Land schiebt 157 Asyl­be­wer­ber ab

Men­schen aus dem Bal­kan im Saar­land oh­ne Chan­ce auf An­er­ken­nung als Flücht­ling

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE -

Seit Jah­res­be­ginn sind 157 Asyl­be­wer­ber aus dem Saar­land ab­ge­scho­ben wor­den. Vor al­lem Men­schen aus den Bal­kan-Staa­ten wird kein Asyl ge­währt.

Wer aus Sy­ri­en ins Saar­land flieht, hat die An­er­ken­nung als Flücht­ling so gut wie si­cher. Asyl­su­chen­de aus Bal­kan-Staa­ten ha­ben hin­ge­gen schlech­te Kar­ten. Die SaarCDU for­dert, ab­ge­lehn­te Be­wer­ber kon­se­quent ab­zu­schie­ben.

Le­bach. Die Asyl­an­trä­ge von Men­schen, die aus ei­nem der Bal­kan-Staa­ten ins Saar­land rei­sen, sind chan­cen­los. Zwi­schen Ja­nu­ar und Ju­li wur­de kein ein­zi­ger An­trag ak­zep­tiert. Das zei­gen neue Zah­len des Bun­des­am­tes für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF), die der SZ vor­lie­gen. Die Be­hör­de un­ter­hält auf dem Ge­län­de der Lan­des­auf­nah­me­stel­le in Le­bach ei­ne Au­ßen­stel­le, in der Mit­ar­bei­ter sämt­li­che Asyl­an­trä­ge aus dem Saar­land prü­fen. Die Au­ßen­stel­le hat seit Jah­res­be­ginn über 2589 Asyl­an­trä­ge ent­schie­den, dar­un­ter 1688 An­trä­ge aus Sy­ri­en, 387 von Bal­kan­Staa­ten, 186 aus Eri­trea, 90 aus dem Irak und 68 aus Af­gha­nis­tan.

Die An­trä­ge aus den Bal­kan­Staa­ten wur­den – so­fern sie sich nicht durch ir­gend­wel­che Um­stän­de er­le­digt hat­ten – al­le ab­ge­lehnt. In vier Fäl­len stell­te die Be­hör­de je­doch ein Ab­schie­bungs­ver­bot fest, weil im Hei­mat­staat „ei­ne er­heb­li­che kon­kre­te Ge­fahr für Leib, Le­ben oder Frei­heit“be­steht.

Bei den Sy­rern liegt die Er­folgs­quo­te hin­ge­gen bei 100 Pro­zent. Die al­ler­meis­ten der An­trag­stel­ler aus Sy­ri­en er­hal­ten ei­ne An­er­ken­nung als Flücht­ling nach der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on, was de fac­to das Glei­che be­deu­tet wie die Ge­wäh­rung von Asyl nach dem Grund­ge­setz. Weil bei Sy­rern so­wie bei Men­schen aus dem Nord­irak und Eri­trea die Er­folgs­wahr­schein­lich­keit der Asyl­an­trä­ge sehr hoch ist, wur­de das Ver­fah­ren bei ih­nen ver­ein­facht. Statt ei­ner An­hö­rung, auf de­ren Ba­sis über das Asyl­ge­such ent­schie­den wird, müs­sen sie nur ei­nen Fra­ge­bo­gen aus­fül­len.

Wird ein Asyl­ge­such (ge­ge­be­nen­falls nach ei­nem Ver­fah­ren vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt) ab­ge­lehnt und kein Ab­schie­bungs­ver­bot fest­ge­stellt, so wird der An­trag­stel­ler zur Aus­rei­se auf­ge­for­dert. Kommt er die­ser Auf­for­de­rung in ei­ner be­stimm­ten Frist nicht nach, dann wird er ab­ge­scho­ben. Nach An­ga­ben des saar­län­di­schen In­nen­mi­nis­te­ri­ums wur­den in den ers­ten sie­ben Mo­na­ten des Jah­res 157 ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber ab­ge­scho­ben.

CDU- Ge­ne­ral­se­kre­tär Roland Theis for­der­te, dass nur sol­che Bun­des­län­der Hil­fen des Bun­des zur Un­ter­brin­gung von Flücht­lin­gen be­kom­men sol­len, die ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber auch tat­säch­lich ab­schie­ben. „So­li­da­ri­tät setzt fai­re Re­geln vor­aus, und wir brau­chen al­le Ka­pa­zi­tä­ten, um die­je­ni­gen auf­zu­neh­men, die auf­grund von Krieg und Ver­fol­gung un­se­re Hil­fe wirk­lich brau­chen“, teil­te Theis mit. Die kon­se­quen­te Rück­füh­rung sei da­her ei­ne „Gr­und­vor­aus­set­zung für ei­ne ge­rech­te und so­li­da­ri­sche Flücht­lings­po­li­tik“. kir

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