Die Breit­band-Lü­ge

In­ter­net­zu­gän­ge sind meist lang­sa­mer als er­hofft

Saarbruecker Zeitung - - INTERNET - Von SZ-Mit­ar­bei­ter Chris­to­pher Fer­ner

Acht von zehn In­ter­ne­tzu­gän­gen sind ei­ner Stu­die zu­fol­ge lang­sa­mer, als vom An­bie­ter zu­ge­si­chert. Bei je­dem Fünf­ten ist die Surf­ge­schwin­dig­keit so­gar nur halb so hoch. Ver­brau­cher­schüt­zer for­dern des­halb, An­bie­ter stär­ker in die Pflicht zu neh­men.

Saar­brü­cken. Wenn Nut­zer ei­nen mit ho­her Ge­schwin­dig­keit be­wor­be­nen In­ter­net­zu­gang bu­chen, soll­te das Sur­fen im Web nicht in ei­ner War­te­schlei­fe en­den. Doch selbst bei zu­ge­si­cher­ter ho­her Band­brei­te kann es vor­kom­men, dass Web­sei­ten lang­sam la­den und Vi­de­os ru­ckeln. Denn die An­bie­ter ver­spre­chen kei­ne fi­xe Ge­schwin­dig­keit, son­dern in der Re­gel „bis zu“x Me­ga­bit pro Se­kun­de. Zu die­sem Er­geb­nis kommt ei­ne Stu­die der Bun­des­netz­agen­tur aus dem Jahr 2013. Die­se Da­ten wur­den im Rah­men ei­ner bun­des­wei­ten Kam­pa­gne er­mit­telt, bei der Ver­brau­cher online auf der Web­sei­te der Bun­des­netz­agen­tur mes­sen las­sen konn­ten, wie schnell ihr In­ter­net tat­säch­lich ist. Das Er­geb­nis: Nur 15,9 Pro­zent surf­ten mit der vom An­bie­ter ver­mark­te­ten oder ei­ner hö­he­ren Ge­schwin­dig­keit. 77 Pro­zent er­reich­ten nur 50 Pro­zent der zu­ge­si­cher­ten Surf-Ge­schwin­dig­keit.

„Die Netz­be­trei­ber kön­nen nie al­len Kun­den die Band­brei­te zur Ver­fü­gung stel­len, die sie be­wer­ben. Sie ge­hen da­von aus, dass nicht al­le Ver­brau­cher die vol­le Band­brei­te be­nö­ti­gen und dem­ent­spre­chend re­du­zie­ren sie ih­re Ka­pa­zi­tä­ten“, er­klärt Il­ja Braun, Re­fe­rent für Di­gi­ta­les und Me­di­en beim Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­band (vzvb). Wo 50 Me­ga­b­its pro Se­kun­de (Mbit/s) drauf­ste­hen, sind al­so nicht im­mer 50 Mbit/s drin. Beim End­kun­den kom­men zum Teil le­dig­lich 25 Mbit/s an. Zwar sei­en nicht al­le Stö­run­gen im Netz den An­bie­tern zu­zu­schrei­ben, den­noch müss­ten sie auch lie­fern, was sie ver­spre­chen, sagt der Ver­brau­cher­schüt­zer Il­ja Braun.

Wer sich jetzt fragt, ob die Ge­schwin­dig­keit des ei­ge­nen In­ter­net­zu­gangs tat­säch­lich mit der ver­trag­lich fest­ge­leg­ten über­ein­stimmt, kann auf der Web­sei­te breit­band­mes­sung.de der Bun­des­netz­agen­tur ei­nen Test durch­füh­ren. Da­für reicht ein ein­fa­cher Klick auf den Start-But­ton, der auf der Start­sei­te er­scheint. Soll­te die Ge­schwin­dig­keit tat­säch­lich per­ma­nent ab­wei­chen, sind Ver­brau­cher nicht voll­kom­men macht­los. Wer we­ni­ger als die zu­ge­si­cher­te Surf­ge­schwin­dig­keit hat, ha­be gu­te Chan­cen, da­für vom An­bie­ter ent­schä­digt zu wer­den, sagt Braun. „Das kann zum Bei­spiel in Form ei­nes Wech­sels in ei­nen güns­ti­ge­ren Ta­rif ge­sche­hen“, sagt Braun. Doch die An­bie­ter sind durch die „bis-zu“-An­ga­be und die Klau­seln in ih­ren Ge­schäfts­be­din­gun­gen meist recht­lich ab­ge­si­chert. „Wir for­dern des­halb, dass die Breit­band­mes­sung zer­ti­fi­ziert wer­den muss als ein Über­wa­chungs­me­cha­nis­mus im Sin­ne der EU-Ver­ord­nung“, sagt Braun. Nut­zern sol­le bei dau­er­haf­ten Stö­run­gen ein pau­scha­li­sier­ter Scha­dens­er­satz zu­ste­hen.

Die da­zu ge­plan­te Ver­ord­nung der Eu­ro­päi­schen Uni­on soll im April 2016 in Kraft tre­ten. In ihr ist ein Recht auf Ent­schä­di­gung ent­hal­ten, soll­te die In­ter­net­ge­schwin­dig­keit von der ver­trag­lich fest­ge­leg­ten stark ab­wei­chen. Wie und in wel­cher Hö­he die­se aus­fal­len soll, steht je­doch noch nicht fest.

Um die Surf-Ge­schwin­dig­keit zu er­hö­hen, kön­nen Nut­zer in­ter­ne Stör­fak­to­ren aus­schal­ten. Statt über das WLAN-Netz zu sur­fen, kann es hel­fen, das LAN-Ka­bel di­rekt an den PC an­zu­schlie­ßen. In man­chen Fäl­len er­höht es die In­ter­net­leis­tung, wenn bei ei­ner WLAN-Ver­bin­dung der Rou­ter an ei­nem an­de­ren Ort auf­ge­stellt wird. Da­mit kön­nen die Sym­pto­me al­ler­dings meist nur ver­rin­gert wer­den.

breit­band­mes­sung.de

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