Die Saar­brü­cker Jo­han­nes­kir­che ist vom Ver­fall be­droht

Zur Ret­tung der Jo­han­nes­kir­che feh­len noch rund 1,8 Mil­lio­nen Eu­ro

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE - Von SZ-Re­dak­teur Mar­tin Rols­hau­sen

Sie ist 117 Jah­re alt und ei­nes der Saar­brü­cker Wahr­zei­chen: die Jo­han­nes­kir­che. 1,7 Mil­lio­nen ha­ben die evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­mein­de und ihr Bau­ver­ein be­reits in die Sa­nie­rung in­ves­tiert. Doch das reicht nicht.

St. Jo­hann. Durch­at­men. La­chen. Klat­schen. Der Turm der Jo­han­nes­kir­che war nach gut zehn Jah­ren end­lich wie­der in ei­nem Zu­stand, der es er­laub­te, al­le vier Glo­cken schwin­gen zu las­sen. Und das pünkt­lich zu Weih­nach­ten. Und dann kam auch noch das Ge­rüst, das dem Turm lan­ge zur Haut ge­wor­den war, weg. End­lich. Wun­der­bar.

Wun­der­bar? Ja, schon, sagt Re­gi­ne Eich­holz, aber mit dem Ge­rüst sei auch die Spen­den­be­reit­schaft ge­schwun­den.

Re­gi­ne Eich­holz ist zwei­te Vor­sit­zen­de des Bau­ver­eins Jo- han­nes­kir­che. „Es ist dra­ma­tisch, wie die Spen­den­freu­dig­keit ab­ge­nom­men hat, weil die Kir­che so aus­sieht, als wenn al­les gut wä­re“, sagt sie. Es sei aber nicht al­les gut. Die Kir­che sei noch lan­ge nicht ge­ret­tet.

Es sei nicht fünf, es sei drei Mi­nu­ten vor zwölf, hat­te der Bau­ver­ein schon vor Jah­ren ge­sagt – und ge­warnt: „Die Saar­brü­cker Jo­han­nes­kir­che ist mas­siv vom Ver­fall be­droht. Das Wahr­zei­chen mit­ten in der Saar­brü­cker Ci­ty kann nur mit rie­si­gen An­stren­gun­gen und durch ei­ne um­fas­sen­de Re­stau­rie­rung ge­ret­tet und er­hal­ten wer­den.“

Der Ver­ein und die St. Jo­han­ner Kir­chen­ge­mein­de mach­ten da­mals schon klar: Das Geld, das die Kir­che zur Ver­fü­gung ha­be, rei­che nicht aus, um die­se „Her­ku­les-Auf­ga­be“zu be­wäl­ti­gen. Es brau­che „be­herz­te Bür­ge­rin­nen und Bür­ger“, Men­schen, die spen­den und sich im Bau­ver­ein Jo­han- nes­kir­che en­ga­gie­ren.

1,7 Mil­lio­nen Eu­ro hat die Ge­mein­de in den ver­gan­ge­nen Jah­ren an der Süd­sei­te der Kir­che (zur Saar­bahn­hal­te­stel­le hin) und am Turm ver­baut, er­klär­te der für Fi­nan­zen und Ge­bäu­de zu­stän­di­ge Kirch­meis­ter Lutz Al­bers­dör­fer. Un­ter an­de­rem sind auch die Glo­cken neu be­fes­tigt wor­den, und die Klöp­pel wur­den aus­ge­tauscht. „Wir hat­ten Angst, dass die raus­sprin­gen“, sag­te Al­bers­dör­fer. Rund ei­ne Mil­li­on Eu­ro hat die Ge­mein­de selbst auf­ge­bracht, 700 000 Eu­ro ka­men vom Land, vom Bund und von der Denk­mal­pfle­ge, sagt der Kirch­meis­ter.

Es sei viel ge­leis­tet wor­den, sagt Re­gi­ne Eich­holz, aber eben nicht ge­nug. „Wir brau­chen noch min­des­tens 1,8 Mil­lio­nen Eu­ro“, teil­te sie ges­tern auf An­fra­ge mit. Das Geld wer­de vor al­lem für die Sa­nie­rung der Nord­sei­te (zum Nau­wie­ser Vier­tel) und der Ap­sis ge­braucht.

Man hof­fe wie­der auf fi­nan­zi­el­le Hil­fe vom Land, sagt Re­gi­ne Eich­holz. Die Stadt Saar­brü­cken ha­be bis­her nichts für das Bau­werk tun kön­nen. Und die Ge­mein­de rech­ne auch nicht da­mit, dass sich das än­dert. An­trä­ge ans Land sei­en ge­stellt. Par­al­lel wer­be man um pri­va­te Spen­den. Das brau­che Zeit, sagt Re­gi­ne Eich­holz. Des­halb sind wei­te­re Bau­ar­bei­ten „auf 2016 ver­scho­ben“, teilt sie mit. Dann, so hofft sie, wird wie­der ein Ge­rüst auf­ge­baut.

„Es ist dra­ma­tisch,

wie die Spen­den­freu­dig­keit ab­ge­nom­men

hat.“Re­gi­ne Eich­holz,

Bau­ver­ein Jo­han­nes­kir­che

FO­TO: MAR­TIN ROLS­HAU­SEN

Die 1898 er­bau­te Jo­han­nes­kir­che steht zwi­schen Rat­haus und Nau­wie­ser Vier­tel.

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