PRESSESCHAU

Saarbruecker Zeitung - - STANDPUNKT -

Zur Af­fä­re um Frank­reichs kon­ser­va­ti­ven Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten François Fil­lon meint die „FAZ“: Fil­lons Op­fer­sti­li­sie­rung wirkt pein­lich. Der gan­ze Vor­wahl­auf­wand der „Re­pu­bli­ka­ner“scheint für die Katz ge­we­sen zu sein, der Auf­wind nach der No­mi­nie­rung ist da­hin. In Um­fra­gen kommt Fil­lon nur auf den drit­ten Platz (…), wäh­rend die An­füh­re­rin des Front Na­tio­nal, Le Pen, und der ehe­ma­li­ge Wirt­schafts­mi­nis­ter Ma­cron in die Stich­wahl ein­zie­hen wür­den. Wel­ches Bild gibt die fran­zö­si­sche Po­li­tik ab: die So­zia­lis­ten ge­spal­ten, die bür­ger­li­che Rech­te von Kor­rup­ti­ons­vor­wür­fen zu­rück­ge­wor­fen und die Rechts­po­pu­lis­ten als „sta­bi­le“Kraft, die sich be­stä­tigt sieht.

Die „Welt“(Ber­lin) sieht kaum noch Chan­cen für Kan­di­da­ten Fil­lon: Ge­ra­de für ihn, den ver­meint­li­chen Eh­ren­mann und Mora­lis­ten, der sich bewusst als streng ka­tho­li­scher Ge­gen­ent­wurf zu den af­fä­ren­ge­plag­ten Ni­co­las Sar­ko­zy und Alain Jup­pé prä­sen­tiert hat­te, sind die Vor­wür­fe fa­tal. Wie soll ein Kon­ser­va­ti­ver, der har­te Re­for­men in der So­zi­al­ver­sor­gung for­dert, in Zei­ten von Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit und wirt­schaft­li­chem Still­stand er­folg­reich Wahl­kampf ge­gen lin­ke und rech­te Po­pu­lis­ten füh­ren, wenn er zu­gleich Vor­wür­fe nicht ent­kräf­ten kann, sei­ne Frau sei für „fik­ti­ve Be­schäf­ti­gun­gen“üp­pig und auf Kos­ten des Staa­tes be­zahlt wor­den?

Für die Pa­ri­ser „Li­bé­ra­ti­on“be­fin­det sich Fil­lon be­reits im frei­en Fall: Die An­hän­ger Fil­lons hof­fen, dass die Af­fä­re sich man­gels Be­wei­sen tot­läuft. (...) Aber der Scha­den ist be­reits an­ge­rich­tet: Drei Vier­tel der Fran­zo­sen glau­ben nicht an die Ver­si­on Fil­lons. Die Un­ter­su­chun­gen von Wahl­for­schern zei­gen, dass sei­ne Zu­stim­mungs­wer­te deut­lich sin­ken. Noch vier oder fünf Um­fra­gen in die­se Rich­tung, und die Un­ru­he wird der Pa­nik Platz ma­chen. Man wird fest­stel­len, dass Fil­lon kein Trumpf ist, son­dern ein Hin­der­nis.

Die „Lü­be­cker Nachrichten“schrei­ben zu Mer­kels Tür­kei-Be­such: Mer­kels Be­such in Ankara ist kein Kotau vor Er­do­gan (…), son­dern Aus­druck bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­ses. Wä­re de­mo­kra­ti­sche Voll­kom­men­heit Be­din­gung für Aus­lands­be­su­che, wür­de der Re­gie­rungs­flie­ger in Ber­lin sel­ten ab­he­ben. Aber die Welt ist, wie sie ist: reich an po­li­tisch wie mo­ra­lisch höchst frag­wür­di­gen Staa­ten­len­kern. Ih­nen das Ge­spräch zu ver­wei­gern, mag die ei­ge­ne In­te­gri­tät un­ter Be­weis stel­len und ein gu­tes Ge­fühl ver­mit­teln. Bes­ser wird da­durch aber nichts.

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