„Das De­kol­le­té ist oft das ‚Stief­kind‘ der Kör­per­pfle­ge.“

Saarbruecker Zeitung - - WOHLFÜHLEN - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Katharina Rols­hau­sen

Am 19. Sep­tem­ber geht der An­sturm los: Zum 182. Ok­to­ber­fest wer­den über sechs Mil­lio­nen Be­su­cher auf der Münch­ner The­re­si­en­wie­se er­war­tet. Knapp die Hälf­te ist weib­lich – und für sie ist das Dirndl ein Muss. Die bay­ri­sche Tracht be­tont nicht nur die Tail­le, son­dern auch das De­kol­le­té. „Auf der Wiesn zeigt frau ger­ne, was sie hat“heißt es auf der In­ter­net­sei­te des Ok­to­ber­fes­tes.

Die wei­ße Dirndlblu­se lässt tie­fe Ein­bli­cke zu, das Mie­der sorgt für den rich­ti­gen Sitz der Brüs­te. Doch Ach­tung: Wer es zu eng schnürt, be­kommt Längs­fal­ten am Bu­sen. Da­vor warnt auch Dr. Marion Moers-Car­pi, Der­ma­to­lo­gin mit ei­ge­ner Pra­xis in München: „So ist das auch bei BHs, die die Brüs­te zu­sam­men­schie­ben. Mit der Zeit blei­ben die­se Fur­chen be­ste­hen.“

Vie­le Pa­ti­en­tin­nen kla­gen über Fält­chen am De­kol­le­té. Die Ur­sa­che ist meist bio­lo­gisch be­dingt. „Ab dem 25. Le­bens­jahr nimmt die Kol­la­gen­pro­duk­ti­on der Haut pro Jahr et­wa um ein Pro­zent ab. Da­durch fehlt ihr das Stütz­ge­we­be“, er­klärt die Ärz­tin. Auch Son­nen­licht und Rau­chen sind Ur­sa­chen für die Haut­al­te­rung. Moers-Car­pi be­han­delt die­se mit vie­len mo­der­nen Ge­rä­ten und Me­tho­den. Als Wirk­stoff kommt oft Hyalu­ron­säu­re zum Ein­satz. Die kör­per­ei­ge­ne Sub­stanz sorgt da­für, dass die Haut Feuch­tig­keit bin­den kann. „Es gibt auch Cre­mes und Gels mit Hyalu­ron­säu­re zu kau­fen. Da­bei ist zu be­ach­ten, dass die­se mög­lichst vie­le kurz­ket­ti­ge Be­stand­tei­le hat, da die­se bes­ser ins Ge­we­be ein­drin­gen kön­nen.“Zu­dem soll­ten es Pro­duk­te oh­ne Al­ko­hol sein, da die­ser die Haut aus­trock­net.

Noch tie­fer ge­langt der Wirk­stoff mit Hil­fe von Ul­tra­schall, Druck­luft, In­jek­tio­nen oder Me­so­the­ra­pie. Bei Letz­te­rer kom­men kur­ze, fei­ne Na­deln zum Ein­satz. Da­bei wird nicht nur Hyalu­ron­säu­re in­ji­ziert, son­dern auch die Durch­blu­tung an­ge­regt. Ähn­lich ist das Prin­zip beim Derma­rol­ler. Das Ge­rät ist mit win­zi­gen Na­deln aus­ge­stat­tet, die bis zu drei Mil­li­me­ter tief in die Haut ein­drin­gen. „Das tut ein biss­chen weh und hin­ter­lässt vie­le klei­ne ro­te Pünkt­chen, die et­wa ein Tag lang zu se­hen sind“, sagt Moers-Car­pi. Der Kör­per star­te so­fort ei­nen Hei­lungs­pro­zess, der auch die Kol­la­gen­pro­duk­ti­on an­re­ge. Fünf bis sechs Sit­zun­gen sind nach An­ga­ben der Ärz­tin nö­tig. Bei Fal­ten am De­kol­le­té setzt sie auch Bo­tox ein, doch dies müs­se et­wa al­le vier Mo­na­te wie­der­holt wer­den.

Bis zu drei Jah­re hält die Wir­kung der Ther­mage an. Bei die­ser The­ra­pie sorgt Hit­ze für ei­nen so­for­ti­gen Straf­fungs­ef­fekt. Die Haut wird bei der Pro­ze­dur ge­kühlt, wäh­rend die Hit­ze in der Tie­fe wirkt. Doch auch die­se Be­hand­lung kann schmerz­haft sein. Zwar ist das end­gül­ti­ge Er­geb­nis erst nach vier bis sechs Mo­na­ten zu se­hen, aber es gibt ei­nen klei­nen So­fort-Ef­fekt. „Man kann da­mit so­fort auf die Wiesn ge­hen“, sagt Moers-Car­pi.

