Der frü­he Schim­pan­se pflückt die Frucht

Men­schen­af­fen ste­hen für ein gu­tes Früh­stück auch sehr zei­tig auf

Saarbruecker Zeitung - - WISSEN -

Erst kommt das Fres­sen und dann die Er­ho­lung – zu­min­dest bei Schim­pan­sen. Wenn des Men­schen nächs­te Ver­wand­te im Tier­reich aber Bäu­me ent­de­cken, die le­cke­re Früch­te tra­gen, wol­len sie vor der Kon­kur­renz beim Früh­stück sein. Sie ver­zich­ten dann auch auf ei­nen Teil der Nacht­ru­he.

Leip­zig. Ei­gent­lich sind Schim­pan­sen ta­gak­ti­ve Tie­re, das be­deu­tet, dass sie tags­über auf Nah­rungs­su­che ge­hen. Mit Ein­bruch der Dun­kel­heit le­gen sich die Tie­re schla­fen und las­sen sich von den ers­ten Son­nen­strah­len am nächs­ten Mor­gen wie­der we­cken. Doch für ganz be­son­ders le­cke­re Mahl­zei­ten än­dern die gro­ßen Men­schen­af­fen auch schon ein­mal ih­ren Ta­ges­rhyth­mus. Das be­deu­tet, dass sie ko­gni­tiv in der La­ge sind, Zeit, Ort und Art ih­res Früh­stücks vor­aus­zu­pla­nen.

Fri­sche Fei­gen zum Bei­spiel gel­ten bei Schim­pan­sen als ei­ne De­li­ka­tes­se. Und für die­se Früch­te ver­än­dern die Tie­re dann auch ih­ren Schlafrhyth­mus und wer­den zu ex­tre­men Früh­auf­ste­hern. Wis­sen­schaft­ler des Max-PlanckIn­sti­tuts für Evo­lu­tio­nä­re An­thro­po­lo­gie in Leip­zig ha­ben her­aus­ge­fun­den, dass die Tie­re, um an die­se Früch­te zu kom­men ih­re si­che­ren Plät­ze in den Bäu­men

Schim­pan­sen pla­nen ih­re Mahl­zei­ten. Um an be­son­de­re Le­cker­bis­sen ge­lan­gen zu kön­nen, ste­hen die Tie­re am Mor­gen ex­trem früh auf.

mor­gens so früh­zei­tig ver­las­sen, dass sie vor der Kon­kur­renz am Früh­stücks­ort an­kom­men kom­men. Je wei­ter die Nah­rungs­quel­le da­bei von ih­ren Schlaf­stel­len ent­fernt liegt, um­so eher ist die Nacht für sie vor­bei. Da­bei neh­men die Tie­re so­gar Ge­fah­ren in Kauf. Oft zie­hen sie im Dun­keln los, wenn die Leo­par­den noch auf der Jagd sind. Die ver­schmä­hen auch Schim­pan­sen­fleisch nicht.

Für ih­re Stu­die ha­ben die For­scher im west­afri­ka­ni­schen Tai- Na­tio­nal­park an der El­fen­bein­küs­te das Ver­hal­ten von fünf weib­li­chen Schim­pan­sen über 275 Ta­ge hin­weg auf­ge­zeich­net. Kar­li­ne Jan­maat und ih­re Kol­le­gen des Max-Planck-In­sti­tu­tes do­ku­men­tier­ten, wo die Tie­re die Nacht ver­brach­ten und wo­her sie sich wann ih­re Nah­rung be­schaff­ten. „Es war auf­re­gend, die Schim­pan­sen­müt­ter und ih­re Kin­der in der Mor­gen­däm­me­rung bei ih­rem Gang durch den Wald zu be­ob­ach­ten. Scheu und wach­sam wa­ren sie auf dem Weg zu ih­ren Früh­stücks­fei­gen.“An je­dem fünf­ten Mor­gen hät­ten die Tie­re ih­re Schlaf­plät­ze vor Son­nen­auf­gang ver­las­sen, wäh­rend der Rest des Wal­des schlief, so Jan­maat.

Die For­scher do­ku­men­tier­ten, wann die Tie­re los­zo­gen, in wel­che Rich­tung sie mar­schier­ten und stell­ten die­se Da­ten in Zu­sam­men­hang mit der Obst­sor­te und dem Stand­ort des Bau­mes, den die Schim­pan­sen auf­such­ten. Da­bei fan­den sie her­aus, dass nicht al­le tro­pi­schen Früch­te bei den Tie­ren glei­cher­ma­ßen be­liebt sind: Ei­ni­ge Obst­bäu­me wur­den schnel­ler ge­plün­dert als an­de­re. Die Wet­ter­ver­hält­nis­se und die Fra­ge, ob die Tie­re be­son­ders hung­rig wa­ren, schie­nen da­ge­gen kei­ne Rol­le zu spie­len. np

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