Re­al­po­li­tik für Bür­ger statt nur Sa­ti­re

Saarbruecker Zeitung - - THEMEN DES TAGES - Von SZ-Mit­ar­bei­ter To­bi­as Roth

Im kom­men­den Jahr star­tet Deutsch­land in ei­ne Se­rie be­deu­ten­der Wah­len, die 2017 mit der Bun­des­tags­wahl ih­ren Hö­he­punkt fin­det. Im Bund schie­nen die Mehr­hei­ten zu­letzt in St­ein ge­mei­ßelt. Doch bei ge­naue­rem Hin­se­hen ist das Par­tei­en­sys­tem in Be­we­gung. SZ-Mit­ar­bei­ter ha­ben da­für Bei­spie­le ge­fun­den. Heu­te: Die Par­tei. Teil 5 und Schluss.

Karls­ru­he. Die Spaß­ka­no­ne trägt An­zug und Kra­wat­te. Wenn Max Braun in den Karls­ru­her Ge­mein­de­rat kommt, sieht er nicht aus, als neh­me er die Kom­mu­nal­po­li­tik auf die leich­te Schul­ter. Der 21-Jäh­ri­ge ist vor knapp ei­nem Jahr für „Die Par­tei“ziem­lich über­ra­schend ins Stadt­par­la­ment ein­ge­zo­gen. 6000 Stim­men hat er be­kom­men – und das mit ei­nem Wahl­pro­gramm, in dem un­ter an­de­rem ein auf­blas­ba­res Wild­park­sta­di­on für die Fuß­bal­ler des Karls­ru- her SC zu fin­den war. Spä­ße, über die man la­chen kann. Aber eig­net sich so ei­ner für die Po­li­tik?

Sein Wah­l­er­folg mit der selbst er­nann­ten Sa­ti­re­par­tei gilt man­chen als Be­leg für Po­li­tik­ver­dros­sen­heit. „Die Par­tei“, an de­ren Spit­ze der ehe­ma­li­ge „Ti­ta­nic“Chef­re­dak­teur Mar­tin Son­ne­born steht, gilt der Po­li­tik als Schreck­ge­spenst. Wenn schon ei­ne Sa­ti­re­par­tei in der Po­li­tik mit­mischt, heißt es, dann geht die De­mo­kra­tie end­gül­tig den Bach run­ter. Der EU-Par­la­men­ta­ri­er Son­ne­born fällt in Brüssel vor al­lem mit lus­ti­gen Film­chen auf, doch Max Braun will das an­ders ma­chen. „Ich he­be mich schon von der Par­tei in Berlin ab“, sagt er, „ich ge­he ei­nen an­de­ren Weg und ma­che Re­al­po­li­tik.“

Die Kom­mu­nal­wahl hat Max Brauns ei­gent­li­che Plä­ne durch­kreuzt. Nach dem Abitur woll­te er stu­die­ren, das ist jetzt erst­mal auf­ge­scho­ben. „Man könn­te sa­gen, dass ich der­zeit Be­rufs­po­li­ti­ker bin“, be­schreibt er sei­ne Si­tua­ti­on. Die 800 Eu­ro Auf­wands­ent­schä­di­gung für Stadt­rä­te plus 400 Eu­ro als Frak­ti­ons-Vi­ze sind für ihn ge­nug. Max Braun hat der­zeit nur ein Ziel: „Ich kon­zen­trie­re mich voll auf den Ge­mein­de­rat.“An­trä­ge und Vor­la­gen le­sen, sich in The­men ein­ar­bei­ten, re­cher­chie­ren – das kos­tet Zeit. „Ich ha­be, glau­be ich, deut­lich mehr Zeit, mich mit Kom­mu­nal­po­li­tik zu be­schäf­ti­gen, als so man­cher mei­ner Kol­le­gen“, sagt Braun, der glaubt aus­ge­macht zu ha­ben, was das gro­ße Pro­blem der Po­li­tik ist. „Im­mer we­ni­ger Leu­te in­ter­es­sie­ren sich für Po­li­tik, weil sie doch gar nicht mehr ver­ste­hen, was da pas­siert.“

Sei­ne Schwer­punk­te setzt Max Braun in der Kin­der- und Ju­gend­po­li­tik, Schul­po­li­tik und Asyl­po­li­tik. Er sitzt im Ju­gend­hil­fe­aus­schuss, im So­zi­al­aus­schuss und im Sport­aus­schuss. „Al­les The­men, die mich in­ter­es­sie­ren und bei de­nen ich das Ge­fühl ha­be, dass man was be­we­gen kann.“Auf kom­mu­na­ler Ebe­ne, be­tont er, sei man nah dran am Bür­ger. Kaum über­rascht hat ihn al­ler­dings, dass im po­li­ti­schen All­tags­ge­schäft al­les recht schlep­pend läuft. Man bringt ei­nen An­trag ein, es wird dis­ku­tiert, ab­ge­stimmt, manch­mal ver­san­det et­was, an­de­res wird blo­ckiert, man muss Mehr­hei­ten fin­den und ab­wä­gen. „Al­les braucht un­glaub­lich viel Zeit.“

Über sein ers­tes Jahr im Ge­mein­de­rat ur­teilt er im Rück­blick: „Dass man am An­fang nicht wirk­lich ernst ge­nom­men wird, war klar. Ich ha­be aber in­zwi­schen auch viel Lob be­kom­men von meh­re­ren Stadt­rä­ten, dass wir re­al­po­li­tisch ar­bei­ten“, sagt Max Braun.

Max Braun

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