Für Frau­en, die ihr De­kol­le­té glät­ten wol­len, gibt es in ih­rer Pra­xis un­ter an­de­rem die Mi­kro­der­ma­bra­si­on. Da­bei wird die Haut mit ei­nem Dia­mant­schlei­fer be­han­delt. Der Ef­fekt wird auch hier durch Hyalu­ron­säu­re oder an­de­re Wirk­stof­fe ver­stärkt. Pee­lings kön­nen eben­falls für ei­ne glat­te Haut sor­gen. Für zu Hau­se gibt es vie­le Pro­duk­te im Han­del. Sie ent­hal­ten meist klei­ne Schleif­kör­per oder Frucht­säu­re in nied­ri­ger Kon­zen­tra­ti­on. „Bei der­ma­to­lo­gi­schen Kos­me­ti­ke­rin­nen und auch bei uns in der Pra­xis kom­men Pee­lings mit bis zu 70 Pro­zent Säu­re zum Ein­satz. Da­für ist al­ler­dings viel Er­fah­rung er­for­der­lich“, sagt die Haut­ärz­tin. Das gel­te auch für Pee­lings mit Tri­chlores­sig­säu­re: Da­bei wird die Haut­schicht erst weg­ge­ätzt, nach dem rund ein­wö­chi­gen Hei­lungs­pro­zess hat sie sich er­neu­ert. Doch die­se Me­tho­den setzt Moers-Car­pi nur in schwe­ren Fäl­len, wie bei star­ken Ak­nen­ar­ben, ein. Für den Haus­ge­brauch emp­fiehlt sie ei­nen Luf­fa­Hand­schuh, der un­ter der Du­sche und mit krei­sen­den Be­we­gun­gen „zum Her­zen hin“ein­ge­setzt wird. Er be­wirkt ein sanf­tes Pee­ling und regt die Durch­blu­tung an.

Doch es sind nicht nur Fal­ten, über die Frau­en kla­gen. Auch bei Fle­cken gibt es Ab­hil­fe. Sind es Al­ters­fle­cken, kommt der La­ser zum Ein­satz. Er hin­ter­lässt klei­ne

Der­ma­to­lo­gin Marion Moers-Car­pi Schürf­wun­den, die nach vier Ta­gen ab­hei­len. In die­ser Zeit ist Son­nen­schutz wich­tig. Das gilt auch bei grö­ße­ren Area­len mit Hy­per­pig­men­tie­rung, die mit ei­nem La­ser be­han­delt wer­den.

Mut­ter­ma­le am De­kol­le­té wer­den beim Haut­arzt auf ih­re Gut­ar­tig­keit über­prüft und bei Be­darf raus­ge­schnit­ten. Doch da­bei kön­nen Nar­ben ent­ste­hen. Pi­ckel am De­kol­le­té sind meist das Pro­blem jun­ger Frau­en. Des­in­fi­zie­ren und aus­drü­cken – aber mit Ge­fühl, lau­tet der Rat von Moers-Car­pi. Auch Pro­duk­te, die den Pi­ckel aus­trock­nen, kön­nen hel­fen. Wer un­ter Ak­ne lei­det, soll­te die­se vom Haut­arzt be­han­deln las­sen.

Ge­ne­rell soll­te das De­kol­le­té mehr Auf­merk­sam­keit er­hal­ten. „Es ist oft das ‚Stief­kind‘ der Kör­per­pfle­ge“, sagt die Der­ma­to­lo­gin. So wie Ge­sicht und Hals soll­te auch das De­kol­le­té mor­gens und abends mit ei­ner mil­den Lo­ti­on ge­rei­nigt wer­den: „Das beugt der Haut­al­te­rung vor und sorgt da­für, dass die Haut Pfle­ge­pro­duk­te bes­ser auf­nimmt.“Ihr wich­tigs­tes An­lie­gen: UV-Schutz. „Vie­le ver­ges­sen, dass auch das De­kol­le­té der Son­ne aus­ge­setzt ist. UVS­trah­len las­sen die Haut vor­zei­tig al­tern.“Auch Wiesn-Be­su­che­rin­nen soll­ten dar­an den­ken, denn das Ok­to­ber­fest hat an den meis­ten Ta­gen be­reits ab dem spä­ten Vor­mit­tag ge­öff­net – sie kön­nen schon tags­über mit ei­nem pracht­vol­len De­kol­le­té glän­zen. Wie tief es ist, bleibt je­dem selbst über­las­sen. Auf der Home­page heißt es: „Es soll­te noch Raum für Träu­me blei­ben, auch ein Dirndl-De­kol­le­té hat sei­ne Gren­zen.“

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