Vor­sicht, die Droh­nen kom­men

Droh­nen sor­gen für Dis­kus­sio­nen – Ex­per­ten ra­ten zum sorg­sa­men Um­gang mit den Flug­ge­rä­ten

Saarbruecker Zeitung - - ZEITUNG FÜR SAARBRÜCKEN - Von SZ-Mit­ar­bei­ter Hei­ko Leh­mann

Man­che ver­mu­ten, es hand­le sich bei den Flug­ob­jek­ten um Spio­ne oder um Mi­li­tär­ge­rä­te. Aber die meis­ten Droh­nen oder Mul­ti­ko­pter, wie ih­re größ­ten Fans sie nen­nen, sind bei uns rei­ne Hob­by­ge­rä­te. Auch über Saar­brü­cken wur­den die Din­ger schon oft ge­se­hen. Der Um­gang da­mit will je­doch ge­lernt sein.

Ufos, Droh­nen, flie­gen­de Spio­ne: Na­men gibt es vie­le für sie. Auch über Saar­brü­cken wur­den die auch Mul­ti­ko­pter ge­nann­ten Flug­ge­rä­te zu­letzt oft ge­sich­tet. Grund ge­nug, sich ein­mal ernst­haft mit ih­nen zu be­schäf­ti­gen.

Au­ers­ma­cher. Ein un­be­kann­tes Flug­ob­jekt über dem Haus, über dem Gar­ten, viel­leicht so­gar so na­he, dass man den Ein­druck ha­ben kann, man wird be­ob­ach­tet. Was ist das? Schwir­ren da Droh­nen der Bun­des­wehr oder von ir­gend­wel­chen Spio­na­ge­grup­pen um­her? Muss man sich be­droht oder aus­spio­niert füh­len?

In den ver­gan­ge­nen Wo­chen gin­gen bei der Po­li­zei­dienst­stel­le Brebach ver­mehrt An­ru­fe ein, die über sol­che Flugobjekte in Au­ers­ma­cher und Blies­rans­bach be­rich­te­ten. Auch über Saar­brü­cken wur­den die Droh­nen schon häu­fig ge­sich­tet. „Der Fach­aus­druck ist Mul­ti­ko­pter. Das Wort Droh­nen hö­ren wir Hob­by-Mo­dell­flie­ger über­haupt nicht gern. Das hat et­was Ver­ruch­tes und Ne­ga­ti­ves. Da­von dis­tan­zie­ren wir uns“, sagt Mar­tin Ludt aus Sit­ters­wald. Der 28-Jäh­ri­ge trifft sich re­gel­mä­ßig mit drei Freun­den auf ei­nem ge­pach­te­ten Feld in Au­ers­ma­cher, um Mo­dell­Flug­zeu­ge, He­li- oder Mul­ti­ko­pter flie­gen zu las­sen.

„Wir be­trei­ben hier ein ernst­haf­tes Hob­by, ha­ben die not­wen­di­ge Aus­rüs­tung und das Wis­sen da­zu. Es gibt kla­re Richt­li­ni­en, die man ein­hal­ten muss“, sagt Ludt und zeigt ei­ne Ver­si­cher­ten­kar­te des Deut­schen Mo­dell­flie­ger­ver­ban­des (DMFV). Oh­ne Ver­si­che­rung ge­he gar nichts. Das be­stä­tigt Carl Son­nen­schein, der Ver­band­sjus­ti­zi­ar beim DMFV.

„Ei­ne be­son­de­re Luft­fahr­tHaft­pflicht­ve­ri­sche­rung ist im­mer not­wen­dig, egal ob für die Frei­zeit oder den Sport. Ist der Mul­ti­ko­pter schwe­rer als fünf Ki­lo­gramm, braucht man ei­ne Auf­stiegs­er­laub­nis von den Luft­fahrt­be­hör­den“, er­klärt Son­nen­schein nur ei­ni­ge der Richt­li­ni­en. Im In­ter­net wer­den Droh­nen, aus­ge­stat­tet mit Vi­deo- und Fo­to­ka­me­ra be­reits für un­ter 100 Eu­ro an­ge­bo­ten. Je­der kann sich ei­nen sol­chen Ap­pa­rat zu­le­gen und ihn los­flie­gen las­sen.

„Grund­sätz­lich darf man das. Aber es gibt Rech­te und Pflich­ten die zu er­fül­len sind“, sagt Son­nen­schein und er­klärt: „Ein Mul­ti­ko­pter muss in Sicht­wei­te be­trie­ben wer­den.“

Fo­to­gra­fie­ren und Fil­men sei­en recht­lich nicht an­ders zu be­wer­ten als das Fo­to­gra­fie­ren mit ei­ner Hand­ka­me­ra. Es sei in ers­ter Li­nie das Per­sön­lich­keits­recht be­zie­hungs­wei­se das Recht am ei­ge­nen Bild der Mit­men­schen zu re­spek­tie­ren. Oh­ne ent­spre­chen­des Ein­ver­ständ­nis dür­fe man nie­man­den fo­to­gra­fie­ren oder fil­men: „Wer oh­ne Er­laub­nis Auf­nah­men in frem­den Woh­nun­gen fer­tigt, kann nach dem Straf­ge­setz­buch so­gar be­straft wer­den“, sagt der DMFV-Ver­band­sjus­ti­zi­ar.

Auch die Si­cher­heit ist beim Mul­ti­ko­pter­flie­gen ein gro­ßes The­ma. Ein Ab­sturz über Wohn­ge­bie­ten kann Men­schen ver­let­zen oder Ver­kehrs­un­fäl­le aus­lö­sen. „Dann grei­fen das Luft­fahrts­recht, das Zi­vil­recht und das Straf­recht“, sagt Son­nen­schein.

Mar­tin Ludt und sei­ne Mo­dell­flie­ger-Freun­de ken­nen Rech­te und Pflich­ten ganz ge- nau. „Es ist ein wun­der­ba­res Hob­by und kann sehr viel Spaß ma­chen. Ich ra­te je­dem da­von ab, ein­fach ei­nen Mul­ti­ko­pter zu kau­fen und drauf­los­zu­flie­gen. Das ist viel zu ge­fähr­lich.“Bei schö­nem Wet­ter sei­en er und sei­ne Freun­de fast im­mer auf dem Au­ers­ma­cher Feld. „Wer möch­te, kann ger­ne mal vor­bei­schau­en“, sagt der 28Jäh­ri­ge, ein Hob­by-Mo­dell­flie­ger mit mitt­ler­wei­le 18-jäh­ri­ger Er­fah­rung.

FO­TO: HEI­KO LEH­MANN

„Wir be­trei­ben hier ein ernst­haf­tes Hob­by“: Mar­tin Ludt mit sei­ner Droh­ne.

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