Ak­zen­te set­zen ist Mi­nis­ter­recht

Saarbruecker Zeitung - - KULTUR - Von SZ-Re­dak­teu­rin Cath­rin Elss-Se­ring­haus

Das kla­re Nein zu ei­nem akri­bisch aus­ge­ar­bei­te­ten Kul­tur­ent­wick­lungs­plan passt zum Prak­ti­ker Ul­rich Com­mer­çon. Tat­säch­lich fres­sen kul­tur­po­li­ti­sche Grund­satz­pro­gram­me viel Ener­gie und Zeit und ani­mie­ren am En­de so­gar zur Un­tä­tig­keit, weil die ent­wor­fe­nen Pa­ra­die­se un­er­reich­bar schei­nen. Al­so hat der Mi­nis­ter mit sei­ner im­pul­si­ven Ein­zel­pro­jekt-För­der­stra­te­gie Recht? Da­mit macht man es Ul­rich Com­mer­çon wie­der­um zu leicht. Denn ge­ziel­te Pro­jekt­för­de­rung heißt nicht, bei In­sti­tu­tio­nen und Struk­tu­ren al­les beim Al­ten zu las­sen. Aus­bau­en, straf­fen oder schlie­ßen – das sind un­be­que­me Mü­hen der Ebe­ne, die Com­mer­çon bis­her scheut. Was die In­fra­struk­tur an­geht, steht er fürs Be­wah­ren. Kri­ti­ker sa­gen da­zu Sta­gna­ti­on.

Schön zu hö­ren, dass der Mi­nis­ter durch­aus glas­kla­re Vor­stel­lun­gen von ei­ner „per­spek­ti­vi­schen Kul­tur­po­li­tik“hat. Scha­de nur, dass er sei­ne Leit­li­ni­en bis­her nicht of­fen­siv kom­mu­ni­zier­te. Weil das Är­ger ma­chen könn­te? Com­mer­çons Dis­tanz zur kon­ser­va­tiv-eta­blier­ten (Mu­sik-)Kul­tur lässt sich mit Hän­den grei­fen. Doch Ak­zen­te set­zen ist gu­tes mi­nis­te­ri­el­les Recht, die De­bat­te dar­über de­mo­kra­ti­sche Pflicht.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.