Blick in die Hin­ter­zim­mer des Sports

Kai Psot­ta nimmt Rol­le und Ge­schäf­te der Spie­ler­be­ra­ter im Pro­fi­fuß­ball un­ter die Lu­pe

Saarbruecker Zeitung - - SPORT - Von SZ-Re­dak­teur Michael Kipp

Saar­brü­cken. Spie­ler­be­ra­ter – es gibt we­ni­ge Be­ru­fe, die ei­nen solch schlech­ten Ruf ha­ben. Men­schen­händ­ler, pro­fit­gei­le Pro­fil­neu­ro­ti­ker oder schlicht Kri­mi­nel­le. So weit das Kli­schee. Dass das Ge­schäft der Spie­ler­be­ra­ter den­noch kei­nes ist, das sich in schwarz und weiß auf­tei­len lässt, zeigt Bild-Re­dak­teur Kai Psot­ta in sei­nem Buch „Die Pa­ten der Li­ga.“Auf 304 Sei­ten ge­währt der Au­tor da­bei ei­nen Blick hin­ter die Ku­lis­sen ei­nes Mil­lio­nen­ge­schäfts. 284 Mil­lio­nen Eu­ro ha­ben al­lein die Bun­des­li­gis­ten im Jah­re 2014 für neue Spie­ler aus­ge­ge­ben. Wie die Gel­der flie­ßen, an wen, war­um und wo­hin, das zeigt Psot­ta in sei­nem Buch an Bei­spie­len. An Ge­schich­ten, die die meis­ten Fuß­ball­in­ter­es­sier­ten si­cher schon mal ge­hört ha­ben, die Psot­ta aber so de­tail­liert auf­schreibt, dass auch für Ken­ner der Bran­che Neu­ig­kei­ten zu fin­den sind. Psot­ta be­schreibt auch, wie Spie­ler­be­ra­ter fal­sche In­for­ma­tio­nen an Jour­na­lis­ten ge­ben, um ih­re Spie­ler teu­rer zu ma­chen – oder um an­ste­hen­de Trans­fers zu ver­schlei­ern. Was er nicht be­schreibt, ist, dass auch Jour­na­lis­ten In­for­ma­tio­nen zu­rück­hal­ten, um Trans­fers ex­klu­siv zu be­kom­men. So konn­te Psot­ta zu­letzt ex­klu­siv in der Bild ver­mel­den, dass Bas­ti­an Schwein­stei­ger zu Man­ches­ter Uni­ted wech­selt. Dass er die In­for­ma­ti­on vom FC Bay­ern hat­te, scheint na­he­lie­gend, schaff­te es Psot­ta doch auf der Sei­te, auf der er den Wech­sel ver­mel­de­te, nicht ein­mal die Wör­ter „Pep Guar­dio­la“zu schrei­ben: Da­bei dis­ku­tier­te ganz Deutsch­land die Rol­le des Trai­ners beim Wech­sel von Schwein­stei­ger. Hat er für sein Aus­schwei­gen der Guar­dio­laPro­ble­ma­tik den Wech­sel vom FCB ex­klu­siv be­kom­men? Die Ant­wort steht aus. Die Fra­ge da­nach do­ku­men­tiert aber auch, wie gut ver­netzt der Au­tor des Bu­ches sein muss. So ist es nicht ver­wun­der­lich, dass er die wich­tigs­ten Spie­ler­be­ra­ter nicht nur kennt, son­dern auch ih­re bes­ten Ge­schich­ten. Ob nun der Wech­sel von Ney­mar zum FC Bar­ce­lo­na, von Ro­nal­do und Kroos zu Re­al Ma­drid oder von Ma­rio Göt­ze zu den Bay­ern: An­hand ak­tu­el­ler Bei­spie­le se­ziert Psot­ta die Sze­ne und zeigt da­mit ein­drück­lich, dass die Bran­che nicht aus­schließ­lich sich in ei­ner Kli­schee-Ba­de­wan­ne ba­det. Im Ge­gen­teil: Der Au­tor stellt auch Be­ra­ter vor, die wirk­lich das Bes­te für ih­re Spie­ler wol­len, die zum Bei­spiel von auf den ers­ten Blick lu­kra­ti­ven Wech­seln ab­ra­ten, um die Kar­rie­re ih­rer Kli­en­ten zu för­dern. Er zeigt aber auch die schwar­zen Scha­fe der Bran­che. So wirft er auch ei­nen Blick auf die Ar­beit von Ta­l­ents­couts und auf de­ren Zu­sam­men­ar­beit mit Ver­ei­nen. Auch wenn Psot­ta in sei­nem Buch sei­nen Bild­zei­tungs-Stil nicht leug­nen will, ist die­ses Buch ein le­sens­wer­tes. Es zeigt ein­drück­lich, dass das Image des Spie­ler­be­ra­ters wirk­lich nur Kli­schee ist.

Kai Psot­ta: Die Pa­ten der Li­ga. Spie­le­be­ra­ter und ih­re Ge­schäf­te, Pi­per-Ver­lag, München 2015, 304 Sei­ten, ISBN 978-3-492-05649-6, 19,99 Eu­ro.

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