Speer­wer­fer Vetter will bei der WM ins Fi­na­le

Leicht­ath­le­tik: Speer­wer­fer Jo­han­nes Vetter freut sich auf WM-Pre­mie­re – Qua­li­fi­ka­ti­on für Fi­na­le als ers­tes Ziel

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE - Von SZ-Mit­ar­bei­te­rin Chris­ti­na John

Speer­wer­fer Jo­han­nes Vetter ist der ein­zi­ge Teil­neh­mer ei­nes saar­län­di­schen Clubs bei den Welt­meis­ter­schaf­ten in Pe­king.

Es ist et­wa ein Drei­vier­tel­jahr her, als Jo­han­nes Vetter sein Hab und Gut zu­sam­men­ge­packt hat, um sei­ne Hei­mat­stadt Dres­den zu ver­las­sen. Ziel sei­ner Rei­se: das über 500 Ki­lo­me­ter ent­fern­te Of­fen­burg. Da­mals in sei­nem Ge­päck: 79,75 Me­ter. Der jun­ge Speer­wer­fer woll­te mehr aus sich her­aus­ho­len, wei­ter nach vor­ne kom­men. Er ver­ließ den Dresd­ner SC, schloss sich dem SV schlau.com Saar 05 Saar­brü­cken an und ver­leg­te sei­nen Le­bens­und Trai­nings­ort zum Völk­lin­ger Bun­des­trai­ner Bo­ris Obergföll in den Wes­ten Ba­den-Würt­tem­bergs. Jetzt, Mo­na­te spä­ter, hat Vetter er­neut sei­ne Kof­fer ge­packt. Ziel sei­ner Rei­se: das fast 8000 Ki­lo­me­ter ent­fern­te Pe­king. Dies­mal in sei­nem Ge­päck: 85,40 Me­ter.

Grund sei­ner Rei­se sind die Leicht­ath­le­tik-Welt­meis­ter­schaf­ten, die am 22. Au­gust be­gin­nen. Und dass Vetter im Vor­feld sei­ne Best­wei­te um fast sechs Me­ter nach oben ge­schraubt und sich so­mit für den Sai­son-Hö­he­punkt qua­li­fi­ziert hat, macht ihn noch im­mer ein biss­chen sprach­los. „Im Trai­nings­all­tag denkt man meis­tens nicht so viel dar­über nach“, sagt er: „Aber in der letz­ten Wo­che hat­te ich et­was mehr Re­ge­ne­ra­ti­ons­zeit. Und wenn ich mich dann in Ru­he da­mit be­fas­se, kann ich es kaum glau­ben. Es ist ein Ham­mer- Ge­fühl.“Die 85,40 Me­ter, die er En­de Mai in Je­na warf, be­för­der­ten ihn zwi­schen­zeit­lich an die Spit­ze der deut­schen Jah­res­bes­ten­lis­te und auf Rang fünf der Welt­jah­res­bes­ten­lis­te. Mitt­ler­wei­le hat die Kon­kur­renz nach­ge­legt: Tho­mas Röh­ler (LC Je­na) reist mit 89,27 Me­ter als bes­ter Deut­scher zur WM nach Chi­na, im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich liegt Vetter nun auf Rang elf.

Den Stolz hat das nicht ge­schmä­lert. „Es ist rich­tig cool, wenn man sei­nen Na­men in den vor­de­ren Rei­hen sieht“, sagt der deut­sche Vi­ze­meis­ter. „Ich hät­te mit so ei­nem Leis­tungs­sprung nicht ge­rech­net.“Trotz­dem ist er vor dem Start der WM noch vor­sich­tig. Vetter will in Pe­king die Qua­li­fi­ka­ti­on, die am Mon­tag statt­fin­det, über­ste­hen „und Er­fah­rung sam­meln für die nächs­ten Jah­re“, sagt er: „Vor der Sai­son sind wir noch nicht mal wirk­lich von der Teil­nah­me aus­ge­gan­gen. Dass ich jetzt zum ers­ten Mal zu ei­ner WM darf, ist über­wäl­ti­gend. Mehr als die Qua­li­fi­ka­ti­on neh­me ich mir des­halb erst­mal nicht vor.“

Sein Trai­ner Bo­ris Obergföll sieht das nicht an­ders. „Beim Wett­kampf selbst se­hen wir ja, wie die an­de­ren Ath­le­ten drauf sind, und was noch ge­hen könn- te“, sagt der 41-Jäh­ri­ge. Die Qua­li­fi­ka­ti­on im Speer­wurf geht am Abend des 24. Au­gust (13 und 14.45 Uhr deut­scher Zeit) über die Büh­ne. Zwei Ta­ge spä­ter kämp­fen die Bes­ten im Fi­na­le um die Me­dail­len. Lang­fris­tig, da ist sich Obergföll si­cher, hat sein Schütz­ling das Zeug da­zu, wie er selbst die 90-Me­ter-Mar­ke zu kna­cken. Auch die Olym­pi­schen Spie­le 2016 schei­nen ein rea­lis­ti­sches Ziel zu sein. „Das Jahr war bis­her schon ra­ke­ten­ar­tig“, lobt der Bun­des­trai­ner: „Jo­jo bringt im gan­zen Bun­des­ka­der die größ­ten kon­di­tio­nel­len Wer­te mit, er ist stark und schnell. Am Tech­ni­schen müs­sen wir aber noch ar­bei­ten.“An Mo­ti­va­ti­on man­gelt es Vetter da­für si­cher­lich nicht. „Er ist so ziel­stre­big und ehr­gei­zig, dass man ihn manch­mal so­gar et­was aus­brem­sen muss“, sagt sein Trai­ner.

Die­ser star­ke Ehr­geiz ist auch mit dem Ta­pe­ten­wech­sel ver­bun­den, den Vetter im Win­ter voll­zo­gen hat. „Das Trai­ning macht ein­fach su­per viel Spaß. Mit Bo­ris ha­be ich ei­nen klas­se Trai­ner, der viel Ah­nung von dem hat, was er tut.“Und mit des­sen Ehe­frau, Speer­wer­fe­rin Chris­ti­na Obergföll, Welt­meis­te­rin von 2013, „ha­be ich ei­ne Trai­nings­part­ne­rin, die mich sehr mo­ti­viert“.

Trotz des ra­san­ten Auf­schwungs ver­sucht der Sport­sol­dat aber, die be­vor­ste­hen­den Auf­ga­ben „ent­spannt an­zu­ge­hen“, be­kräf­tigt er: „Ich ha­be die­ses Jahr schon so viel er­reicht. Viel­leicht wird mein nächs­ter Leis­tungs­sprung nicht ganz so groß wie der letz­te. Aber ich bin si­cher, dass ich noch ei­ne Schip­pe drauf­le­gen kann.“Wo­mög­lich schon bei den Welt­meis­ter­schaf­ten. Wer weiß, viel­leicht hat Vetter et­was mehr als 85,40 Me­ter im Ge­päck, wenn er sich von Pe­king wie­der auf den Heim­weg macht.

„Das Jahr war bis­her

ra­ke­ten­ar­tig.“

Bun­des­trai­ner Bo­ris Obergföll über Speer­wer­fer Jo­han­nes Vetter (Saar 05)

FO­TO: ROLF RUPPENTHAL

Speer­wer­fer Jo­han­nes Vetter hat in die­ser Sai­son sei­ne Best­leis­tung um fast sechs Me­ter ver­bes­sert und sich in die er­wei­ter­te Welt­spit­ze ka­ta­pul­tiert. Als Be­loh­nung winkt ihm nun der Auf­tritt bei der WM in Pe­king.

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