Frank­reichs Grü­ne wer­den zum „to­ten Stern“

Zwei füh­ren­de Köp­fe sa­gen sich los, die Par­tei steht vor der Spal­tung

Saarbruecker Zeitung - - STANDPUNKT - Von SZ-Kor­re­spon­den­tin Christine Lon­gin

Pa­ris. Fünf Jah­re sind ei­gent­lich kein Al­ter für ei­ne Par­tei. Doch die fran­zö­si­schen Grü­nen, die Eu­ro­pe Eco­lo­gie Les Verts (EELV), ha­ben ih­re bes­ten Zei­ten be­reits hin­ter sich. Die­se gol­de­nen Jah­re la­gen so­gar noch vor der Par­tei­grün­dung: 2009 hat­ten die Um­welt­schüt­zer un­ter Füh­rung des cha­ris­ma­ti­schen Eu­ro­pa-Po­li­ti­kers Da­ni­el Cohn-Ben­dit sat­te 16,3 Pro­zent der Stim­men bei den Eu­ro­pa­wah­len ge­won­nen. Cohn-Ben­dit war dann al­ler­dings auch der Ers­te, der sich von EELV los­sag­te und da­mit vor rund drei Jah­ren den Nie­der­gang der Grü­nen ein­lei­te­te.

Zu groß wa­ren die Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten mit dem lin­ken Par­tei­flü­gel. „Ich dach­te, wir wür­den et­was Neu­es ma­chen. Aber wir ha­ben nur Al­tes mit Neu­em ge­macht“, be­grün­de­te der „ro­te Da­ny“da­mals sei­nen Rück­zug von der Par­tei­mit­glied­schaft. Die­se Wo­che nun ta­ten es zwei pro­mi­nen­te Mit­glie­der dem 70-Jäh­ri­gen gleich: Der Ko-Frak­ti­ons­chef in der Na­tio­nal­ver­samm­lung, François de Ru­gy, und der Frak­ti­ons­chef im Se­nat, Vin­cent Pla­cé, ver­lie­ßen eben­falls die Par­tei. EELV sei ein „to­ter Stern“, sag­te Pla­cé ges­tern im Ra- dio. Der Se­na­tor kri­ti­sier­te den „lin­ken Irr­weg“, den die Par­tei­füh­rung ein­ge­schla­gen ha­be.

Die Um­welt­schüt­zer hät­ten nun genau zwei Op­tio­nen, führt der Par­tei­en-Ex­per­te Da­ni­el Boy

Die SZ- Ana­ly­se in der Zei­tung „Le Mon­de“aus: ent­we­der die Wen­de nach links oder die So­zi­al­de­mo­kra­tie. „Zwi­schen die­sen bei­den zer­rei­ßen sie sich mo­men­tan“, meint Boy. Die­se Flü­gel­kämp­fe er­in­nern leb­haft an den Rich­tungs­streit der deut­schen Fun­dis und Rea­los in den 80er Jah­ren. Al­ler­dings hat­ten die fran­zö­si­schen Grü­nen nie auch nur an­nä­hernd so viel po­li­ti­schen Ein­fluss wie ih­re deut­sche Schwes­ter­par­tei.

In der so­zia­lis­ti­schen Re­gie­rung von François Hol­lan­de war EELV knapp zwei Jah­re lang als Ju­ni­or­part­ner ver­tre­ten. Doch die Ko­ali­ti­on zer­brach im Früh­jahr 2014, als Ma­nu­el Valls Re­gie­rungs­chef wur­de. „Zu rechts“sei der neue Pre­mier­mi­nis­ter, be­fan­den die bei­den Mi­nis­ter Ce­ci­le Du­flot und Pas­cal Can­fin. Sie ver­lie­ßen die Re­gie­rung. Un­ter dem Ein­fluss von Du­flot voll­zog die Par­tei da­nach ei­nen Links­schwenk. Bei den Re­gio­nal­wah­len im De­zem­ber plant EELV nun, in min­des­tens vier der 13 Re­gio­nen ge­mein­sa­me Kan­di­da­ten mit der Link­s­par­tei auf­zu­stel­len. Ei­ne Ent­schei­dung, die die So­zia­lis­ten schwä­chen und so in man­cher Re­gi­on den rechts­po­pu­lis­ti­schen Front Na­tio­nal an die Macht brin­gen könn­te.

Der Zu­spruch zu der Öko-Par­tei, die in Gre­no­ble als ers­ter gro­ßer Kom­mu­ne Frank­reichs auch den Bür­ger­meis­ter stellt, ist in ei­ni­gen Re­gio­nen durch­aus stark. Bei den Re­gio­nal­wah­len 2010 kam EELV in der ers­ten Run­de im­mer­hin lan­des­weit auf 12,2 Pro­zent. Die Ab­trün­ni­gen Pla­cé und de Ru­gy wol­len nun mit ei­ner neu­en öko­lo­gi­schen Re­form­be­we­gung wie­der mit den So­zia­lis­ten zu­sam­men­ar­bei­ten. Die­se An­nä­he­rung er­folgt al­ler­dings nicht oh­ne Hin­ter­ge­dan­ken, denn bei­den wer­den Am­bi­tio­nen auf ein Mi­nis­ter­amt nach­ge­sagt.

FO­TO: GUYOT/AFP

Seit dem Ab­gang der Ga­li­ons­fi­gur Da­ni­el Cohn-Ben­dit schwä­chelt die jun­ge Par­tei.

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