Op­po­si­ti­on wirft Re­gie­rung fal­sche An­ga­be vor

Grü­ne und Lin­ke: Kanz­ler­amt war viel frü­her als be­kannt über Er­mitt­lun­gen ge­gen Netz­po­li­tik.org in­for­miert

Saarbruecker Zeitung - - POLITIK -

Dass ge­gen zwei Blog­ger we­gen Lan­des­ver­rats er­mit­telt wur­de, hat ho­he Wel­len ge­schla­gen. Bis­lang woll­te das Kanz­ler­amt erst En­de Ju­li aus den Me­di­en von den Er­mitt­lun­gen er­fah­ren ha­ben. Doch die Grü­nen se­hen das jetzt als Mär­chen ent­tarnt.

Berlin. In der Af­fä­re um Lan­des­ver­rats-Er­mitt­lun­gen ge­gen die Blog­ger von Netz­po­li­tik.org äu­ßert die Op­po­si­ti­on neue Zwei­fel an der bis­he­ri­gen Darstel­lung des Bun­des­kanz­ler­amts. Die­ses war nach ei­ge­ner Aus­sa­ge be­reits im April über den Fall in­for­miert. Das geht aus der Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf ei­ne Par­la­men­ta­ri­sche An­fra­ge her­vor, die die Grü­nen ges­tern ins In­ter­net ge­stellt ha­ben und über die zu­vor schon „Spie­gel On­line“be­rich­tet hat­te.

Dar­in heißt es, Ver­fas­sungs­schutz­prä­si­dent Hans- Ge­org Maa­ßen ha­be „am 21. April 2015 am Ran­de ei­ner Be­spre­chung im Bun­des­kanz­ler­amt“über die An­zei­gen sei­ner Be­hör­de in­for­miert – wenn auch nur „münd­lich und in all­ge­mei­ner Form“. Bis­lang hieß es, das Kanz­ler­amt ha­be erst En­de Ju­li aus den Me­di­en von den Er­mitt­lun­gen er­fah­ren. Al­ler­dings hat­te die stell­ver­tre­ten­de Re­gie­rungs­spre­che­rin Christiane Wirtz am 5. Au­gust ein­ge­räumt, dass man über das Vor­lie­gen ei­ner An­zei­ge schon im April in­for­miert ge­we­sen sei.

Nach An­sicht von Grü­nen­Frak­ti­ons­vi­ze Kon­stan­tin von Notz ist jetzt je­doch auch „die Mär“wi­der­legt, wo­nach die Spit­ze der Bun­des­re­gie­rung von den Er­mitt­lun­gen nichts ge­wusst ha­be. Jan Kor­te von der Lin­ken geht da­von aus, dass Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) von An­fang an über die Lan­des­ver­rats-Er­mitt­lun­gen in­for­miert war: „Der An­griff auf die Pres­se­frei­heit hat­te so­mit die Bil­li­gung der Kanz­le­rin.“Netz­po­li­tik.org hat­te im Früh­jahr über Plä­ne des Ver­fas­sungs­schut­zes be­rich­tet, On­line-Netz­wer­ke stär­ker zu über­wa­chen. Da­zu stell­ten die Jour­na­lis­ten ver­trau­li­che Un­ter­la­gen ins Netz. Der Ver­fas­sungs­schutz er­stat­te­te An­zei­ge ge­gen Un­be­kannt. Ge­ne­ral­bun­des­an­walt Harald Ran­ge lei­te­te ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren we­gen Lan­des­ver­rats ge­gen Netz­po­li­tik.org ein, was viel­fach als An­griff auf die Pres­se­frei­heit ge­rügt wur­de. An­fang Au­gust muss­te Ran­ge sei­nen Pos­ten räu­men. Wer genau am 21. April an dem Tref­fen im Kanz­ler­amt teil­ge­nom­men hat, bleibt al­ler­dings un­klar. In der Ant­wort auf die par­la­men­ta­ri­sche An­fra­ge der Grü­nen heißt es le­dig­lich, „in der Re­gel“näh­men Kanz­ler­amts­chef Pe­ter Alt­mai­er (CDU) und der für die Nach­rich­ten­diens­te zu­stän­di­ge Staats­se­kre­tär Klaus-Die­ter Frit­sche an die­sen Be­spre­chun­gen teil. Dar­über hin­aus wird be­tont, über Ein­zel­hei­ten und das wei­te­re Er­mitt­lungs­ver­fah­ren sei das Kanz­ler­amt nicht in­for­miert wor­den.

„Der An­griff auf die Pres­se­frei­heit hat­te so­mit die Bil­li­gung der Kanz­le­rin.“ Lin­ke-Po­li­ti­ker Jan Kor­te

Pe­ter Alt­mai­er

Hans-Ge­org Maa­ßen

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.