Die Ver­gan­gen­heit läuft im­mer mit

Bei der Leicht­ath­le­tik-WM in Pe­king ge­hen vie­le über­führ­te Do­ping­sün­der an den Start

Saarbruecker Zeitung - - SPORT - Von Chris­toph Leuch­ten­berg und Kris­tof Stühm (sid)

Bei der Leicht­ath­le­tik-Welt­meis­ter­schaft in Pe­king kämp­fen zahl­rei­che Ath­le­ten um Me­dail­len, die mit Do­ping er­wischt wur­den. Kri­tisch setzt sich kaum je­mand mit sei­ner Ver­gan­gen­heit aus­ein­an­der.

Pe­king. Jus­tin Gat­lin: ge­dopt mit Tes­to­ste­ron und Am­phet­ami­nen. Asa­fa Po­well: mit Oxilo­frin er­wischt. Ty­son Gay: auf Ste­ro­iden un­ter­wegs. Es ist ei­ne fei­ne Ge­sell­schaft, die wohl am 23. Au­gust im 100-Me­ter-Fi­na­le der Leicht­ath­le­tik-Welt­meis­ter­schaft in Pe­king an der Start­li­nie ste­hen wird. Und nicht nur die drei schnells­ten Sprin­ter des Jah­res ha­ben ei­ne dunk­le Ver­gan­gen­heit – in fast je­der Dis­zi­plin star­ten in Chi­na über­führ­te Be­trü­ger.

„Ich bin sehr glück­lich, wie­der da­bei zu sein. Die wah­ren Fans wis­sen, was ich durch­lei­den muss­te“, sag­te Gay in ei­ner gro­tes­ken Um­kehr von Op­fer­und Tä­ter­rol­le: „Ich bin kein Be­trü­ger. Ich ha­be je­man­dem ver­traut und bit­ter be­zahlt.“Nichts hat der US-Welt­meis­ter von 2007 be­reut, kam aber den­noch mit nur ei­nem Jahr Sper­re da­von. Die but­ter­wei­che Sport­jus­tiz drück­te nicht nur bei ihm bei­de Au­gen zu. Ja­mai­kas ExWelt­re­kord­ler Po­well, des­sen po­si­ti­ver Test 2013 am glei­chen Tag wie Gays be­kannt wur­de, er­hielt statt zwei Jah­ren nur 18 Mo­na­te Sper­re, klag­te je­doch so lan­ge, bis er nach ei­nem hal­ben Jahr wie­der ren­nen durf­te. Gat­lin hät­te 2006 als Wie­der­ho­lungs­tä­ter le­bens­lang aus dem Ver­kehr ge­zo­gen wer­den müs­sen – es wur­den vier Jah­re.

Dass Gat­lin als an­geb­lich sau­be­rer Sprin­ter nun schnel­ler läuft als ge­dopt, Gay und Po­well wie­der auf al­tem Ni­veau an­ge- langt sind, ent­larvt den Sank­ti­ons-Ap­pa­rat als Pa­pier­ti­ger. Wer auf­fliegt, kann fast si­cher sein, beim nächs­ten Groß­er­eig­nis wie­der mit­zu­mi­schen – die Mil­de der Sport-Recht­spre­chung ist er­staun­lich. Un­er­klär­lich ist auch, dass ein un­ver­bes­ser­li­cher Be­trü­ger wie Iwan Ti­chon um Me­dail­len kämp­fen darf. Der weiß­rus­si­sche Ham­mer­wer­fer, der drei­mal Welt­meis­ter ge­wor­den war, ver­lor sei­nen WM-Ti­tel von 2005 durch Nach­tests, zu­dem muss­te er Olym­pia-Sil­ber 2004 und den EM-Ti­tel 2006 ab­ge­ben. Die eben­falls ab­er­kann­te Olym­pia-Bron­ze­me­dail­le 2008 er- hielt Ti­chon auf­grund ei­nes Ur­teils des Sport­ge­richts­ho­fes CAS zu­rück. Aus den Start­lis­ten von Olym­pia 2012 wur­de er nach Be­kannt­wer­den po­si­ti­ver Tes­t­er­geb­nis­se ge­stri­chen. Nach zwei Jah­ren Sper­re ist der mitt­ler­wei­le 39-Jäh­ri­ge in Pe­king wie­der am Start.

Vie­le Sper­ren ver­kürzt Vo­gel­wild ging es im Fall der ja­mai­ka­ni­schen Star­sprin­te­rin Ve­ro­ni­ca Camp­bell-Brown zu. Die drei­ma­li­ge Olym­pia­sie­ge­rin wur­de im Mai 2013 mit ei­nem Di­ure­ti­kum er­wischt, hät­te zwei Jah­re ge­sperrt wer­den müs­sen. Die IAAF wer­te­te das Ver­ge­hen als ge­ring­fü­gig. Statt ei­ner Sper­re er­teil­te Ja­mai­kas Ver­band ei­ne öf­fent­li­che Ver­war­nung, ehe der CAS Camp­bell-Brown frei­sprach.

Wei­te­re zwei­fel­haf­te Kan­di­da­ten: Die Kroa­tin Sandra Per­ko­vic, die seit fünf Jah­ren den Dis­kus­wurf nach Be­lie­ben be­herrscht, wur­de 2011 zwei­mal po­si­tiv auf Me­thyl­he­xa­na­min ge­tes­tet, be­stritt aber die wis­sent­li­che Ein­nah­me. Nur sechs Mo­na­te Sper­re brumm­te sie ab, ge­wann seit 2012 je­de gro­ße Meis­ter­schaft – auch in Pe­king wird sie kaum zu schla­gen sein. Die Rus­sin Je­ka­te­ri­na Ko­ne­wa wur­de 2007 als Sprin­te­rin po­si- tiv auf Tes­to­ste­ron ge­tes­tet und zwei Jah­re ge­sperrt, wech­sel­te da­nach zum Drei­sprung und reist nun als Num­mer eins der Welt nach Pe­king.

Re­la­tiv un­kri­tisch steht auch LaShawn Mer­ritt sei­ner ei­ge­nen Ver­gan­gen­heit ge­gen­über. Der ame­ri­ka­ni­sche Pe­kin­gOlym­pia­sie­ger und drei­ma­li­ge Welt­meis­ter über 400 Me­ter, war 2010 po­si­tiv ge­tes­tet und 21 Mo­na­te ge­sperrt wor­den. Ein Mit­tel zur Pe­nis­ver­grö­ße­rung sei ver­ant­wort­lich, be­teu­er­te Mer­ritt und sag­te: „Ich bin kein Doper, ich ha­be nur ei­nen Feh­ler ge­macht.“Al­les halb so schlimm al­so.

FO­TO: IMAGO

Ty­son Gay, Jus­tin Gat­lin und Asa­fa Po­well – drei ver­dammt schnel­le Män­ner über die 100 Me­ter, oh­ne Fra­ge. Aber al­le drei Sprin­ter ha­ben ei­ne we­nig ruhm­rei­che Do­ping-Ver­gan­gen­heit.

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