Gift-Kö­der be­un­ru­hi­gen Hun­de­be­sit­zer im Saar­land

Gift­kö­der für Hun­de: Po­li­zei und Tier­schüt­zer ver­mu­ten hin­ter den De­lik­ten zwi­schen­mensch­li­che Kon­flik­te wie Streit mit den Nach­barn

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE - Von dpa-Mit­ar­bei­ter Michael Kief­fer PRO­DUK­TI­ON DIE­SER SEI­TE: IRIS NEU JÖRG WINGERTSZAHN

Ob mit Rat­ten­gift, Glas­scher­ben oder Ra­sier­klin­gen: Prä­pa­rier­te Kö­der ver­let­zen und tö­ten im­mer wie­der Hun­de und an­de­re Tie­re. Die Ta­ten schei­nen zu­zu­neh­men. Auch für Men­schen kann das ge­fähr­lich wer­den.

Berlin/Saar­brü­cken. „Gift­kö­der tö­tet Hund“, „Tier­quä­ler spi­cken Wie­ner Würst­chen mit Steck­na­deln“, „Po­li­zei warnt: Kö­der mit Ra­sier­klin­gen aus­ge­legt“. Im­mer wie­der gibt es sol­che Mel­dun­gen – und oft en­den die Atta­cken für die Tie­re töd­lich. Sie ver­blu­ten in­ner­lich, ster­ben un­ter Krämp­fen und gro­ßen Schmer­zen, wie die Tier­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Pe­ta schil­dert. Aber auch Men­schen sei­en ge­fähr­det, be­tont der Deut­sche Tier­schutz­bund – et­wa spie­len­de Kin­der, wenn sie mit Gift­kö­dern in Be­rüh­rung kom­men. Wer­den sol­che Straf­ta­ten in Deutsch­land häu­fi­ger? „Wir ha­ben ganz klar den Ein­druck, dass die Zahl der Fäl­le zu­nimmt“, hat Ba­den-Würt­tem­bergs Tier­schutz­be­auf­trag­te Cor­ne­lie Jä­ger kürz­lich ge­sagt. Pe­ta spricht von ei­ner bun­des­wei­ten Häu­fung, auch wenn of­fi­zi­el­le Zah­len da­zu rar sind. „Durch Me­dien­be­rich­te oder Hil­fe­ru­fe von Be­trof­fe­nen er­fah­ren wir fast täg­lich von An­schlä­gen durch mit Gift oder scharf­kan­ti­gen Ge­gen­stän­den prä­pa­rier­te Kö­der auf Tie­re“, er­läu­tert Ju­dith Pein, Spre­che­rin der Tier­recht­ler von Pe­ta. Der saar­län­di­sche Lin­kenAb­ge­ord­ne­te Ralf Ge­or­gi for­der­te des­halb kürz­lich ein Früh­warn­sys­tem für Gift­kö­der im Saar­land in Form ei­ner von Lan­des­be­hör­den, Po­li­zei und Re­vier­lei­tern ge­speis­ten In­ter­net­sei­te oder App.

