Wenn Sym­bo­le mehr als Wor­te sa­gen

Trä­nen ge­lacht: Die Emo­jis sind auf dem Vor­marsch – Zei­chen und Bild­chen für Ge­füh­le und Be­grif­fe

Saarbruecker Zeitung - - THEMEN DES TAGES - Von dpa-Mit­ar­bei­ter Be­ne­dikt Wenck

Emo­jis sind aus un­se­ren di­gi­ta­len Ge­sprä­chen kaum noch weg­zu­den­ken. Dau­men hoch, Trä­nen la­chen­de Smi­leys, Herz­chen und Tier­sym­bo­le ver­zie­ren SMS und WhatsApp-Nach­rich­ten. Dem­nächst könn­ten sie auch Pass­wör­ter er­set­zen.

Berlin. La­chen Fuß­ball Deutsch­land­fah­ne Sie­ben Eins Bra­si­li­en­fah­ne Feu­er­werk La­chen. Was aus­ge­schrie­ben wie Kau­der­welsch aus­sieht, er­gibt über­setzt in so­ge­nann­te Emo­jis mehr Sinn – mit die­sen Sym­bo­len könn­te man das sen­sa­tio­nel­le Er­geb­nis im Halb­fi­na­le der Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft 2014 kom­mu­ni­zie­ren. Die klei­nen Bild­chen nut­zen vie­le, die über Apps wie WhatsApp, iMes­sa­ge, Instagram oder Twit­ter Nach­rich­ten ver­schi­cken. Mitt­ler­wei­le sind die klei­nen Sym­bo­le so prä­sent, dass gro­ße Un­ter­neh­men auf den Trend auf­sprin­gen.

Be­son­ders be­liebt sei­en Emo­jis, die glück­li­che Ge­sich­ter zei­gen, wie der App-Ent­wick­ler Swift­key her­aus­fand. Nut­zer tipp­ten be­son­ders häu­fig die­se lä­cheln­den oder la­chen­den Emo­jis ein. Da­hin­ter fol­gen trau­ri­ge Ge­sich­ter und an drit­ter Stel­le al­les, was zur Ka­te­go­rie Herz­chen ge­hört. Die Sei­te emo­ji­t­ra­cker.com ver­folgt in Echt­zeit die Nut­zung von Emo­ji auf Twit­ter – Num­mer eins ist der Trä­nen la­chen­de Smi­ley.

Der ur­sprüng­li­che Emo­ji-Satz kommt aus dem asia­ti­schen Raum. Im Herbst 2010 nahm das Uni­code-Kon­sor­ti­um die klei­nen Bild­chen in sei­ne in­ter­na­tio­nal ge­norm­te Zei­chen-Pa­let­te auf. Seit­dem kön­nen welt­weit Nut­zer Trä­nen­lach-Smi­leys, ro­te Her­zen oder klei­ne Schwein­chen ver­schi­cken und emp­fan­gen. Die Or­ga­ni­sa­ti­on hat die Rech­te zur Ent­wick­lung und Ver­brei­tung der Emo­jis in­ne.

Doch ei­ni­ge Sym­bo­le wer­den hier­zu­lan­de ganz an­ders ver­wen­det, als sie ur­sprüng­lich ge­dacht wa­ren. Der Smi­ley mit enor­mer Bla­se vor der Na­se steht ei­gent­lich nicht für ei­ne Er­käl­tung, son­dern für Schla­fen - das Sym­bol stammt aus ja­pa­ni­schen Co­mics. Die Frau, die ih­re Hand ne­ben ih­rem Kopf an­win­kelt, steht für Ser­vice­per­so­nal. Und die Au­ber­gi­ne wird ger­ne als Ge­schlechts­teil-Sym­bol ver­wen­det.

