Rei­ni­gungs­bran­che in der Kri­tik

Ge­werk­schaft: Zoll soll kon­trol­lie­ren, ob Putz­kräf­te fair be­zahlt wer­den

Saarbruecker Zeitung - - REGIONALVERBAND/ WIRTSCHAFT -

Der Zoll soll ei­nen stren­ge­ren Blick dar­auf wer­fen, ob im Re­gio­nal­ver­band Saar­brü­cken wirk­lich „sau­ber ge­putzt“wird – das heißt: ob die Putz­kräf­te or­dent­lich be­zahlt wer­den. Das for­dert die Ge­werk­schaft IG Bau Saar-Tri­er.

Saar­brü­cken. „In der Ge­bäu­de­rei­ni­gung ha­ben wir es oft mit Lohn­Dum­ping und ex­tre­mer Aus­beu­tung bei den Ar­beits­zei­ten“und „un­be­zahl­ter Mehr­ar­beit“zu tun, sagt Hei­ner Weber, Be­zirks­chef der Ge­bäu­de­rei­ni­ger- Ge­werk­schaft IG Bau Saar-Tri­er. Dem­ge­gen­über ha­be es im ver­gan­ge­nen Jahr im ge­sam­ten Be­zirk des Haupt­zoll­am­tes Saar­brü­cken le­dig­lich 28 Kon­trol­len bei Ge­bäu- der­ei­ni­ger-Fir­men ge­ge­ben. Ins­ge­samt ha­be die Fi­nanz­kon­trol­le Schwarz­ar­beit (FKS) des Zolls in der Re­gi­on al­ler­dings 1498 Kon­trol­len durch­ge­führt. Bei den Zah­len be­ruft sich die Ge­werk­schaft auf ei­ne An­fra­ge des SPDBun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Man­fred Zöll­mer an das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um. Die IG Bau for­dert nun, der Zoll sol­le ei­nen stren­ge­ren Blick dar­auf wer­fen, ob im Re­gio­nal­ver­band Saar­brü­cken „sau­ber ge­putzt“wird.

Die Kon­troll­quo­te in der Rei­ni­gungs­bran­che be­rei­te der Ge­werk­schaft Bauch­schmer­zen. Wenn sich der Zoll nur mit 1,9 Pro­zent sei­ner Kon­trol­len um die Rei­ni­gungs­bran­che küm­mern kön­ne, dann hät­ten es die schwar­zen Scha­fe bei den Ar­beit­ge­bern be­son­ders leicht, un­ter­zu­tau­chen. Weber hat es ins­be­son­de­re auf die Kon­trol­len des spe­zi­el­len Min­dest­lohns für das Ge­bäu­de­rei­ni­ger-Hand­werk ab­ge­se­hen: „Kei­ne Rei­ni­gungs­kraft, die Bü­ros sau­ber macht, darf un­ter 9,55 Eu­ro pro St­un­de ver­die­nen. Und kein Fens­ter­put­zer darf mit ei­nem St­un­den­lohn von un­ter 12,65 Eu­ro nach Hau­se ge­hen“, so Weber wei­ter.

Die Ge­werk­schaft for­dert mehr Kon­trol­leu­re für den Zoll: „Je grö­ßer die Ge­fahr für Ar­beit­ge­ber ist, ent­deckt zu wer­den, des­to we­ni­ger wer­den sie beim Lohn trick­sen“, so Weber. Die Fi­nanz­kon­trol­le Schwarz­ar­beit ma­che ei­nen wich­ti­gen Job. Da­für brau­che sie aber auch aus­rei­chend Per­so­nal - zu­mal in die­sem Jahr noch die Kon­trol­len des ge­setz­li­chen Min­dest­loh­nes hin­zu­ge­kom­men sei­en.

Durch Zoll-Kon­trol­len wer­de der „Wild­wuchs“of­fen­sicht­lich: Bei vie­len der Rei­ni­gungs­fir­men, die im ver­gan­ge­nen Jahr vom Zoll Saar­brü­cken kon­trol­liert wur­den, ha­be die FKS So­zi­al­miss­brauch auf­ge­deckt. Die Be­am­ten re­gis­trier­ten rund 79 000 Eu­ro nicht ge­zahl­ter So­zi­al­ab­ga­ben. „Das ist Geld, das den Ren­ten-, Kran­ken- und Pfle­ge­kas­sen fehlt. Eben­so der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung“, macht Weber deut­lich.

SZ-AR­CHIV­FO­TO: PE­TRA BERGER

Ge­bäu­de­rei­ni­ger im Ein­satz.

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