Streit in Flücht­lings­heim schlägt in Ge­walt um

Be­woh­ner soll Kor­an­sei­ten in die Toi­let­te ge­wor­fen ha­ben

Saarbruecker Zeitung - - POLITIK -

In Suhl lie­gen die Ner­ven blank: Die an­geb­li­che Schän­dung des Korans löst Aus­schrei­tun­gen in ei­nem Flücht­lings­heim aus. Thü­rin­gens Mi­nis­ter­prä­si­dent plä­diert dar­auf für nach Eth­ni­en ge­trenn­te Un­ter­künf­te.

Suhl/Berlin. In ei­nem über­be­leg­ten Flücht­lings­heim im thü­rin­gi­schen Suhl ist es we­gen ei­ner an­geb­li­chen Kor­an­schän­dung zu Aus­schrei­tun­gen mit min­des­tens 17 Ver­letz­ten ge­kom­men. Ein 25Jäh­ri­ger soll meh­re­re Sei­ten aus dem Koran ge­ris­sen und de­mons­tra­tiv in ei­ne Toi­let­te ge­wor­fen ha­ben. Die La­ge es­ka­lier­te, nach An­ga­ben der Po­li­zei wa­ren schließ­lich 50 Flücht­lin­ge an dem Streit in der Nacht zu Don­ners­tag be­tei­ligt, wei­te­re 50 sol­len zu­ge­schaut ha­ben. In der Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung sind statt der ma­xi­mal vor­ge­se­he­nen 1200 der­zeit 1800 Men­schen un­ter­ge­bracht.

Sechs Po­li­zei­au­tos und Mo­bi­li­ar der Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung wur­den be­schä­digt, so die Po­li­zei. An­woh­nern zu­fol­ge wur­den Fens­ter­schei­ben ein­ge­schla­gen und Mö­bel aus dem Fens­ter ge­wor­fen. Auch die Zen­tra­le des pri­va­ten Wach­diens­tes wur­de völ­lig de­mo­liert. Die Po­li­zei war zu­nächst nur mit Suh­ler Be­am­ten im Ein­satz, die we­gen der gro­ßen Zahl der An­grei­fer aber über­for­dert wa­ren. Sie muss­ten auf Ver­stär­kungs­ein­hei­ten aus Er­furt war­ten. Thü­rin­gens Mi­nis­ter­prä­si­dent Bo­do Ra­me­low (Lin­ke) sprach sich bei MDR In­fo für ge­trenn­te Flücht­lings­un­ter­künf­te für ver­schie­de­ne Eth­ni­en aus. Nur so lie­ßen sich Ge­walt­aus­brü­che wie die­ser ver­hin­dern. Um den Druck ab­zu­bau­en, sei­en in den ver­gan­ge­nen Ta­gen Flücht­lin­ge in drei Aus­weich­quar­tie­ren un­ter­ge­bracht wor­den.

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) kri­ti­sier­te die Aus­schrei­tun­gen scharf. Er ha­be kein Ver­ständ­nis für sol­che Ge­walt­an­wen­dun­gen durch Asyl­be­wer­ber, sag­te de Mai­ziè­re ges­tern Abend in Berlin. Auch hier­ge­gen müs­se hart vor­ge­gan­gen wer­den – eben­so wie ge­gen An­grif­fe auf Flücht­lin­ge.

In­des­sen ging nach der deut­lich nach oben kor­ri­gier­ten Flücht­lings-Pro­gno­se die Asyl­de­bat­te wei­ter. Die Mi­nis­ter- prä­si­den­tin von Rhein­lan­dP­falz, Ma­lu Drey­er (SPD), for­der­te ei­ne „ge­ne­rel­le Auf­nah­me­zu­sa­ge“für sy­ri­sche Flücht­lin­ge. So kön­ne das Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF) in Nürnberg ent­las­tet wer­den, sag­te sie der „Welt“. Hin­ge­gen sei­en für Asyl­su­chen­de et­wa aus Al­ba­ni­en be­schleu­nig­te Ver­fah­ren nö­tig, „um nach ent­spre­chen­der Prü­fung rasch rück­füh­ren zu kön­nen“. Drey­er for­der­te zu­dem ein Ge­setz, das Flücht­lin­gen mit Blei­be­per­spek­ti­ve er­laubt, vom ers­ten Tag an zu ar­bei­ten. CSU- Ge­ne­ral­se­kre­tär Andre­as Scheu­er mahn­te, die EU-Kom­mis­si­on müs­se schnells­tens eu­ro­päi­sche Asyl­zen­tren ein­rich­ten. „Die neue Flücht­lings­pro­gno­se mit 800 000 Asyl­be­wer­bern al­lein in die­sem Jahr in Deutsch­land zeigt klar: Wir er­le­ben ei­ne neu­zeit­li­che Völ­ker­wan­de­rung“, sag­te er.

Bei der Un­ter­brin­gung von Flücht­lin­gen soll­ten nach An­sicht von SPD-Par­tei­chef Sig­mar Ga­b­ri­el be­stimm­te Stan­dards au­ßer Kraft ge­setzt wer­den. „Zum Bei­spiel kann es ja nicht wahr sein, dass wir, wenn wir ei­ne Ein­rich­tung ha­ben, dann an eu­ro­päi­schen Ver­ga­be­ver­fah­ren schei­tern“, sag­te er nach ei­nem Be­such der hes­si­schen Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung in Gie­ßen. dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.