„Kür­zun­gen se­he ich skep­tisch“

Städ­te­tags-Prä­si­den­tin Loh­se of­fen für mehr Sach­leis­tun­gen statt Geld

Saarbruecker Zeitung - - POLITIK -

Die Prä­si­den­tin des Deut­schen Städ­te­ta­ges, Eva Loh­se, for­dert ge­setz­li­che Än­de­run­gen, um die Kom­mu­nen we­gen der stark stei­gen­den Flücht­lings­zah­len zu ent­las­ten. Mit ihr sprach SZKor­re­spon­dent Ste­fan Vetter.

Frau Loh­se, was ging Ih­nen durch den Kopf, als Sie die neue Schät­zung der Re­gie­rung von bis zu 800 000 Asyl­be­wer­bern ge­hört ha­ben? Loh­se: Wir ha­ben in den Städ­ten be­reits ge­spürt, dass im­mer mehr Men­schen zu uns kom­men. Ich war al­so nicht wirk­lich über­rascht. Aber 800 000 ist na­tür­lich ei­ne ho­he Zahl. Des­halb ging mir durch den Kopf, wie wir in Deutsch­land die da­mit ver­bun­de­nen Auf­ga­ben meis­tern.

Zu­letzt wur­de de­bat­tiert, Asyl­be­wer­bern Ta­schen­geld zu kür­zen, um ih­re Zahl zu re­du­zie­ren. Was hal­ten Sie da­von? Loh­se: Ich fin­de es rich­tig, dass in der Bun­des­re­gie­rung er­wo-

Die Prä­si­den­tin des Deut­schen Städ­te­tags Eva Loh­se.

gen wird, das Ver­hält­nis von Geld- und Sach­leis­tun­gen zu über­den­ken. Wenn man stär­ker Sach­leis­tun­gen ver­ge­ben wür­de, muss aber be­dacht wer­den, dass dies den bü­ro­kra­ti­schen Auf­wand der Kom­mu­nen nicht er­hö­hen soll­te. Kür­zun­gen se­he ich skep­tisch. Auch der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter hat dar­auf hin­ge­wie­sen, dass hier Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu be­ach­ten sind. Im­mer häu­fi­ger wer­den Flücht­lin­ge auf Kom­mu­nen ver­teilt, oh­ne dass in den Erst­auf­nah­me­ein­rich­tun­gen schon über ih­ren Asyl­an­trag ent­schie­den wor­den ist. Was ist die Ur­sa­che da­für? Loh­se: We­gen der ho­hen Zahl der Asyl­be­wer­ber rei­chen die Plät­ze in den Erst­auf­nah­me­ein­rich­tun­gen bei Wei­tem nicht aus. Die Län­der müs­sen hier ih­re Ka­pa­zi­tä­ten er­heb­lich er­hö­hen. Da sind jetzt Fort­schrit­te an­ge­kün­digt, die un­be­dingt schnell er­zielt wer­den müs­sen. Ernst­haft ge­prüft wer­den soll­te ei­ne Ge­set­zes­än­de­rung, um Asyl­be­wer­ber län­ger als drei Mo­na­te in den Erst­auf­nah­me­ein­rich­tun­gen un­ter­zu­brin­gen, wenn ih­re An­er­ken­nungs­chan­cen ge­ring sind. Bis­her ist das recht­lich nicht mög­lich.

Das kom­plet­te In­ter­view mit Städ­te­tags-Prä­si­den­tin Eva Loh­se le­sen Sie im In­ter­net un­ter www.saar­bru­ecker­zei­tung.de/ber­li­ner-bue­ro

FO­TO: DPA

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