So viel Po­ten­zi­al für Miss­ver­ständ­nis­se – füh­ren Emo­jis al­so da­zu, dass wir uns falsch ver­ste­hen? „Bei den Emo­jis gibt es kein rich­tig oder falsch“, sagt Ana­tol Ste­fa­no­witsch, Sprach­wis­sen­schaft­ler an der Frei­en Uni­ver­si­tät Berlin. Er un­ter­sucht Emo­jis in der öf­fent­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on, zum Bei­spiel bei Twit­ter und Face­book. Der Stin­ke­fin­ger ist ein­deu­tig – das Schwein könn­te man aber als Be­lei­di­gung oder als Glücks­schwein le­sen.

Mit Per­so­nen, die man gut ken­ne, kön­ne man so­gar gan­ze Ge­sprä­che in Emo­jis füh­ren, „so­lan­ge es sehr ein­fa­che und vor­her­seh­ba­re Din­ge sind“, sagt der Sprach­wis­sen­schaft­ler. Bei dem Ver­such, mit sei­ner Part­ne­rin ei­ne Wo­che lang nur über die Bil­der zu kom­mu­ni­zie­ren, sei es aber durch­aus zu Miss­ver­ständ­nis­sen ge­kom­men. „Man kann ver­su­chen, mit Emo­jis gan­ze Sät­ze dar­zu­stel­len, aber man stößt sehr schnell an min­des­tens zwei Gren­zen“, sagt Ste­fa­no­witsch. Ers­tens sei es schwer, über Abs­trak­tes wie Uhr­zei­ten zu spre­chen. Zwei­tens ge­be es in ei­nem Satz aus Emo­jis kei­ne Gram­ma­tik. Nu­ro Ovüc sieht ei­nen wei­te­ren Ha­ken. Die Emo­jis sind sei­ner Mei­nung nach zu süß, sie sei­en eher „für Kid­dies von 7 bis 13 ge­macht“, sagt der Mit­ar­bei­ter der Hoch­schu­le für Küns­te in Bre­men. Des­we­gen hat er mit Stu­den­ten ei­ge­ne Sym­bo­le ent­wi­ckelt, die auch ne­ga­ti­ve Ge­füh­le wie­der­ge­ben. Für die Stu­den­ten-Emo­ji braucht man al­ler­dings zu­sätz­li­che Apps auf dem Smart­pho­ne. Die Emo­ji in Uni­code wer­den nur schritt­wei­se er­wei­tert. Kürz­lich bei­spiels­wei­se ka­men Ge­sich­ter mit ver­schie­de­nen Haut­far­ben da­zu so­wie ein Stin­ke­fin­ger. Die nied­li­che An­mu­tung der klei­nen Ge­sich­ter und Sym­bo­le aber bleibt.

Emo­jis hal­ten auch Ein­zug in die Pop­kul­tur. Dis­ney er­zählt auf sei­nem YouTu­be-Ka­nal Fil­me im Emo­ji-Stil, gan­ze Song­tex­te wer­den mit den Bild­chen nach­ge­spielt. Die Au­to­mar­ke Chev­ro­let ver­schick­te jüngst so­gar ei­ne kom­plet­te Pres­se­mit­tei­lung in Emo­jis. Selbst der Li­te­ra­turklas­si­ker „Mo­by Dick“wur­de in Emo­jis über­setzt, fi­nan­ziert per Crowd­fun­ding. So­ny Pictures Ani­ma­ti­on will dem­nächst ei­nen Ki­no­film über oder mit Emo­jis pro­du­zie­ren.

Und auch prak­ti­sche An­wen­dun­gen könn­ten die klei­nen Sym­bo­le dem­nächst ha­ben: Ei­ne bri­ti­sche Si­cher­heits­fir­ma über­legt in­zwi­schen, statt Zah­len Emo­jis für Pass­wör­ter zu ver­wen­den. Mit über 1200 Zei­chen gibt es näm­lich deut­lich mehr Kom­bi­na­tio­nen als mit den Zah­len 0 bis 9, das soll die Pass­wör­ter si­che­rer ma­chen.

FO­TO: FO­TO­LIA

Bei der Kurz­nach­rich­ten-Platt­form Twit­ter ist der Trä­nen la­chen­de Smi­ley die Num­mer Eins.

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