„Tou­ris­ten kom­men nicht mehr in un­se­re Ge­gend.“

Saarbruecker Zeitung - - THEMEN DES TAGES - Von SZ-Re­dak­teur Pe­ter Se­ring­haus

schen ster­ben, 125 wer­den ver­letzt. Die Fa­mi­lie ist in Bang­kok auf der Durch­rei­se. Zwei St­un­den vor der Ex­plo­si­on saß sie noch am Schrein. „Wir ha­ben da im­mer Pau­se ge­macht, be­vor wir ins Ho­tel ge­gan­gen sind“, er­zählt die Mut­ter, Ve­re­na von Aus­sch­nai­der. Be­vor Wach­leu­te die Gäs­te ins In­ne­re drän­gen, er­hascht Fab­bia­ni noch ei­nen Blick vom Bal­kon. Ihm bie­tet sich ein schreck­li­ches Bild – auf der sonst so be­leb­ten Kreu­zung steht al­les still. Kör­per lie­gen leb­los auf der Stra­ße. „Ich sah Rauch und hör­te Schreie. Die Ret­tungs­kräf­te wa­ren noch nicht da. Es war schlimm.“

Ei­ni­ge Tou­ris­ten wol­len nach die­sem Er­eig­nis ein­fach nur weg aus Thai­land: Wen­dy Liu ist eben erst in ih­rem Ho­tel an­ge­kom­men, als die Bom­be ex­plo­diert. Es liegt nur we­ni­ge Me­ter vom Schrein ent­fernt. „Ich woll­te am Don­ners­tag wei­ter­flie­gen, ha­be aber den Flug auf Di­ens­tag vor­ver­legt“, sagt die Tou­ris­tin aus Tai­wan. „Ich füh­le mich hier nicht mehr si­cher.“Genau dies sei die Ab­sicht der At­ten­tä­ter ge­we­sen, so die Re­gie­rung. „Sie wol­len un­se­re Wirt­schaft und den Tou­ris­mus zer­stö­ren“, sagt Re­gie­rungs­chef Prayuth Chan-ocha.

Pau Bha­nu­band, Ren­nais­sance-Ho­tel

in Bang­kok

Für die Ge­schäfts­leu­te in Bang­koks In­nen­stadt wie­der­holt sich ein Alp­traum – im­mer wie­der trüb­te po­li­ti­sche Ge­walt das Bild vom Pa­ra­dies. 2010 et­wa be­setz­ten Re­gie­rungs­geg­ner wo­chen­lang Ra­jpra­song, lee­re Ho­tels und Lä­den wa­ren die Fol­ge. Mehr als 90 Men­schen star­ben bei Zu­sam­men­stö­ßen mit der Ar­mee.

„Wir fürch­ten das Schlimms­te“, sagt Pau Bha­nu­band vom Ren­nais­sance-Ho­tel. „Tou­ris­ten kom­men nicht mehr in un­se­re Ge­gend und die Ein­hei­mi­schen ha­ben zu viel Angst, um hier es­sen zu ge­hen.“Auch Pong­s­asa­korn Korn­kum macht sich Sor­gen: „Je­des Mal wenn es hier po­li­ti­sche Un­ru­hen gibt, ver­lie­ren wir min­des­tens 30 Pro­zent Um­satz“, sagt der Ma­na­ger ei­nes Ba­gel-La­dens. Die Si­cher­heits­vor­keh­run­gen sei­en ver­schärft wor­den, ver­si­chert die Tou­ris­ten­be­hör­de TAT. „In der gan­zen Stadt sind Pa­trouil­len un­ter­wegs, um die Si­cher­heit der Ein­hei­mi­schen und Be­su­cher zu ge­währ­leis­ten.“Das öf­fent­li­che Le­ben sei nicht be­ein­träch­tigt.

Nach ei­ner Stu­die des Kre­dit­kar­ten­un­ter­neh­mens Mas­tercard war Bang­kok im ver­gan­ge­nen Jahr nach Lon­don welt­weit das be­lieb­tes­te Tou­ris­ten­ziel. 16,4 Mil­lio­nen Be­su­cher sei­en ge­kom­men. Für 2015 rech­ne­te das Un­ter­neh­men mit 18,2 Mil­lio­nen Be­su­chern – das war aber vor dem An­schlag. Auf der Su­che nach den Draht­zie­hern ver­folgt die Po­li­zei der­weil ei­ne ers­te hei­ße Spur. Ei­ne Vi­deo­ka­me­ra film­te ei­nen Mann mit Ruck­sack in der Nä­he des Tat­orts. Er ent­fern­te sich we­nig spä­ter oh­ne Ge­päck. Die Fahn­dung lief auf Hoch­tou­ren.

Der bru­ta­le Bom­ben­an­schlag in Bang­kok bricht to­tal mit dem Bild vom Land des Lä­chelns. Un­ter der fried­li­chen Ober­flä­che bro­delt es in Thai­land ge­wal­tig. Da gibt es seit Jah­ren mi­li­tä­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit mus­li­mi­schen Se­pa­ra­tis­ten an der Gren­ze zu Ma­lay­sia. Ver­hand­lun­gen? Fehl­an­zei­ge! Der Staat bleibt kom­pro­miss­los. We­nig men­schen­wür­dig ist zu­dem der Um­gang mit Min­der­hei­ten aus Myan­mar. Und seit dem Wahl­sieg von Thaks­in Shi­na-

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