Ge­setz-Ent­wür­fe zur Ster­be­hil­fe sto­ßen auf Zwei­fel

Bun­des­tags­ju­ris­ten: Nicht ver­fas­sungs­kon­form – Initia­to­ren der Grup­pen­an­trä­ge re­agie­ren ge­las­sen

Saarbruecker Zeitung - - POLITIK -

Die Neu­re­ge­lung der Ster­be­hil­fe ist ei­nes der sen­si­bels­ten Ge­set­zes­pro­jek­te der Le­gis­la­tur­pe­ri­ode. Kein Wun­der, dass Ex­per­ten ver­fas­sungs­recht­li­che Be­den­ken ge­gen die Ent­wür­fe vor­brin­gen – oh­ne die Ab­ge­ord­ne­ten wirk­lich zu be­ein­dru­cken.

Berlin. Ex­per­ten des Bun­des­ta­ges ha­ben Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit von drei der vier ein­ge­brach­ten Ge­setz­ent­wür­fe zur Ster­be­hil­fe. Be­an­stan­det wur­den die frak­ti­ons­über­grei­fen­den Ent­wür­fe der Ab­ge­ord­ne­ten- Grup­pen um Michael Brand (CDU), Pe­ter Hint­ze (CDU) und Re­na­te Kü­n­ast (Grü­ne). Die Wort­füh­rer der kri­ti­sier­ten Ge­set­zes­vor­la­ge ga­ben sich we­nig be­ein­druckt von dem Gut­ach­ten.

Der mit Ab­stand aus­sichts­reichs­te Ge­setz­ent­wurf war von der Grup­pe um Brand, Kers­tin Grie­se (SPD), Kath­rin Vog­ler (Lin­ke) und Eli­sa­beth Schar­fen­berg (Grü­ne) vor­ge­legt wor­den. An ihm wur­de be­män­gel­te, dass nicht aus­rei­chend klar wer­de, wie die ge­plan­te Un­ter­schei­dung zwi­schen ei­ner ver­bo­te­nen ge­schäfts­mä­ßi­gen Sui­zid­bei­hil­fe mit Wie­der­ho­lungs­ab­sicht und ei­ner er­laub­ten Ster­be­hil­fe im Ein­zel­fall aus selbst­lo­sen Mo­ti­ven ge­trof­fen wer­den kön­ne.

Der Ent­wurf ei­ner Grup­pe Ko­ali­ti­ons­ab­ge­ord­ne­ter um Bun­des­tags­vi­ze­prä­si­dent Hint­ze über­schrei­tet laut Gut­ach­ten die Kom­pe­ten­zen des Bun­des­ge­setz­ge­bers zu­las­ten der Län­der. Die Grup­pe will ei­nen ärzt­lich as­sis- tier­ten Sui­zid er­mög­li­chen, um das nach ih­rer Ein­schät­zung schär­fe­re ärzt­li­che Be­rufs­recht aus­zu­he­beln. Dies be­deu­te aber ei­nen Ein­griff in das den Län­dern ob­lie­gen­de Stan­des­recht, so die Bun­des­tags­ju­ris­ten.

Ähn­li­che Be­den­ken ge­be es auch beim Ent­wurf ei­ner Grup­pe um Kü­n­ast und Pe­tra Sit­te (Lin­ke), der nur die kom­mer­zi­el­le („ge­werbs­mä­ßi­ge“) Sui­zid­hil­fe be­stra­fen will. Zu­dem mo­nie­ren die Bun­des­tags­ju­ris­ten, dass nicht oh­ne wei­te­res er­sicht­lich ist, ob mög­li­cher­wei­se Ärz­te ge­werbs­mä­ßig han­deln und sich da­mit straf­bar mach­ten.

Brand er­klär­te: „Wir sind uns nach der Ana­ly­se füh­ren­der Ju­ris­ten si­cher, dass die Au­to­ren des Wis­sen­schaft­li­chen Di­ens­tes ir­ren und wir uns auf die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit un­se­res sehr sorg­fäl­tig und auf­wen­dig er­ar­bei­te­ten Ge­setz­ent­wur­fes ver­las­sen kön­nen.“

Schar­fen­berg ar­gu­men­tier­te: „Nach dem ers­ten Ein­druck ver­mag mich die Ar­gu­men­ta­ti­on des Wis­sen­schaft­li­chen Di­ens­tes nicht zu über­zeu­gen, zu­mal die­ser ja auch kei­ne ab­schlie­ßen­de Be­wer­tung ab­gibt - und auch nicht ab­ge­ben kann, son­dern le­dig­lich ge­wis­se Zwei­fel zum Aus­druck bringt.“Auch Hint­ze geht wei­ter da­von aus, dass der von sei­ner Grup­pe vor­ge­leg­te Ge­setz­ent­wurf ver­fas­sungs­ge­mäß ist. Der Bun­des­tag hat An­fang Ju­li in ers­ter Le­sung über die Ge­setz­ent­wür­fe dis­ku­tiert. Im No­vem­ber wird ei­ne Ent­schei­dung er­war­tet. dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.