Wenn Nach­bars Bäu­me Schat­ten wer­fen

BGH: Oh­ne den nö­ti­gen Grenz­ab­stand kann der Nach­bar das Fäl­len er­wir­ken – Ver­jäh­rung wich­tig

Saarbruecker Zeitung - - SZ-EXTRA IMMOBILIEN - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Andre­as Kun­ze (ftx)

Mit viel Son­nen­schein sind die meis­ten Bun­des­bür­ger so­wie­so nicht ver­wöhnt. Da ist es be­son­ders är­ger­lich, wenn in den Som­mer­mo­na­ten Nach­bars Tan­nen oder an­de­re gro­ße Pflan­zen das Licht ver­schlu­cken. Wer ge­gen sein un­ge­woll­tes Schat­ten­da­sein et­was tun will, soll­te ein neu­es Ur­teil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) da­zu ken­nen.

Düsseldorf. Bäu­me bie­ten ei­nen gu­ten Sicht­schutz und dämp­fen Lärm. Wenn aber der Bal­kon, die Ter­ras­se, der Gar­ten oder so­gar die In­nen­räu­me kaum mehr Son­ne ab­be­kom­men, dann greift so man­cher Haus­ei­gen­tü­mer in Ge­dan­ken schon mal ger­ne zur Axt. Doch we­der die Bäu­me des Nach­barn noch die ei­ge­nen dür­fen ein­fach „um­ge­legt“wer­den, um end­lich wie­der ein pral­les Son­nen­bad oder licht­durch­flu­te­te Räu­me ge­nie­ßen zu kön­nen.

Rück­schnitt erst ab Herbst So­fern es le­dig­lich um über­hän­gen­de Zwei­ge geht, sieht es für ei­nen Haus­be­sit­zer noch re­la­tiv gut aus. Denn Pa­ra­graf 910 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) be­stimmt: „Der Ei­gen­tü­mer ei­nes Grund­stücks kann Wur­zeln ei­nes Bau­mes oder ei­nes Strau- ches, die von ei­nem Nach­bar­grund­stück ein­ge­drun­gen sind, ab­schnei­den und be­hal­ten." Das Glei­che gilt bei aufs ei­ge­ne Grund­stück her­über­ra­gen­den Zwei­gen, dem so ge­nann­ten „Über­hang“.

Sel­ber ab­schnei­den darf der be­ein­träch­tig­te Grund­stücks­ei­gen­tü­mer den Über­hang aber nur, wenn der Ei­gen­tü­mer des Nach­bar­grund­stücks selbst Ge­le­gen­heit hat­te, den Rück­schnitt in­ner­halb ei­ner an­ge­mes­se­nen Frist zu er­le­di­gen. Au­ßer­dem sind in man­chen Bun­des­län­dern ge­setz­li­che Rück­schnitt­zei­ten zu be­ach­ten, so dass je nach Lan­des­recht ein Be­sei­ti­gungs­an­spruch erst für die nächs­te laub­freie Zeit, al­so frü­hes­tens zum nächs­ten Herbst ver­langt wer­den kann.

Ab­stand bis vier Me­ter Ra­gen die Bäu­me al­ler­dings weit in die Hö­he, ist da­mit noch nicht viel Son­nen­licht ge­won­nen. Da hilft es nur, wenn die Bäu­me ge­stutzt oder gar ge­fällt wer­den. Ein Be­sei­ti­gungs­an­spruch kann durch­aus be­ste­hen, wenn das Ei­gen­tum be­ein­träch­tigt wird, ur­teil­te der Bun­des­ge­richts­hof (BGH, Az: V ZR 229/14) im Ju­li. Es ging um ei­nen Rei­hen­haus-Be­sit­zer aus NRW, der sich von bis zu 25 Me­ter ho­hen Eschen auf dem Nach­bar­grund­stück ge­stört

Der Schat­ten­wurf von Bäu­men aus Nach­bars Gar­ten ist är­ger­lich, aber beim nö­ti­gen Grenz­ab­stand nicht zu än­dern.

fühl­te. Ein Be­sei­ti­gungs­an­spruch (nach Pa­ra­graf 1004 Ab­satz 1 BGB) set­ze aber vor­aus, dass der Grenz­ab­stand nicht ein­ge­hal­ten wur­de. Je nach Art des Ge­wäch­ses und dem je­wei­li­gen Lan­des­ge­setz sind das meist zwi­schen ein und vier Me­ter – ge­mes­sen ab der Mit­te des Baum­stam­mes bis zur Grund­stücks­gren­ze. In die­sem Fall war der Ab­stand ge­wahrt – der Rei­hen­haus-Be­sit­zer ver­lor des­halb den Pro­zess.

Wich­tig zu wis­sen: Selbst wenn der Grenz­ab­stand nicht ein­ge­hal­ten wur­de, muss man die Ver­jäh­rung im Au­ge be­hal­ten. Nach dem Nach­bar­ge­setz von Nord­rhein-West­fa­len (Nach­bG NRW) läuft die Ver­jäh­rungs­frist zum Bei­spiel sechs Jah­re nach der An­pflan­zung ab, in an­de­ren Bun­des­län­dern teil­wei­se schon nach fünf Jah­ren.

Dann kann der be­ein­träch­tig­te Nach­bar al­len­falls noch ei­nen Ver­kür­zungs­an­spruch auf die ma­xi­mal zu­läs­si­ge Hö­he der An­pflan­zung gel­tend ma­chen, so das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart (AZ: 12 U 97/06) in ei­ner äl­te­ren Ent­schei­dung.

Bäu­me ste­hen un­ter Schutz Wer sich von den ei­ge­nen Bäu­men ge­stört fühlt, kann die­se eben­so we­nig nach Be­lie­ben ab­hol­zen. Der Grund sind die Baum­schutz­sat­zun­gen der Kom­mu­nen, die auch den Baum­be­stand auf Pri­vat­grund­stü­cken un­ter Schutz stel­len kön­nen. Soll ein Baum ver­schwin­den, muss ei­ne be­hörd­li­che Er­laub­nis ein­ge­holt wer­den. Die Recht­spre­chung da­zu ist aber eben­falls sehr re­strik­tiv. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Düsseldorf ent­schied zum Bei­spiel (Az: 11 K 3691/07), ei­ne un­zu­mut­ba­re Be­ein­träch­ti­gung durch Schat­ten lie­ge nur vor, wenn ge­wöhn­li­che Tä­tig­kei­ten wie Le­sen oder Spie­len nur bei Kunst­licht mög­lich wä­ren.

Ge­fahr für die Si­cher­heit Aus an­de­ren Grün­den kann die Be­sei­ti­gung ei­nes Bau­mes nur dann er­reicht wer­den, wenn von ihm er­heb­li­che Ge­fah­ren für die Si­cher­heit oder den Be­stand des Ge­bäu­des aus­ge­hen. Zum Bei­spiel, dass der Baum nicht mehr stand­si­cher ist und durch das Wur­zel­werk Feuch­tig­keits­schä­den ver­ur­sacht wer­den kön­nen.

KA­RI­KA­TUR: LBS

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