Au­to­zu­lie­fe­rer im Um­bruch

Markt ist von Über­nah­men ge­prägt – Un­ter­neh­men rin­gen um Grö­ße

Saarbruecker Zeitung - - WIRTSCHAFT - Von dpa-Mit­ar­bei­te­rin An­ni­ka Graf

Das Über­nah­me­ka­rus­sell der Au­to­mo­bil­zu­lie­fe­rer dreht sich im­mer schnel­ler. Die Fir­men ver­su­chen, über Grö­ße ein Ge­gen­ge­wicht zur Markt­macht der gro­ßen Au­to­her­stel­ler auf­zu­bau­en.

Lud­wigs­burg. Die Spit­ze der 100 größ­ten Zu­lie­fe­rer dürf­te 2016 noch ähn­lich aus­se­hen wie in die­sem Jahr – mit Bosch, Con­ti­nen­tal, Den­so und Ma­gna in un­ter­schied­li­chen Kon­stel­la­tio­nen. Doch die nach­fol­gen­den Rän­ge sor­tie­ren sich gera­de kom­plett neu.

Nach dem Mil­li­ar­den­deal zwi­schen ZF Fried­richs­ha­fen und TRW hat der ka­na­disch-ös­ter­rei­chi­sche Au­to­zu­lie­fe­rer Ma­gna sich vor we­ni­gen Wo­chen den Ge­trie­be­her­stel­ler Ge­trag ein­ver­leibt. Mah­le kauf­te un­ter an­de­rem die Kli­ma­tech­nik­spar­te von Del­phi. El­ring-Klin­ger über­nahm ei­nen US-Zu­lie­fe­rer für Au­to­ma­tik­ge­trie­be. Am Mon­tag ver­kün­de­te Mann + Hum­mel, die Fil­ter­spar­te der Af­fi­nia Group in den USA über­neh­men zu wol­len. Geht der De­al durch, stockt der schwä­bi­sche Zu­lie­fe­rer sei­nen Um­satz um gut ein Drit­tel auf 3,7 Mil­li­ar­den Eu­ro auf.

Die Zu­lie­ferer­bran­che ist seit Jah­ren in Be­we­gung. Da­bei ist es nach Ein­schät­zung von Mar­cus Ber­ret von der Stra­te­gie­be­ra­tung Roland Berger nicht so, dass deut­lich we­ni­ger Zu­lie­fe­rer ent­ste­hen: „Bei vie­len Über­nah­men han­delt es sich nur um Pro­dukt­fel­der oder Spar­ten, die ab­ge­ge­ben wer­den.“Sel­ten wür­den gan­ze Un­ter­neh­men ver­kauft. Die Über­nah­me von TRW durch ZF Fried­richs­ha­fen sei eher ein „Aus­nah­me­deal“. In ei­ner ähn­li­chen Li­ga spiel­ten nur Con­ti­nen­tal und Schaeffler oder Con­ti­nen­tal und VDO.

Grö­ße gilt als ent­schei­den­der Er­folgs­fak­tor in der Bran­che. Denn die Au­to­her­stel­ler ha­ben dank der Struk­tu­ren ei­ne enor- me Macht über ih­re Zu­lie­fe­rer. Selbst bei den Über­nah­men re­den sie im­mer wie­der ein Wört­chen mit, wie Ber­ret sagt. „Ich se­he ein Zeit­fens­ter von et­wa zwölf Mo­na­ten, in de­nen wir noch sehr vie­le Trans­ak­tio­nen se­hen wer­den“, sagt Ber­ret. Die gu­te Bran­chen­kon­junk­tur in der Au­to­in­dus­trie ha­be den Zu­lie­fe­rern zu ho­hen Cash-Re­ser­ven ver­hol­fen.

Die tech­no­lo­gi­schen Um­brü­che, die sich in der Au­to­in­dus­trie ab­zeich­nen, er­hö­hen den Druck, sagt auch Jür­gen Pie­per, Ana­lyst beim Bank­haus Metz­ler in Frankfurt. Die Zu­lie­fe­rer nut­zen die im­mer noch güns­ti­gen Fi­nan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten, um ihr Ge­schäfts­mo­dell an Trends wie nied­ri­ge­re CO2-Ver­bräu­che, Elek­tro­mo­bi­li­tät oder au­to­no­mes Fah­ren an­zu­pas­sen. Der eins­ti­ge Kol­ben­spe­zia­list Mah­le bei­spiels­wei­se wird mit den Über­nah­men der Kli­ma­tech­nik­spar­te des US-Zu­lie­fe­rers Del­phi und des Kli­ma­an­la­gen­bau­ers Behr un­ab­hän­gi­ger vom Ver­bren­nungs­mo­tor. Mah­le hat­te im ver­gan­ge­nen Jahr auch die slo­we­ni­sche Le­tri­kaG­rup­pe über­nom­men, die Elek­tro­mo­to­ren und Ge­ne­ra­to­ren so­wie elek­tri­sche An­triebs­sys­te­me her­stellt.

An­de­re Zu­lie­fe­rer be­we­gen sich weg von der Au­to­bran­che. Der füh­ren­de La­ckier­an­la­gen- her­stel­ler Dürr bei­spiels­wei­se über­nahm den Holz­ma­schi­nen­bau­er Ho­mag. Auch Mann + Hum­mel will mit Hil­fe von Af­fi­nia wei­ter im In­dus­trie­be­reich wach­sen. Und selbst Bosch, der größ­te Au­to­zu­lie­fe­rer welt­weit, will sei­ne Ab­hän­gig­keit vom Au­to­ge­schäft ver­rin­gern.

FO­TO: ZF

Der Ge­trie­be­bau­er ZF hat für 2,2 Mil­li­ar­den Eu­ro den US-Au­to­zu­lie­fe­rer TRW über­nom­men.

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