In der Kri­mi­nal­sta­tis­tik wer­den die De­lik­te als Ver­stö­ße ge­gen das Tier­schutz­ge­setz er­fasst, teils auch als Sach­be­schä­di­gung. Bei den Ver­ge­hen ge­gen den Tier­schutz ha­ben die Er­mitt­ler im ver­gan­ge­nen Jahr bun­des­weit 6719 Fäl­le er­fasst – ver­gli­chen mit dem Jahr 2010, als 6521 Fäl­le re­gis­triert wur­den, ist das ein Plus von gut drei Pro­zent. Auf­schluss­reich sind hier Stim­men aus ein­zel­nen Bun­des­län­dern. Bei­spiel Saar­land: Die Fäl­le häu­fen sich auch hier. Im März die­ses Jah­res fraß ein Hund in Düp­pen­wei­ler in der Nä­he ei­nes Kin­der­spiel­plat­zes mit Rat­ten­gift ver­setz­tes Hack­fleisch. Im Fe­bru­ar ver­gan­ge­nen Jah­res ver­en­de­ten vier Hun­de in Saar­brü­cken an Gift­kö­dern, die in Wäl­dern aus­ge­legt wa­ren. 2013 wur­den drei Hun­de in Hö­chen ver­gif­tet, zwei muss­ten ein­ge­schlä­fert wer­den. Im Fe­bru­ar ver­gan­ge­nen Jah­ren leg­ten Un­be­kann­te Gift­kö­der in St. Ing­ber­ter und Saar­brü­cker Forst­ge­bie­ten aus. Min­des­tens sechs Hun­de wur­den da­mals ver­gif­tet. Be­reits 2006 fan­den An­woh­ner im Hom­bur­ger Stadt­teil Bruch­hof in ih­rem Gar­ten zwei ver­gif­te­te Wurst­stü­cke, in ei­nem steck­te so­gar ein Na­gel. Bei­spiel Bay­ern: Das Lan­des­kri­mi­nal­amt in München will An­grif­fe auf Hun­de mit prä­pa­rier­ten Kö­dern zwar nicht als Kri­mi­na­li­täts­schwer­punkt be­zeich­nen. Doch sei in Bay­ern seit dem Jahr 2011 mit rund 60 Fäl­len bis zum Jahr 2014 mit et­wa 100 Fäl­len „ein kon­ti­nu­ier­li­cher An­stieg der Fall­zah­len“fest­zu­stel­len. Die­se Ten­denz set­ze sich im lau­fen­den Jahr fort. Bei­spiel Rhein­land-Pfalz. „Die Fall­zah­len für die­sen Be­reich stie­gen von 2008 bis 2014 mit ver­schie­den ho­hen Zu­wäch­sen fast stän­dig an“, heißt es aus dem dor­ti­gen Lan­des­kri­mi­nal­amt. Die Tä­ter hat­ten Hun­de mit Wurst und Fleisch ge­kö­dert und die ver­meint­li­chen Le­cker­lis mit Schne­cken­korn, Rat­ten­gift, Ra­sier­klin­gen, Nä­geln oder Glas­scher­ben prä­pa­riert. Die Kö­der fan­den sich auf öf­fent­li­chen Plät­zen, Stra­ßen und Feld­we­gen oder wur­den auf Pri­vat­grund­stü­cke ge­wor­fen.

Die Po­li­zei im Saar­land ver­mu­tet hin­ter den De­lik­ten län­ger an­dau­ern­de Strei­tig­kei­ten et­wa zwi­schen Nach­barn, wie das Lan­des­po­li­zei­prä­si­di­um in Saar­brü­cken er­klärt. Ähn­lich sieht es der Deut­sche Tier­schutz­bund: Oft wür­den zwi­schen­mensch­li­che Kon­flik­te über das Haus­tier aus­ge­tra­gen. Op­fer sei­en da­bei längst nicht nur Hun­de; so sei auch schon mit ei­nem Luft­ge­wehr auf Kat­zen ge­schos­sen wor­den. Die ge­nau­en Mo­ti­ve je­doch blie­ben eben­so wie die Tä­ter meist un­be­kannt, be­dau­ert der Tier­schutz­bund.

Auch Sascha Schop­pen­gerd – Mit­in­itia­tor des pri­va­ten In­ter­net­an­ge­bots „Gift­kö­der­ra­dar“– be­fürch­tet ein gro­ßes Dun­kel­feld. In die­sem Jahr sei­en schon rund 1800 Mel­dun­gen auf­ge­nom­men wor­den (im Ver­gleich zu 1277 Mel­dun­gen im ge­sam­ten ver­gan­ge­nen Jahr), al­ler­dings sei nur in rund 100 Fäl­len ei­ne An­zei­ge bei der Po­li­zei er­stat­tet wor­den. Pe­ta for­dert ein Mel­de­re­gis­ter, um Gift­an­schlä­ge zen­tral zu do­ku­men­tie­ren. Ganz wich­tig sei es je­den­falls, als Tier­hal­ter An­zei­ge zu er­stat­ten und Kö­der-Fun­de zu mel­den, emp­fiehlt Ju­dith Pein.

FO­TO: SCHUH/DPA

Ein Zet­tel warnt in ei­nem Park vor aus­ge­leg­ten Gift­kö­dern.

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