„Trau­rig und be­schä­mend“

Ju­rist und Kon­zert-Fan gibt Ober­bür­ger­meis­ter Lo­rig in Sa­chen Schil­ler­park Kon­tra

Saarbruecker Zeitung - - LOKALES - Von SZ-Re­dak­teur Bern­hard Ge­ber

Die Som­mer-Kon­zer­te im Schil­ler­park sind vor­zei­tig ge­stoppt. Der Völk­lin­ger Rechts­an­walt Chris­toph Vo­gel, selbst re­gel­mä­ßi­ger Be­su­cher, kri­ti­siert dies scharf: Ober­bür­ger­meis­ter Klaus Lo­rig lie­ge hier po­li­tisch und ju­ris­tisch voll da­ne­ben.

Völk­lin­gen. Beim Park­ho­tel Al­brecht hängt im­mer noch das Trans­pa­rent: „6. Sum­mer Open Air, je­den Mon­tag, 20 Uhr, vom 1. Ju­ni bis 14. Sep­tem­ber“. Das wä­ren 16 Ver­an­stal­tun­gen ge­we­sen, aber nach An­woh­ner­Be­schwer­den wur­de die dies­jäh­ri­ge Kon­zert-Se­rie im Völk­lin­ger Schil­ler­park vor­zei­tig be­en­det. Chris­toph Vo­gel, be­ken­nen­der Kon­zert-Fan und Rechts­an­walt mit lang­jäh­ri­ger Pra­xis in der Hüt­ten­stadt, meint, dass Ober­bür­ger­meis­ter Klaus Lo­rig (CDU) da­bei von fal­schen Vor­aus­set­zun­gen aus­ge­gan­gen sei.

Lo­rig hat­te sich bei sei­ner Ent­schei­dung, wie er sag­te, auf ei­ne „Frei­zeit­lärm-Richt­li­ni­en­ver­ord­nung des Bun­des“ge­stützt. Dem­nach sei­en zehn Ver­an­stal­tun­gen pro Jahr er­laubt, so lan­ge pünkt­lich um 22 Uhr Schluss sei (SZ vom 14. Au­gust). Vo­gel hält da­ge­gen, ei­ne Frei­zeit­lärm-Richt­li­ni­en­ver­ord­nung des Bun­des für Volks­fes­te und Kon­zer­te („ei­ne sol­che gibt es für Sport­an­la­gen“) sei nicht be­kannt. Im Fall Schil­ler­park sei ei­ne Ver­ord­nung der saar­län­di­schen Lan­des­re­gie­rung vom 10. Ju­ni 2003 an­zu­wen­den, die an bis zu 18 Ta­gen ei­nes Ka­len­der­jah­res die Zu­las­sung sol­cher Ver­an­stal­tun­gen er­lau­be (sie­he „Hin­ter­grund“). Und da­bei so­gar un­ter ge­wis­sen Vor­aus­set­zun­gen auch nach 22 Uhr noch lau­te Mu­sik zu­las­se. Die Kon­zer­te im Schil­ler­park fän­den mitt­ler­wei­le be­reits im sechs­ten Jahr statt. Sie hät­ten da­mit Tra­di­ti­ons­cha­rak­ter im Sin­ne die­ser Ver­ord­nung und er­füll­ten auch wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen wie die „über­ört­li­che Be­deu­tung“.

Der da­ma­li­ge Um­welt­mi­nis­ter Ste­fan Mörs­dorf (CDU) hat­te 2003 mit die­ser „Ver­ord­nung zum Schutz vor Ge­räuschim­mis­sio­nen durch Mu­si­kdar­bie­tun­gen bei Volks­fes­ten“auf ei­ne ins­ge­samt un­kla­re Rechts­la­ge re­agiert.

Das Um­welt­mi­nis­te­ri­um woll­te nach ei­ge­nen An­ga­ben mit die­ser Neu­re­ge­lung er­rei­chen, „dass die­se Fes­te wei­ter statt­fin­den, gleich­zei­tig aber auch die Nach­barn zu ih­rer ver­dien­ten Nacht­ru­he kom­men“. Bis zum Zeit­punkt der Ver­ord­nung ori­en­tier­ten sich Ge­rich­te im Saar­land laut Um­welt­mi­nis­te­ri­um an ei­ner (re­strik­ti­ve­ren) Frei­zeit­lärm-Richt­li­nie des Län­der­aus­schus­ses für Im­mis­si­ons­schutz. Nach de­ren Vor­ga­ben muss­te man spä­tes­tens ab 22 Uhr mit Mu­sik un­ter frei­em Him­mel auf­hö­ren. Ein kon­k­re- ter Fall: Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat­te des­halb 2002 das Stadt­fest in Mer­zig stark ein­ge­schränkt.

Zu­rück zu den Kon­zer­ten im Schil­ler­park: Durch die Vor­ver­le­gung der Ver­an­stal­tun­gen um ei­ne hal­be St­un­de mit Be­en­di­gung um 22 Uhr sei den Be­lan­gen der An­woh­ner be­reits voll Rech­nung ge­tra­gen wor­den, meint Chris­toph Vo­gel. Da sei es „mehr als trau­rig“, er­le­ben zu müs­sen, dass Ober­bür­ger­meis­ter Lo­rig die­se Kon­zer­te, wel­che je­weils meh­re­re hun­dert Be­su­cher aus nah und fern an­zö­gen, er­heb­lich ein­schrän­ken wol­le. Da­durch könn­ten letzt­lich nicht ein­mal mehr Söh­ne der Stadt als Künst­ler auf­tre­ten, was nicht nur scha­de, son­dern für Völk­lin­gen auch äu­ßerst be­schä­mend sei.

FO­TO: JENAL

Ge­plant bis 14. Sep­tem­ber, ge­stoppt be­reits am 10. Au­gust: Der Völk­lin­ger Ju­rist Chris­toph Vo­gel setzt sich für die Kon­zert­rei­he im Schil­ler­park ein.

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