Wenn al­les fließt

Rhyth­mi­sche Sport­gym­nas­tik: Lau­ra Jung vom TV St. Wen­del be­rei­tet sich auf die WM in Stutt­gart vor

Saarbruecker Zeitung - - SPORT - Von SZ-Mit­ar­bei­te­rin Chris­ti­na John

Es ist der Hö­he­punkt ih­rer Kar­rie­re – die WM im ei­ge­nen Land. Sport­gym­nas­tin Lau­ra Jung will in Stutt­gart An­fang Sep­tem­ber die Ba­sis für die Olym­pia­qua­li­fi­ka­ti­on schaf­fen. Die SZ hat sie vor Ort be­sucht.

Stutt­gart. Die Mu­sik be­ginnt. Lau­ra Jung be­tritt die Flä­che. Al­le Bli­cke sind auf die 20-Jäh­ri­ge ge­rich­tet. Die ih­rer Trai­ne­rin Na­tal­lia Ras­ki­na, die der Na­tio­nal­mann­schafts- Grup­pe, die ih­rer Ein­zel-Kon­kur­ren­tin Ja­na Be­rez­ko-Marg­grander. Die Be­we­gun­gen von Lau­ra Jung sind flie­ßend. Das knapp sechs Me­ter lan­ge, blaue Band in ih­rer Hand scheint ein Teil von ihr zu sein, das nach ih­rem Wil­len durch die Trai­nings­hal­le im Na­tio­nal­mann­schafts­zen­trum in Schmi­den-Fell­bach tanzt. Der Sport­gym­nas­tin des TV St. Wen­del ist die Kon­zen­tra­ti­on ins Ge­sicht ge­schrie­ben – aber auch die Lei­den­schaft, mit der sie ih­re Übung aus­führt.

Ein letz­tes Mal wirft sie ihr Band in die Luft, rollt über den Bo­den, fängt es si­cher und be­en­det ih­re Dar­bie­tung. Lau­ra Jung streift sich ei­ne Haar­sträh­ne aus dem Ge­sicht und schnauft durch. Un­zäh­li­ge Ma­le hat sie die­ses Stück heu­te durch­ge­macht. In ei­nem Mo­nat muss al­les sit­zen. Denn vom 7. bis 13. Sep­tem­ber ste­hen die Welt­meis­ter­schaf­ten der Rhyth­mi­schen Sport­gym­nas­tik in Stutt­gart an. Für die Saar­län­de­rin, die nun seit acht Jah­ren in der klei­nen Stadt bei Stutt­gart lebt, ist die Heim-WM „der Hö­he­punkt mei­ner Kar­rie­re. Nicht je­der er­lebt es, die WM di­rekt vor der Haus­tür zu ha­ben. Mei­ne Fa­mi­lie wird da sein, al­le mei­ne Freun­de und mein Freund. Ich bin ein Pu­bli­kums­typ. Je mehr Leu­te da sind, des­to bes­ser füh­le ich mich.“Den­noch kann die Gym-

Lau­ra Jung ge­hört zu den bes­ten deut­schen Sport­gym­nas­tin­nen. Die 20-Jäh­ri­ge steht vor dem Hö­he­punkt ih­rer Kar­rie­re – der Teil­nah­me an der WM im Sep­tem­ber in Stutt­gart.

nas­tin nicht leug­nen, dass auch Druck auf ihr las­tet. „Ich will ja auch Leis­tung lie­fern. Ich bin da sehr selbst­kri­tisch.“Zu­mal es bei der WM auch um die Olym­pia- Qua­li­fi­ka­ti­on geht.

2012 war Jung schon kurz da­vor, an Olym­pia teil­zu­neh­men. Ob­wohl sie dem Deut­schen Tur­ner-Bund (DTB) den Start­platz beim Qua­li­fi­ka­ti­ons­wett­kampf er­turnt hat­te, schenk­te der Ver­band ih­rer Kol­le­gin Be­rez­ko-Marg­grander das Ver­trau­en, die spä­ter in Lon­don Platz 17 be­leg­te. „Ich bin dar­an ge­wach­sen“, sagt Jung heu­te. Bei der dies­jäh­ri­gen WM er­hal­ten die bes­ten 15 Ein­zel-Star­te­rin­nen das Ti­cket für Rio de Janei­ro 2016. Die Sport­le­rin­nen auf den Plät­zen 16 bis 35 neh­men 2016 an den Pre- Olym­pics teil, bei de­nen sechs wei­te­re Start­plät­ze ver­ge­ben wer­den. Lau­ra Jung will bei der Heim-WM un­ter die bes­ten 26 kom­men, „die star­ten frei­tags im Mehr­kampf-Fi­na­le, und da will ich noch mal ran. Olym­pia ist schon ein Traum, aber auch ein Fra­ge­zei­chen. Ich kon­zen­trie­re mich erst­mal nur auf die WM, die kann mir kei­ner neh­men.“

Nur ei­ne klei­ne Sor­ge bleibt vor dem Sai­son-Hö­he­punkt. Nach ei­ner Mus­kel­ver­här­tung im Rü­cken muss­te Jung in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten et­was vor­sich­ti­ger sein. Im Mai ver­pass­te sie den Start beim Berlin Mas­ters. Die Teil­nah­me am Welt­cup in Bu­da­pest hat­te sie eben­falls ab­ge­sagt. Aber nur als Vor­sichts­maß­nah­me. „Die Rü­cken­pro­ble­me ge­fähr­den die WM nicht“, ver­si­chert Lau­ra Jung: „Wir muss­ten in den Übun­gen die Beu­gung nach hin­ten et­was re­du­zie­ren, aber das ist nicht schlimm.“

Die Meis­ter­schaf­ten sind für Lau­ra Jung schon jetzt sehr prä-

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