Maas nimmt Face­book in die Pflicht

Jus­tiz­mi­nis­ter for­dert von Netz­wer­ken schär­fe­res Vor­ge­hen ge­gen Ver­brei­tung – Face­book nimmt Ge­sprächs­an­ge­bot an

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE -

Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) hat Face­book zum Stop­pen ras­sis­ti­scher Kom­men­ta­re auf der Platt­form auf­ge­for­dert.

Die Het­ze ge­gen Flücht­lin­ge in den so­zia­len Netz­wer­ken geht Jus­tiz­mi­nis­ter Maas ge­gen den Strich. Nun hat er Ver­tre­ter von Face­book zu ei­nem Ter­min ein­ge­la­den. The­ma ist der Um­gang des Netz­wer­kes mit Frem­den­feind­lich­keit.

Berlin. „Lie­bes Team von Face­book, wir müs­sen mal re­den.“Mit die­sem Tweet und ei­nem Brief hat Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) Ver­tre­ter von Face­book zu ei­nem Ge­spräch ein­ge­la­den. Da­bei soll es dar­um ge­hen, wie das Netz­werk mit frem­den­feind­li­chen Hass­bot­schaf­ten um­geht – ei­ne The­ma­tik, die Nut­zer, Blog­ger und Jour­na­lis­ten seit Wo­chen dis­ku­tie­ren, denn vie­len grei­fen die in­ter­nen Mecha­nis­men von Face­book zur Un­ter­bin­dung von Hass­bot­schaf­ten nicht kon­se­quent ge­nug.

Wenn ein Nut­zer bei Face­book frem­den­feind­li­che, ras­sis­ti­sche und men­schen­ver­ach­ten­de Pa­ro­len von sich gibt, ha­ben an­de­re Nut­zer die Mög­lich­keit, sie zu mel­den. Nach den „Ge­mein- schafts­richt­li­ni­en“, die sich Face­book selbst ge­ge­ben hat, wer­den „sämt­li­che Hass­bot­schaf­ten, d. h. In­hal­te, die Per­so­nen auf­grund der fol­gen­den Ei­gen­schaf­ten di­rekt an­grei­fen: Ras­se, Eth­ni­zi­tät, Na­tio­na­le Her­kunft, Re­li­giö­se Zu­ge­hö­rig­keit, Se­xu­el­le Ori­en­tie­rung, Ge­schlecht bzw. ge­schlecht­li­che Iden­ti­tät oder Schwe­re Be­hin­de­run­gen oder Krank­hei­ten“ent­fernt. Das „Com­mu­ni­ty Ope­ra­ti­ons Team“von Face­book über­prüft dann, ob der In­halt ge­gen die Ge­mein­schafts­richt­li­ni­en ver­stößt – wenn ja, wird der In­halt ge­löscht und der Nut­zer ge­ge­be- nen­falls ge­sperrt. Der­je­ni­ge, der den In­halt ge­mel­det hat, be­kommt dann ei­ne Nach­richt, was mit dem ge­mel­de­ten In­halt und dem Nut­zer pas­siert ist. In sei­nem Brief schreibt Maas, zahl­rei­che Be­schwer­den über Het­ze im In­ter­net hät­ten sein Mi­nis­te­ri­um er­reicht. „Ins­be­son­de­re bek­la- gen Face­book-Nut­zer, dass Ihr Un­ter­neh­men trotz ent­spre­chen­der kon­kre­ter Hin­wei­se ras­sis­ti­sche und frem­den­feind­li­che „Posts“und Kom­men­ta­re nicht ef­fek­tiv un­ter­bin­de.“Da­bei sei Face­book ge­setz­lich ver­pflich­tet, rechts­wid­ri­ge In­hal­te – et­wa mit volks­ver­het­zen­dem Cha­rak­ter – un­ver­züg­lich nach Be­kannt­wer­den zu lö­schen. Der Jus­tiz- und Ver­brau­cher­schutz­mi­nis­ter stellt sich da­mit an die Sei­te von Face­book-Kri­ti­kern, die den Um­gang des Netz­werks mit frem­den­feind- li­chen Kom­men­ta­ren an­pran­gern. Ei­ner von ih­nen ist der Chef­re­dak­teur von DWDL.de, Tho­mas Lü­ck­erath. Maas’ Ein­la­dung an Face­book rei­he sich ein in ei­ne lan­ge Lis­te an öf­fent­lich ge­äu­ßer­ter Kri­tik am „ver­ant­wor­tungs­lo­sen Com­mu­ni­ty-Ma­nage­ment von Face­book“, schrieb Lü­ck­erath in ei­nem State­ment. „Es ist kaum denk­bar, dass sich Face­book wei­ter­hin mit be­dau­er­li­chen Ein­zel­feh­lern her­aus­re­den kann.“

Das so­zia­le Netz­werk selbst re­agier­te po­si­tiv auf die Ein­la- dung von Maas. „Wir be­grü­ßen das Schrei­ben und neh­men die Be­den­ken sehr ernst. Face­book ist kein Ort für Ras­sis­mus“, sag­te ei­ne Spre­che­rin. „Wir ap­pel­lie­ren an die Men­schen, un­se­re Platt­form nicht für die Ver­brei­tung von Hass­re­de zu be­nut­zen.“An dem Aus­tausch mit Maas sei das Un­ter­neh­men sehr in­ter­es­siert.

Der Schritt von Maas stieß aus ver­schie­de­nen Rich­tun­gen auf Zu­spruch. „Wir dür­fen Volks­ver­het­zung in Deutsch­land nicht durch­ge­hen las­sen“, sag­te SPDChef Sig­mar Ga­b­ri­el. Dem in­nen­po­li­ti­schen Spre­cher der Grü­nen­frak­ti­on Vol­ker Beck geht Maas’ Initia­ti­ve aber nicht weit ge­nug: Maas sol­le nicht nur mit den An­bie­tern re­den, son­dern auch im Rah­men der Jus­tiz­mi­nis­ter­kon­fe­renz be­spre­chen, wie die Staats­an­walt­schaf­ten in die­sem Zu­sam­men­hang kon­se­quen­ter er­mit­teln und an­kla­gen könn­ten.

FO­TO: JUTRCZENKA/DPA

In­ter­net­nut­zer ha­ben sich bei Mi­nis­ter Maas be­klagt, dass Hass­bot­schaf­ten auf Face­book nicht ge­löscht wer­den.

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