Reiz­fi­gur mit aus­ge­präg­tem Macht­in­stinkt

Ger­hard Mayer-Vor­fel­der ist tot – Der lang­jäh­ri­ge Fuß­ball-Funk­tio­när und Po­li­ti­ker war ein streit­ba­rer Mann

Saarbruecker Zeitung - - THEMEN DES TAGES - Von Mar­tin Mora­vec (dpa) und Ga­b­rie­le Renz (SZ)

Ger­hard Mayer-Vor­fel­der ist im­mer sei­nen Weg ge­gan­gen. Der lang­jäh­ri­ge Spit­zen­funk­tio­när war ein kampf­lus­ti­ger Macht­mensch. Er sag­te ein­mal über sich selbst: „Ich bin ein Stück stolz dar­auf, dass ich mich in all den Jah­ren nicht ha­be ver­bie­gen las­sen.“

Stutt­gart. Zu­letzt sah man „MV“beim Lan­des­pres­se­ball Stutt­gart, den er so gut wie nie aus­ließ. Mit sei­ner mar­kant ge­schmink­ten Frau Mar­git, mit der er vier Kin­der hat, er­schien er je­des Jahr zu­ver­läs­sig auf die­sem Groß­er­eig­nis – auch dann noch, als GrünRot re­gier­te. So viel Sou­ve­rä­ni­tät ver­moch­te nicht je­der Christ­de­mo­krat auf­zu­brin­gen. Doch Ger­hard Mayer-Vor­fel­der war in der End­kur­ve sei­nes Le­bens von ei­ner um­ar­men­den Ver­söhn­lich­keit. Das war nicht im­mer so. Mayer-Vor­fel­der hat ger­ne po­la­ri­siert. „Ich bin fast täg­lich im Schüt­zen­gra­ben ge­stan­den, um mich her­um sind die Gift­pfei­le ge­schwirrt“, sag­te der Macht­mensch und Mul­tifunk­tio­när ein­mal über sei­ne tag­täg­li­chen Kämp­fe. Am Mon­tag starb er im Al­ter von 82 Jah­ren.

Egal ob als Prä­si­dent des Bun­des­li­gis­ten VfB Stutt­gart und des Deut­schen Fuß­ball-Bun­des (DFB) oder als CDU-Mi­nis­ter im Länd­le – Mayer-Vor­fel­der kann­te sich mit ex­tre­mem Ge­gen­wind aus. Und der Jon­gleur der Macht ver­stand es blen­dend, sich jah­re­lang in den di­ver­sen Spit­zen­po­si­tio­nen zu hal­ten. Tak­ti­sches Ge­spür, glän­zen­de Ver­net­zung, im­men­ses Steh­ver­mö­gen – das wa­ren nur drei Zu­ta­ten, die der knall­har­te und auch kom­pro­miss­lo­se Kon­ser­va­ti­ve ein­setz­te. „Ich war im­mer der, der ich war – mit al­len gu­ten und we­ni­ger gu­ten Sei­ten“, be­schrieb der Mann mit dem kna­cki­gen Mar­ken­kür­zel „MV“sich selbst. „Ich bin ein Stück stolz dar­auf, dass ich mich

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Der da­ma­li­ge VfB-Trai­ner Jo­gi Löw mit Ver­eins-Prä­si­dent Ger­hard Mayer- Vor­fel­der im Jahr 1997. Spä­ter wur­de Löw ge­feu­ert.

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Mayer-Vor­fel­der galt vie­len als et­was selbst­ver­liebt.

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