Auf den Spu­ren der Hart­füß­ler

Das Gast­haus Wern’s Müh­le er­in­nert an das so­zia­le Le­ben der Gru­ben­ar­bei­ter

Saarbruecker Zeitung - - REISE -

Un­ter Ta­ge zu schuf­ten, reich­te im frü­hen 20. Jahr­hun­dert oft nicht, um ei­ne Fa­mi­lie zu er­näh­ren. Als Ne­ben­er­werbs­land­wir­te ver­dien­ten sich vie­le Gru­ben­ar­bei­ter des­halb et­was da­zu. Wern’s Müh­le er­in­nert heu­te an die­se Zeit.

Ott­wei­ler. Will man in die SaarSpe­zi­fi­ka des Berg­baus ein­tau­chen, dann führt das weg von den Bra­chen, hin­ein in die Dör­fer. Denn dort, nicht in Groß­städ­ten, leb­te vor dem Ers­ten Welt­krieg die Hälf­te der 55 000 Gru­ben­ar­bei­ter – als Ne­ben­er­werbs­bau­ern. Auf „Schwar­zen We­gen“mar­schier­ten die­se „Hart­füß­ler“über Stock und St­ein, Fel­der und Wie­sen zu ih­ren Un­ter-Ta­ge-Ar­beits­plät­zen. Oder sie hol­ten mit Och­sen­kar­ren ihr Frei­koh­leKon­tin­gent ab. Dann mach­ten sie ger­ne Sta­ti­on, über­nach­te­ten bei­spiels­wei­se in Wern’s Müh­le in Fürth im Os­ter­tal bei Ott­wei­ler. Rauch­ten Zi­gar­ren und tran­ken was Or­dent­li­ches, kei­nes­wegs nur Bier. Wo heu­te in Wern’s Müh­le ein Bier­gar­ten ist, stell­ten frü­her die Berg­leu­te im um­mau­er­ten Hof ih­re Wa­gen ab. Das kann man sich im al­ten Gast­haus noch er­zäh­len las­sen, das sich als Adres­se für ehr­li­che, re­gio­na­le Kü­che ei­nen Na­men ge­macht hat. Doch Wern’s Müh­le hat noch ei­nen wei­te­ren Er­in­ne­rungs­wert für den Berg­ar­bei­ter­bau­ern-All­tag. Denn hier lie­ßen die Berg­ar­bei­ter ih­ren Raps und Mohn ver­ar­bei­ten. Die al­te Öl­müh­le mit ei­nem Rie­sen-Was­ser­rad exis­tiert und funk­tio­niert noch – ein fa­bel­haf­tes Hei­mat­mu­se­um. Es fin­den Schau-Pres­sun­gen statt. Vor­ge­führt wird das Stem­pel­press­ver­fah­ren von 1922 – bis heu­te die bes­te Me­tho­de, um hoch­wer­ti­ges kalt­ge­press­tes Öl her­zu­stel­len. ce

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