Wenn Pa­ti­en­ten ge­zielt durch­ge­schüt­telt wer­den

GLOSSE

Saarbruecker Zeitung - - STANDPUNKT - VON PIA ROLFS

Ge­le­gent­lich glaubt der Mensch, dass sich das Leben pla­nen lie­ße. Das ist al­ler­dings ein Irr­tum, der glück­li­cher­wei­se leicht kor­ri­giert wer­den kann. Und zwar im Kran­ken­haus. Denn dort­hin kommt er oft un­ge­plant – ei­ne ers­te Übung dar­in, al­le Pla­nung los­zu­las­sen. Und ein­mal auf­ge­nom­men, wird er stän­dig mit Über­ra­schun­gen kon­fron­tiert: Er war­tet auf Be­hand­lun­gen, die nicht er­fol­gen. Oder wird dort be­han­delt, wo er es nie ver­mu­te­te. Ent­we­der ge­schieht nichts – oder al­les gleich­zei­tig. Und da­für wird so­gar das Raum-Zeit-Kon­ti­nu­um of­fen­bar au­ßer Kraft ge­setzt. Soll der Pa­ti­ent doch zum Bei­spiel zum sel­ben Zeit­punkt in der Phy­sio­the­ra­pie sein und beim Rönt­gen.

Un­wis­sen­de könn­ten dar­aus fol­gern, dass im Kran­ken­haus ei­ne Hand nicht weiß, was die an­de­re tut. Rich­tig ist aber, dass der Pa­ti­ent ge­zielt lo­gisch durch­ge­schüt­telt wird, da­mit er sich in sein Schick­sal fügt – oder in ir­gend­ei­nes, das ge­ra­de frei ist. Dann fühlt er sich am En­de nach sei­ner Ent­las­sung näm­lich pu­del­wohl. Nur weil er drau­ßen ist.

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