Fahr­rad­fa­brik zu ver­kau­fen

Was wird aus dem Kett­ler-Werk in Ril­chin­gen-Han­wei­ler?

Saarbruecker Zeitung - - ZEITUNG FÜR SAARBRÜCKEN - Von SZ-Re­dak­teur Frank Koh­ler

Be­schäf­tig­te der Fir­ma Kett­ler ha­ben Angst vor der Zu­kunft, seit die weit rei­chen­den Sa­nie­rungs­plä­ne für das Un­ter­neh­men auf dem Tisch lie­gen. Es steckt seit An­fang Ju­ni im In­sol­venz­ver­fah­ren. Die Un­si­cher­heit reicht von der Kett­ler-Fahr­rad­fa­brik an der Obe­ren Saar bis in die west­fä­li­schen Wer­ke des Freit­zeit­ar­ti­kel-Her­stel­lers.

Klein­blit­ters­dorf/Saar­brü­cken. Die Angst um die Zu­kunft nimmt er je­den Tag mit auf die Ar­beit und nach Hau­se. Er liest die Ap­pel­le, wei­ter­zu­ar­bei­ten wie bis­her, fin­det das schwie­rig, ver­misst Aus­künf­te. „Es soll In­ter­es­sen­ten ge­ben. Aber da fehlt Kon­kre­tes. Wo ist der In­for­ma­ti­ons­fluss?“Der Mann, der an­onym blei­ben will, möch­te wis­sen, ob er 2016 noch in der Han­wei­ler Fahr­rad­fa­brik der Fir­ma Kett­ler Ar­beit hat. Und ob es die 77 Kett­ler-Jobs an der Saar dann über­haupt noch gibt. Denn das Ge­samt­un­ter­neh­men mit Sitz im west­fä­li­schen En­se-Par­sit durch­läuft seit dem 1. Ju­ni ein In­sol­venz­ver­fah­ren in Ei­gen­ver­wal­tung.

Die Ge­schäfts­füh­rung gab ein Sa­nie­rungs­gut­ach­ten in Auf­trag. Wür­de es be­folgt, ver­lö­ren 397 der 1100 Kett­ler-Be­schäf­tig­ten ih­ren Ar­beits­platz. Und die Fahr­rad­pro­duk­ti­on in Han­wei­ler wür­de ver­kauft. Aber an wen? Für den Mit­ar­bei­ter steht fest, dass das saar­län­di­sche Zweig­werk ei­ne Chan­ce ver­dient. Gera­de jetzt. Des­halb geht er an die Öf­fent­lich­keit.

In Han­wei­ler mon­tie­ren Kett­ler-Mit­ar­bei­ter un­ter an­de­rem Fahr­rä­der mit Elek­tro­mo­tor. 2010 be­such­te die da­ma­li­ge saar­län­di­sche Um­welt­mi­nis­te­rin Si­mo­ne Pe­ter die Pro­duk­ti­on, mach­te ei­ne Test­fahrt. „Es macht Spaß. Man merkt am Berg, wie’s ab­geht.“Wich­ti­ger noch: Elek­tro­rä­der wie die von Kett­ler pas­sen ins Mo­bi­li­täts­kon­zept der Lan­des­re­gie­rung.

Ar­beit gab’s im­mer ge­nug Die Mi­nis­te­rin er­fuhr, die Her­stel­lungs­zah­len für die StromZwei­rä­der hät­ten sich in Han­wei­ler bin­nen ei­nes Jah­res auf 100 pro Tag ver­dop­pelt. Er­folgs­mel­dun­gen wie die­se än­der­ten nichts dar­an, dass das Un­ter­neh­men in Schwie­rig­kei­ten kam. Der Mit­ar­bei­ter: „Wir hat­ten im­mer mehr Ar­beit und ei­ne po­si­ti­ve Re­so­nanz auf un­se­re Pro­duk­te, aber es kam nichts da­bei rum. Wir sind nicht in­no­va­tiv ge­nug und hän­gen mei­ner Mei­nung nach der Kon­kur­renz zwei Jah­re hin­ter­her. Und wo blie­ben un­se­re Pro­duk­te für die Fit­ness­stu­di­os, die die Heim­trai­ner ab­ge­hängt ha­ben?“Auf die heu­ti­ge Fir­men­che­fin Ka­rin Kett­ler lässt ihr Mit­ar­bei­ter von der Saar nichts kom­men. „Ihr kann man die Schuld nicht ge­ben.“Sie ha­be viel ei­ge­nes Geld in­ves­tiert, um den La­den zu ret­ten. Der Kett­ler-Mann hofft, dass ein an­de­rer Fahr­rad­her­stel­ler die Fa­b­rik über­nimmt.

IG Me­tall macht Hoff­nung Die SZ woll­te von der Kett­lerZen­tra­le wis­sen, wie lan­ge die Pro­duk­ti­on in Han­wei­ler noch bleibt, wenn sich kein Käu­fer für das Werk fin­det? Wo und wie die Su­che nach In­ter­es­sen­ten läuft. Kett­ler-Spre­che­rin Stefanie Ris­se: „Zu die­sem Zeit­punkt kann die Un­ter­neh­mens­lei­tung noch nicht auf Ih­re spe­zi­fi­schen Fra­gen ant­wor­ten. Wir bit­ten Sie wei­ter­hin um Ge­duld und dan­ken im Vor­aus für Ihr Ver­ständ­nis.“

Die­se Ge­duld ist auch den Mit­ar­bei­tern in Han­wei­ler ab­ver­langt. „Wir müs­sen ja wei­ter­ar­bei­ten. Aber gu­te Lau­ne hat wirk­lich nie­mand.“Doch es gibt Hoff­nung. Patrick Sel­zer, Zwei­ter Be­voll­mäch­tig­ter der IG Me­tall-Ver­wal­tungs­stel­le Saar­brü­cken: „Ein Fahr­rad­her­stel­ler könn­te in güns­ti­ger La­ge als fer­ti­gen Stand­ort ein klei­nes, schmu­ckes Werk über­neh­men, das Ein­kauf, Mon­ta­ge und Pro­duk­ti­on an ei­nem Ort kon­zen­triert.“Um­so wich­ti­ger sei­en die Ab­sich­ten von Käu­fern. „Wir ent­wi­ckel­ten mit dem Be­triebs­rat ei­nen Fra­gen­ka­ta­log: Was pla­nen po­ten­zi­el­le Über­neh­mer?“Sel­zer er­mu­tigt die Kol­le­gen. „Da ist noch Luft drin. Aber ich ver­ste­he die Ve­r­un­si­che­rung in der Be­leg­schaft.“

FO­TO: SEE­BER

Mit Elek­tro­rä­dern aus Han­wei­ler fuh­ren die da­ma­li­ge Um­welt­mi­nis­te­rin Anke Rehlin­ger (SPD, Mit­te) und ihr Tross im Ju­li 2012 die 13 Ki­lo­me­ter von Re­den zum Göt­tel­born För­der­turm.

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