Das Wet­ter der Zu­kunft

Saarbruecker Zeitung - - STANDPUNKT - Von Pia Rolfs

Der mo­der­ne Mensch hat ent­ge­gen an­ders­lau­ten­der Ge­rüch­te durch­aus noch re­gel­mä­ßig Kon­takt zur Na­tur. Al­ler­dings nur, wenn er sei­ne Woh­nung un­be­dingt ver­las­sen muss und da­bei auf sei­ne Wet­ter-App blickt.

Die­se sagt ihm näm­lich prä­zi­se, wo und zu wel­cher Uhr­zeit es wie stark reg­nen wird. Ver­mut­lich zeigt sie bald auch den Fit­ness-Zu­stand der Wol­ken an, au­ßer­dem ei­ne Be­wer­tung der Wol­ken­form durch die In­ter­net- Ge­mein­de, die er­war­te­te Dank­bar­keit der Bal­kon­pflan­zen und die Auf­ent­halts­or­te der letz­ten drei ver­ges­se­nen Re­gen­schir­me.

Mit so vie­len Da­ten aus­ge­rüs­tet, wird der mo­der­ne Mensch dann zwar trotz­dem nass – aber er weiß: Das kann auf kei­nen Fall stim­men, wenn die Wet­terApp kei­nen Re­gen an­zeigt.

Und er be­dau­ert die alt­mo­di­schen Zeit­ge­nos­sen, die den Blick vom Smart­pho­ne ab­wen­den müs­sen und bei ih­rer Wet­ter­pro­gno­se nach oben auf das ganz gro­ße blaue Dis­play schau­en. Sie nen­nen es Him­mel.

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