Un­ter­neh­men mit Ren­di­ten lo­cken. Auf Platt­for­men wie Seed­match wird um In­ves­ti­tio­nen in grö­ße­re Pro­duk­te ge­wor­ben. Das in­ves­tier­te Geld bleibt ähn­lich wie bei ei­nem An­la­ge­pro­dukt oder Fest­geld­kon­to meist län­ger­fris­tig beim Un­ter­neh­men. Be­loh­nun­gen wie beim Crowd­fun­ding gibt es al­ler­dings nicht, da­für die üb­li­chen Ri­si­ken.

„Das ge­sam­te Geld kann schnell weg sein“, warnt Tho­mas Pfis­ter von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Nord­rhein-West­fa­len. Et­wa bei ei­ner In­sol­venz oder Plei­te. Der Ver­brau­cher­schüt­zer rät, vor­ab In­for­ma­tio­nen zum Ge­schäfts­mo­dell ein­zu­ho­len und nach Er­fah­rungs­wer­ten von an­de­ren In­ves­to­ren in In­ter­net­fo­ren zu su­chen. Zu­dem emp­fiehlt er Nut­zern, nur in Ge­schäfts­mo­del­le zu in­ves­tie­ren, die sie selbst auch ver­ste­hen. Schlimms­ten­falls dro­he ein To­tal­ver­lust des Gel­des.

FO­TO: WARNECKE/DPA

Die ers­ten Un­ter­stüt­zer der Smart­watch Peb­b­le Ti­me er­hiel­ten ihr Ex­em­plar mit ei­ner Wid­mung.

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