Kau­fen bil­li­ger als mie­ten?

Post­bank-Stu­die emp­fiehlt Im­mo­bi­li­en­er­werb – Mak­ler war­nen vor Ent­täu­schun­gen

Saarbruecker Zeitung - - ZEITUNG FÜR SAARBRÜCKEN - Von SZ-Re­dak­teur Pe­ter Wa­gner

Die Post­bank trom­melt in ei­ner Stu­die für den Er­werb von Haus­ei­gen­tum in Saar­brü­cken. Der Ring Deut­scher Mak­ler schüt­telt den Kopf: Schön­rech­ne­rei und kein rea­lis­ti­scher Blick auf die wah­ren An­ge­bo­te.

Saar­brü­cken. „Durch­schnitts­ver­die­ner kön­nen sich in fast al­len Stadt­tei­len ei­ne ei­ge­ne Im­mo­bi­lie leis­ten“, so möch­te die Post­bank Lust auf ei­nen Haus­kauf in Saar­brü­cken ma­chen. Sie be­ruft sich auf ei­ne haus­ei­ge­ne Ana­ly­se mit dem Ti­tel „Woh­nat­las 2015“.

In vie­len Tei­len der Lan­des­haupt­stadt blie­ben bei der Fi­nan­zie­rung ei­nes Ei­gen­heims we­gen der nied­ri­gen Zin­sen im Ver­gleich zur Mie­te mo­nat­lich mehr als 200 Eu­ro mehr in der Ta­sche, lau­tet die Kern­aus­sa­ge.

Nach Ein­schät­zung der Post­bank fin­den Fa­mi­li­en fast über­all in Saar­brü­cken be­zahl­ba­re Ein­fa­mi­li­en­häu­ser mit 130 Qua­drat­me­tern. Im Durch- schnitt lie­ge die Fi­nan­zie­rungs­last nur bei knapp 25 Pro­zent des mo­nat­li­chen Net­to­ein­kom­mens von 2160 Eu­ro. In Bischmisheim und Gü­din­gen stün­den die Chan­cen auf die ei­ge­nen vier Wän­de be­son­ders gut: Hier müss­ten Fa­mi­li­en für ein Haus un­ter 20 Pro­zent ih­res Ein­kom­mens in­ves­tie­ren. Dop­pel­ver­die­ner, so heißt es wei­ter, könn­ten sich fast über­all ei­ne Ei­gen­tums­woh­nung leis­ten.

Selbst in Saar­brü­cken-Mit­te lie­ge die Fi­nan­zie­rungs­last für ei­ne 110- Qua­drat­me­ter-Woh­nung im Durch­schnitt noch un­ter der 40-Pro­zent-Mar­ke des ge­mein­sa­men Net­to­ein­kom­mens. Auch Al­lein­ver­die­ner wür­den in Saar­brü­cken schnell fün­dig. Ei­ne 70- Qua­drat­me­terWoh­nung kos­te im Durch­schnitt nur rund 27 Pro­zent ih­res Net­to­ein­kom­mens. Ein­zig im an­ge­sag­ten Nau­wie­ser Vier­tel be­nö­ti­gen Singles mehr als die Hälf­te ih­res Ein­kom­mens zur Fi­nan­zie­rung.

Nach Rech­nung der Post­bank blie­ben die Saar­brü­cker Im­mo- bi­li­en selbst bei stei­gen­den Zin­sen fi­nan­zier­bar. Erst wenn der Zins­satz 5,4 Pro­zent er­rei­che, sei die Mie­te ei­ner 70- Qua­drat­me­ter-Woh­nung güns­ti­ger als der Kauf. Bei 110 Qua­drat­me­ter gro­ßen Woh­nun­gen sei bis zu ei­nem Zins­satz von 3,8 Pro­zent der Kauf ren­ta­bler.

Beim Ring Deut­scher Mak­ler (RDM), Lan­des­ver­band Saar, wird die Post­bank-Stu­die mit er­heb­li­chem Un­be­ha­gen ge­se­hen. Vor­sit­zen­der Hel­mut Petsch (Saar­brü­cken) hält et­li­che Aus­sa­gen gar für „ex­trem ge­fähr­lich“, weil bei In­ter­es­sen­ten über­trie­be­ne Er­war­tun­gen ge­weckt wer­den könn­ten. Vie­le In­ter­es­sen­ten könn­ten sich nur „vor­der­grün­dig“ein ei­ge­nes Haus leis­ten.

Petsch kri­ti­siert vor al­lem das Feh­len des Hin­wei­ses, dass die Zin­sen nicht dau­er­haft nied­rig sein müss­ten. Vor al­lem müs­se man zu­sätz­lich be­ach­ten, dass der Käu­fer auch die Til­gung auf­brin­gen müs­se.

Aus­ge­blen­det sei­en in der Stu­die auch Ne­ben­kos­ten der Im­mo­bi­li­en, et­wa für Re­pa­ra- tu­ren. Nach Wor­ten des Mak­lers sei die Be­zug­nah­me auf ein sta­tis­ti­sches Ein­kom­men von et­wa 2160 Eu­ro „fahr­läs­sig“, denn es müs­se hin­ter­fragt wer­den, ob in 10 bis 15 Jah­ren, nach Aus­lauf der Zins­bin­dung, auch der Job noch si­cher sei.

Der RDM be­män­gelt über­dies ei­ne „sehr ober­fläch­li­che“ört­li­che Be­trach­tung der Stu­die, in der an ei­ner Stel­le gar von „Mal­stadt“statt „Mal­statt“die Re­de ist.

Bei­spie­le: Dud­wei­ler-Nord und Esch­berg sei­en eben nicht „zen­tral“ge­le­gen. Und die Uni­ver­si­tät lie­ge zwar laut Grund­buch in St. Jo­hann, dort ge­be es aber eben­so­we­nig güns­ti­ge Ein­fa­mi­li­en­häu­ser wie et­wa im Neu­bau­ge­biet Bel­le­vue 2.0, wo ja al­le Häu­ser ver­ge­ben sei­en.

Auch die Mie­ten sind nach Mei­nung des Mak­ler­ver­ban­des „sehr un­dif­fe­ren­ziert“dar­ge­stellt.

La­gen wie Tril­ler, Wein­berg­weg und Schen­kel­berg kön­ne man nicht, wie auf der Kar­te ge­sche­hen, in ei­ne Preis­la­ge ein­ord­nen.

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