Vor­schlag aus Saar­brü­cken hilft jun­gen Flücht­lin­gen in ganz Deutsch­land

Re­gio­nal­ver­bands­di­rek­tor Pe­ter Gil­lo wies Ab­ge­ord­ne­te und Bun­des­re­gie­rung auf die Tücken ei­nes Ge­set­zes hin und hat­te da­mit Er­folg

Saarbruecker Zeitung - - REGIONALVERBAND -

Auch min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge, die oh­ne Fa­mi­lie hier sind, er­hal­ten ab An­fang 2016 be­reits nach 15 Mo­na­ten ei­ne Aus­bil­dungs­för­de­rung – statt wie bis­her nach vier Jah­ren. Das zwang näm­lich vie­le, ih­re Aus­bil­dung ab­zu­bre­chen.

Re­gio­nal­ver­band. Als wich­ti­ge Ver­bes­se­rung für jun­ge Flücht­lin­ge hat Re­gio­nal­ver­bands­di­rek­tor Pe­ter Gil­lo ei­ne jetzt vom Bun­des­ka­bi­nett vor­ge­zo­ge­ne Ge­set­zes­än­de­rung be­zeich­net. Die­se sieht vor, dass Nicht-EU-Bür­ger, die ei­ne Auf­ent­halts­er­laub­nis ha­ben oder ge­dul­det sind, be- reits nach 15 Mo­na­ten ei­ne Aus­bil­dungs­för­de­rung er­hal­ten kön­nen. Bis­lang ist das erst nach vier Jah­ren mög­lich.

Die­se Än­de­rung, die ur­sprüng­lich erst für Au­gust 2016 vor­ge­se­hen war, soll nun schon zum 1. Ja­nu­ar 2016 gel­ten. Sie ist vor al­lem für die min­der­jäh­ri­gen un­be­glei­te­ten Flücht­lin­ge von gro­ßer Be­deu­tung, die das Ju­gend­amt des Re­gio­nal­ver­ban­des in im­mer grö­ße­rer Zahl in Ob­hut nimmt.

Nach An­ga­ben Gil­los führt das der­zei­ti­ge Ge­setz bei die­sen jun­gen Men­schen zu ei­ner ge­ra­de­zu ab­sur­den Si­tua­ti­on: Das Ju­gend- amt des Re­gio­nal­ver­ban­des küm­me­re sich mit er­heb­li­chem Auf­wand um die schu­li­sche und be­rufs­vor­be­rei­ten­de Be­treu­ung der Min­der­jäh­ri­gen. Mit dem Er­rei­chen der Voll­jäh­rig­keit ent­fie­len nach und nach die ge­setz­li­chen Grund­la­gen für wei­te­re Hil­fen. Da vie­le die­ser jun­gen Men­schen auf­grund der vier­jäh­ri­gen War­te­zeit aber auch kei­nen An­spruch auf Bafög oder Be­rufs­aus­bil­dungs­bei­hil­fe ha­ben, fie­len sie dann schon bald in die Zu­stän­dig­keit der Job­cen­ter.

Kon­kret hei­ße das, dass sie ih­re schu­li­sche oder be­ruf­li­che Aus­bil­dung ab­bre­chen müs­sen, um über­haupt Hartz-IV-Leis­tun­gen er­hal­ten zu kön­nen. Be­reits im Ja­nu­ar 2014 hat­te Gil­lo die zu­stän­di­gen Bun­des­mi­nis­te­ri­en und ei­ni­ge saar­län­di­sche Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te an­ge­schrie­ben und auf die­se pro­ble­ma­ti­sche Rechts­la­ge auf­merk­sam ge­macht. Der Re­gio­nal­ver­bands­di­rek­tor: „Es freut mich au­ßeror- dent­lich, dass un­se­re Hin­wei­se hier Wir­kung ge­zeigt ha­ben und dass die Bun­des­re­gie­rung die zu­nächst für Som­mer 2016 ge­plan­te Ge­set­zes­än­de­rung nun so­gar auf An­fang 2016 vor­zieht. Ab dann kön­nen jun­ge Flücht­lin­ge schon nach 15 Mo­na­ten Auf­ent­halt Bafög, Schü­ler-Bafög oder Be­rufs­aus­bil­dungs­bei­hil­fe be­zie­hen und so gleich­zei­tig ih­ren Le­bens­un­ter­halt si­chern und ih­re Bil­dungs­chan­cen er­hö­hen. Je bes­ser die jun­gen Men­schen aus­ge­bil­det sind, des­to schnel­ler fin­den sie ei­nen Job und kön­nen dann auf ei­ge­nen Bei­nen ste­hen.“Der­zeit be­treut das Re­gio­nal­ver­band­sJu­gend­amt rund 400 un­be­glei­te­te jun­ge Flücht­lin­ge, da­von sind 100 im Erst­auf­nah­me­ver­fah­ren.

Am gest­ri­gen Mon­tag ist in St. Wen­del ei­ne wei­te­re so­ge­nann­te Clea­ring­stel­le, al­so Klä­rungs­stel­le, für die Erst­auf­nah­me un­be­glei­te­ter min­der­jäh­ri­ger Flücht­lin­ge un­ter der Trä­ger­schaft der Saar­land Heil­stät­ten Gm­bH (SHG) in Be­trieb ge­nom­men wor­den. Sie nimmt zu­nächst die bis­her vom Deut­schen Ro­ten Kreuz in ei­ner Not­un­ter­kunft in Köl­ler­bach be­treu­ten jun­gen Flücht­lin­ge auf. red

Pe­ter Gil­lo

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