„Saar­län­di­sches Es­sen fehlt“

Der in Saar­brü­cken ge­bo­re­ne Ro­ger Her­man ist in den USA als Künst­ler er­folg­reich

Saarbruecker Zeitung - - KULTUR REGIONAL - Von SZ-Mit­ar­bei­te­rin Ni­co­le Ba­ronsky-Ott­mann

Manch­mal be­schert das In­ter­net schö­ne Über­ra­schun­gen. Wir ha­ben über die Such­ma­schi­ne Goog­le nach Men­schen ge­sucht, die in Saar­brü­cken ge­bo­ren und in al­ler Welt künst­le­risch ak­tiv sind. Und ha­ben Er­staun­li­ches ge­fun­den. In lo­ser Fol­ge stel­len wir des­halb nun in­ter­es­san­te Men­schen vor, die einst in Saar­brü­cken zu Hau­se wa­ren. Heu­te: den Kunst-Pro­fes­sor Ro­ger Her­man, der seit Jah­ren in Los An­ge­les lehrt.

Saar­brü­cken/Los An­ge­les. Ro­ger Her­man lebt seit bald 40 Jah­ren nicht mehr in Saar­brü­cken. Aber sei­ne Hei­mat­stadt hat der Kunst­pro­fes­sor der re­nom­mier­ten Uni­ver­si­ty of Ca­li­for­nia, Los An­ge­les (UCLA), bis heu­te nicht ver­ges­sen. „Ich ha­be im­mer noch Freun­de in Saar­brü­cken, auch wenn ich schon bald sie­ben Jah­re nicht mehr da war. Ich lie­be Saar­brü­cken. Und manch­mal ver­mis­se ich auch das saar­län­di­sche Es­sen“, schwärmt er am Te­le­fon und lacht. Ro­ger Her­man, Jahr­gang 1947, hat als Künst­ler ei­ne be­ein­dru­cken­de Kar­rie­re ge­macht. Er stu­dier­te Ma­le­rei an der Kunst­aka­de­mie Karls­ru­he und er­hielt nach sei­nem Ex­amen im Jahr 1977 ein be­gehr­tes Sti­pen­di­um des Deut­schen Aka­de­mi­schen Aus­tausch­diens­tes für San Fran­cis­co.

Dort hat er sich sehr für die zeit­ge­nös­si­sche, ame­ri­ka­ni­sche Ma­le­rei in­ter­es­siert und sich wei­ter­ent­wi­ckelt. 1980 zog er nach Los An­ge­les und er­hielt im Jahr 1985 sei­ne Pro­fes­sur an der UCLA. „Das ist ei­ne sehr be­deu­ten­de Kunst­hoch­schu­le in den USA“, er­zählt Ro­ger Her­man. Je­des Jahr wer­den nur sehr we­ni­ge Stu­den­ten auf­ge­nom­men, die dann al­le zehn Wo­chen ih­re Pro­fes­so­ren und ih­re Stu­di­en­schwer­punk­te wech­seln kön­nen. Da­her ist ein Stu­di­en­platz sehr be­gehrt, die At­mo­sphä­re an der Fa­kul­tät aber um­so freund­schaft­li­cher.

Da­ne­ben hat Ro­ger Her­man im­mer auch sei­ne ei­ge­ne Kunst vor­an­ge­trie­ben. Zu­erst in der Ma­le­rei, wo er schon zu Be­ginn ge­gen­ständ­lich mal­te, seit 1998 stellt er auch Ke­ra­mi­ken her. Auch wenn Ro­ger Her­man in sei­ner Ge­burts­stadt als Künst­ler nicht be­kannt ist, ist er in­ter­na­tio­nal sehr re­nom­miert. Die Welt am Sonn­tag be­zeich­ne­te ihn gera­de erst als „den wich­tigs­ten un­be­kann­ten Künst­ler der USA“.

Sei­ne Wer­ke hat er sehr oft aus­ge­stellt, in San Fran­cis­co, Los An­ge­les, Me­xi­ko Ci­ty, aber auch in Tokio oder Wi­en. Im Früh­ling erst hat­te er ei­ne Aus­stel­lung in Pa­ris, die so gut ge­lau­fen ist, dass man ihn für ei­nen Ar­beits­auf­ent­halt im nächs­ten Som­mer ein­ge­la­den hat. Was man da­her nicht ver­mu­tet, ist, dass Ro­ger Her­man erst re­la­tiv spät zur Kunst ge­fun­den hat. „Ich ha­be zwar schon als Kind ger­ne ge­bas­telt und ge­baut, aber zu­erst ha­be ich nach dem Abitur ei­ni­ge Jah­re Ju­ra stu­diert in Saar­brü- cken“er­zählt der Kunst­pro­fes­sor, und man merkt, dass er es selbst nicht mehr glau­ben kann. „Zur Kunst ge­kom­men bin ich ei­gent­lich über Ot­to La­cken­ma­cher“, be­rich­tet er. Der sei mit sei­nem On­kel be­freun­det ge­we­sen, die bei­den sei­en oft zu­sam­men spa­zie­ren ge­gan­gen. „Sei­ne Wild­heit und Ver­rückt­heit ha­ben mich sehr be­ein­druckt“. Sein nächs­ter Schritt in Rich­tung Kunst fand auch in Saar­brü­cken statt. Er lern­te Max Ne­u­mann ken­nen, heu­te re­nom­mier­ter Ma­ler in Berlin. Zu­sam­men mit Freun­den grün­de­ten sie im Jahr 1973 die „Ga­le­rie Am Ne­u­markt“. „Die Ga­le­rie war so ei­ne Mi­schung aus Kunst und Po­li­tik. Man woll­te da­mals sehr po­li­tisch sein, wir ha­ben im Kol­lek­tiv ge­ar­bei­tet und viel dis­ku­tiert. Und mei­ne Kunst war ganz gru­se­lig zu der Zeit“, er­in­nert sich Ro­ger Her­man und lacht. We­gen Max Ne­u­mann ging er auch zum Kunst­stu­di­um nach Karls­ru­he und leg­te da­mit den Grund­stein für sei­ne er­folg­rei­che Kar­rie­re, die ihn im Som­mer 2016 für ei­nen Mo­nat nach Pa­ris führt. „Und dann be­stimmt auch noch mal nach Saar­brü­cken“, be­teu­ert Ro­ger Her­man. Und lacht wie­der.

Ei­ne Ke­ra­mik des Künst­lers.

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