RWE star­tet An­la­ge zur Um­wand­lung von grü­nem Strom in Gas

Neue Tech­nik soll Ener­gie­wen­de vor­an­brin­gen – Ef­fi­zi­enz lässt noch zu wün­schen üb­rig

Saarbruecker Zeitung - - WIRTSCHAFT -

Wie funk­tio­niert „Po­wer to gas“? Das Ver­fah­ren ist sim­pel: Mit Strom lässt sich Was­ser in Was­ser­stoff und Sau­er­stoff tren­nen. Der Was­ser­stoff kann in ei­nem zwei­ten Schritt mit CO2 zu Methan ge­wan­delt wer­den, das sich kaum von na­tür­li­chem Erd­gas un­ter­schei­det.

Was ist der Vor­teil? Gas lässt sich pro­blem­los spei­chern und trans­por­tie­ren: Theo­re­tisch stün­de da­für das ge­sam­te deut­sche Gas­netz mit zahl­rei­chen un­ter­ir­di­schen Spei­chern be­reit. Laut dem Gas­fach­ver­band DVGW könn­te al­lein in den Spei­chern der deut­sche Strom­be­darf für 2000 St­un­den, al­so fast drei Mo­na­te, in Gas­form ge­la­gert wer­den. Bei Be­darf lässt sich das Gas mit be­währ­ter Tech­nik wie­der zu Strom um­wan­deln. Au­ßer­dem kann man den Was­ser­stoff di­rekt ver­brau­chen, um mit Brenn­stoff­zel­len Au­tos an­zu­trei­ben, oder ihn in ge­rin­ge­rer Men­ge dem Gas­netz bei­mi­schen.

Wo lie­gen die Pro­ble­me? Bis­her ist die Tech­nik nicht ef­fi­zi­ent ge­nug. Bei ei­nem Elek­tro­ly­se-Wir­kungs­grad von rund 70 Pro­zent ist nach an­schlie­ßen­der Rück­ver­stro­mung schon rund die Hälf­te der Ener­gie ver­lo­ren. Ei­ne wei­te­re Um­wand­lung in Methan wür­de noch mehr Ener­gie schlu- cken. Au­ßer­dem rech­nen sich der­zeit schon Kraft­wer­ke mit na­tür­li­chem Gas nicht – künst­lich er­zeug­tes Gas ha­be da erst recht kei­ne Chan­ce, sa­gen Kri­ti­ker.

Was sa­gen die Be­für­wor­ter? Der Kos­ten­ver­gleich führt aus ih­rer Sicht in die Ir­re, da für „Po­wer to gas“über­schüs­si­ger Strom ver­wen­det wer­den soll – al­so vor al­lem die meh­re­ren hun­dert Gi­ga­watt Wind­kraft pro Jahr, die der­zeit man­gels Spei­cher gar nicht erst ge­won­nen wer­den. Wenn Deutsch­land 2050 sei­nen Ener­gie­be­darf zu 80 Pro­zent aus re­ge- ne­ra­ti­ven Qu­el­len deckt, ge­he an den Gasspei­chern oh­ne­hin kein Weg vor­bei. Des­halb sol­le die Po­li­tik die Spei­cher­an­la­gen zu­min­dest als Star­t­an­reiz fi­nan­zi­ell för­dern, sagt der DVGW.

Und was ist mit den Kun­den? Um­welt­be­wuss­te Kun­den un­ter­stüt­zen die Tech­nik. Der Ener­gie­ver­sor­ger Gre­en­peace Ener­gy, der im De­zem­ber 2014 ei­nen „Pro-Wind­gas“- Gas­ta­rif an den Markt brach­te, fand in der kur­zen Zeit laut ei­nem Spre­cher be­reits 10 500 Kun­den – trotz ei­nes Prei­ses über Markt­ni­veau. dpa

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