10 659 Bei­hil­fe­an­trä­ge lie­gen auf Hal­de

Lan­des­be­am­te war­ten über fünf Wo­chen auf Zu­schuss zu Be­hand­lungs­kos­ten

Saarbruecker Zeitung - - SAARLAND - Von SZ-Re­dak­teur Michael Jung­mann

Be­am­te und Pen­sio­nä­re müs­sen der­zeit min­des­tens fünf Wo­chen war­ten, bis Va­ter Staat ih­nen Bei­hil­fe für Arzt- und Me­di­zin­kos­ten über­weist. Der Be­ar­bei­tungs­rück­stau wur­de durch ei­ne EDV-Um­stel­lung grö­ßer.

Saar­brü­cken. Saar­län­di­sche Be­am­te und pen­sio­nier­te Staats­die­ner sind auf ein ge­sun­des fi­nan­zi­el­les Pols­ter an­ge­wie­sen, wenn ih­nen denn Arzt- oder Me­di­zin­rech­nun­gen ins Haus flat­tern. Das Saar­land als ihr Ar­beit­ge­ber lässt sich enorm viel Zeit, um sei­nen im Bei­hil­fe­recht ver­ein­bar­ten An­teil von 50 Pro­zent (ak­ti­ve Be­am­te) oder 70 Pro­zent (Pen­sio­nä­re) an den Be­hand­lungs­kos­ten zu er­stat­ten. Da Be­am­te in al­ler Re­gel Pri­vat­pa­ti­en­ten sind, müs­sen sie für Arzt- und Me­di­zin­kos­ten in Vor­la­ge tre­ten und die an­tei­li­ge Kos­ten­er­stat­tung bei der zen­tra­len Bei­hil­fe­stel­le des Lan­des ex­tra be­an­tra­gen. Das dau­ert.

Da­ni­el Kempf, Bü­ro­lei­ter von Fi­nanz­mi­nis­ter Ste­phan To­sca­ni (CDU), räum­te auf An­fra­ge un­se­rer Zei­tung ein, dass ak­tu­ell 10 659 Bei­hil­fe­an­trä­ge un­be­ar- bei­tet auf Hal­de lie­gen. Der ak­tu­el­le Be­ar­bei­tungs­rück­stand lie­ge bei 25 Ar­beits­ta­gen, al­so fünf Wo­chen. Bis das Geld über­wie­sen ist, ver­ge­hen wie­der­um ei­ni­ge Ta­ge. In der zen­tra­len Bei­hil­fe­stel­le be­treu­en der­zeit 37 Mit­ar­bei­ter 30 173 Bei­hil­fe­be­rech­tig­te. We­gen des enor­men Rück­staus und ei­ner fast ein­wö­chi­gen Be­ar­bei­tungs­pau­se, die mit ei­ner EDVUm­stel­lung ge­recht­fer­tigt wird, wur­den so­gar zwei Ru­he­ständ­ler re­ak­ti­viert.

Die EDV-Um­stel­lung (al­le Groß­rech­ner­auf­ga­ben wur­den nach Karls­ru­he ver­la­gert) lief an­geb­lich oh­ne Kom­pli­ka­tio­nen, heißt es of­fi­zi­ell. Die fünf­tä­gi­ge Zwangs­pau­se in die­sem Mo­nat und der stei­gen­de Be­ar­bei­tungs­rück­stand wa­ren dem­nach plan­mä­ßig. Dann stellt sich al­ler­dings die Fra­ge, wie­so die Be­trof­fe­nen nicht früh­zei­tig in­for­miert wur­den. Das Mi­nis­te­ri­um ver­weist ein­zig auf ei­ne klei­ne No­tiz auf der In­ter­net­sei­te der Bei­hil­fe­stel­le. Selbst bei der Re­gis­trie­rung der Postein­gän­ge gab es ei­nen Stau von min­des­tens vier Ta­gen.

Auf ei­ne Ent­schul­di­gung für ei­nen et­wa ein­wö­chi­gen Zah­lungs­ver­zug war­ten bis­lang auch die Be­am­ten und Pen­sio­nä­re, die An­spruch auf Pflegegeld-Ab­schlags­zah­lun­gen ha­ben. Ih­nen wur­de ei­gent­lich schrift­lich zu­ge­si­chert, dass bis „spä­tes­tens“zur Mo­nats­mit­te über­wie­sen wer­de. Dem war im Au­gust nicht so. Die Lan­des­kas­se war – an­geb­lich we­gen der ge­plan­ten EDV-Um­stel­lung – vier bis fünf Ta­ge in Ver­zug. 230 Pfle­ge­fäl­le wa­ren be­trof­fen. Es ging um ins­ge­samt 45 502 Eu­ro. Ei­nem Steu­er­zah­ler wer­den in sol­chen Fäl­len Säum­nis­zu­schlä­ge an­ge­droht. Das Mi­nis­te­ri­um stellt sich auf den Standpunkt, es be­ste­he kein An­spruch auf Ab­schlags­zah­lun­gen. Die­se sei­en ein „Ent­ge­gen­kom­men“an die Pfle­ge­be­dürf­ti­gen.

Ewald Linn vom Deut­schen Be­am­ten­bund Saar spricht von ei­nem „po­li­ti­schen Pro­blem“. Der Di­enst­herr ver­nach­läs­si­ge sei­ne Für­sor­ge­pflicht für Be­am­te und Ver­sor­gungs­emp­fän­ger. Die Per­so­nal­not bei der Bei­hil­fe­stel­le sei seit Jah­ren be­kannt.

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