Der leicht­fü­ßi­ge Ko­loss

Die SVR-Ver­si­on des Ran­ge Ro­ver ist der stärks­te Ge­län­de­wa­gen in der Land-Ro­ver-Ge­schich­te

Saarbruecker Zeitung - - MOTOR - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ralf Schüt­ze

Der Ran­ge Ro­ver Sport protzt mit 510 PS. Die Ver­si­on Sport SVR legt noch ei­ne Schip­pe drauf. Ob­wohl 2,3 Ton­nen schwer und 4,88 Me­ter lang, er­weist sich die­ser Ge­län­de­wa­gen mit 550 PS Leis­tung bei Test­fahr­ten auf dem Nür­burg­ring als er­staun­lich agil. Der Spaß hat sei­nen Preis: 126 400 Eu­ro.

Nür­burg. Kei­nen Cent wür­de man in der Bo­xen­gas­se der Grand-Prix-Stre­cke am Nür­burg­ring dar­auf wet­ten, dass die Kur­ven­jagd mit dem Ran­ge Ro­ver Sport SVR Spaß be­rei­tet. Doch es kommt ganz an­ders. Der neue SVR ist der schnells­te und stärks­te Land Ro­ver al­ler Zei­ten. Sein Ge­burts­ort: Die Nord­schlei­fe gleich ne­ben­an.

„Bähm, bähm, bähm“, hallt es durch die Mer­ce­des-Are­na. Mit über 180 km/h ra­sen wir aufs Yo­ko­ha­ma-S am En­de der Ziel­ge­ra­den zu. Beim Her­un­ter­schal­ten brüllt der 550 PS star­ke V8 aus sei­nen mäch­ti­gen Aus­puff­roh­ren. Je sechs Kol­ben ver­bei­ßen sich in gi­gan­ti­sche 380-Mil­li­me­ter-Brems­schei­ben von der Grö­ße ei­ner Jum­bo-Piz­za. Fast sto­isch ru­hig bleibt der 2,33-Ton­nen-Ko­loss selbst dann noch, als wir ve­he­ment in die en­gen Kur­ven hin­ein­brem­sen und mit star­kem Ga­s­im­puls her­aus­be­schleu­ni­gen. Völ­lig über­ra­schend wie­selt der mäch­ti­ge Ge­län­de­wa­gen viel schnel­ler über den Ei­fel-Renn­kurs, als man es ei­nem der­ar­ti­gen Un­ge­tüm je zu­trau­en wür­de.

Die Ge­burts­stät­te des Po­wer­SUVs lässt die sport­li­che Na­tur des Ge­län­de- Gi­gan­ten be­reits er­ah­nen. Ge­burts­hel­fer Phil Tal­boys, Lei­ter des Ja­gu­ar- und

Auf der Renn­stre­cke bie­tet der Ge­län­de­wa­gen Ran­ge Ro­ver Sport SVR ei­ne über­zeu­gen­den Auf­tritt.

Land-Ro­ver-Test­zen­trums am Ring, ver­rät: „Wir ha­ben den Ran­ge Ro­ver Sport SVR nicht für, son­dern auf der Nord­schlei­fe ent­wi­ckelt. Des­halb ist er auf un­ter­schied­li­chen Stre­cken ver­dammt schnell, aber im­mer noch kom­for­ta­bel ge­nug.“Nord­schlei­fe spricht Tal­boys char­mant „Nods­leif“aus. Die 73 Kur­ven auf dem 21 Ki­lo­me­ter lan­gen As­phalt­band zu Fü­ßen der Nür­burg kennt er wie sei­ne Wes­ten­ta­sche. Acht Mi­nu­ten, 14 Se­kun­den lau­tet sei­ne Fa­belBest­zeit mit dem bri­ti­schen Ko­loss, der so herr­lich sein V8- Lied in die hü­ge­li­ge Ei­fel­land­schaft hin­aus­schmet­tert.

Bei un­se­ren ei­ge­nen Test­fahr­ten auf der Grand-Pri­x­Stre­cke spü­ren wir die mäch­ti­ge Schub­kraft von 680 Nm Dreh­mo­ment und 550 PS Leis­tung. Das sind im­mer­hin 40 PS und 56 Nm mehr als beim etat­mä­ßi­gen V8-Mo­dell des Ran­ge Ro­ver Sport – und das oh­ne er­höh­ten Ver­brauch. Der be­wegt sich al­ler­dings mit 13,2 Li­tern pro 100 Ki­lo­me­ter im Norm-Mix in ei­ner ei­ge­nen Li­ga.

Doch der SVR-Pi­lot hat oh­ne­hin an­de­res im Sinn: Er ge­nießt, wie ihn 16-fach ver­stell­ba­re Sport­sit­ze um­schmei­cheln, stan­des­ge­mäß be­zo­gen mit feins­tem Ox­ford-Le­der. Sie bie­ten sehr gu­ten Sei­ten­halt bei der Kur­ven­jagd im Po­wer- Of­f­roa­der. Nur 4,7 Se­kun­den dau­ert der Sprint auf 100 km/h, und erst bei 260 km/h ist Schluss. Und das auch nur, weil die Elek­tro­nik ei­nen Rie­gel vor­schiebt. Auf der Renn­stre­cke hält sie au­ßer­dem die ver­blüf­fend ra­sant be­weg­ba­ren Mas­sen in der Spur. Stär­ke­re und stu­fen­los ver­stell­ba­re Dämp­fer, ge­ziel­te Brems­ein­grif­fe der Fahr­dy­na­mik­re­ge­lung „Tor­que Vec­to­ring“und maß­ge­schnei­der­te 295er-Rei­fen im ko­los­sa­len 22-Zoll-For­mat ma­chen’s mög­lich. Ir­gend­wann pen­delt die ton­nen­schwe­re Fuh­re zwar beim Kur­ven­ritt leicht um die Hö­hen­ach­se, tut dies je­doch viel spä­ter, als be­fürch­tet.

Von der Bo­xen­gas­se in die Kies­gru­be: kein Pro­blem für den No­bel-Bri­ten, der als ein­zi- ger Ran­ge Ro­ver Sport im knal­li­gen Me­tal­lic-Ton „Esto­ril Blue“er­strahlt. Per­ma­nen­ter All­rad­an­trieb, kom­bi­niert mit Luft­fe­de­rung, wähl­ba­re Fahr­mo­di für Gras, Schot­ter, Schnee, Eis, Schlamm, Sand und Fels er­lau­ben auch schwie­ri­ge Ge­län­de­rit­te, und ein zwei­stu­fi­ges Ver­teil­er­ge­trie­be schraubt im schwe­ren Ge­län­de die Gang­zahl von acht auf 16 hoch. Auch die Watt­tie­fe des Kraft­prot­zes kann sich se­hen las­sen: Die Elek­tro­nik zeigt an, wo der SVT-Pi­lot bis zu 85 Zen­ti­me­ter tie­fes Ge­wäs­ser ge­fahr­los durch­que­ren kann.

Der Of­f­roa­der ist auch be­quem ge­nug für die Fahrt zum Opern­haus. Das Kür­zel SVR (Spe­cial Ve­hi­cle Ope­ra­ti­ons) ent­spricht AMG bei Mer­ce­des oder M bei BMW und kenn­zeich­net ab so­fort al­le op­tisch und tech­nisch ge­tun­ten Ja­guarund Land-Ro­ver-Mo­del­le.

FO­TOS: LAND RO­VER

Front- und Heck­schür­ze sind tief her­un­ter­ge­zo­gen.

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