Der Weg zum Br­ex­it ist be­rei­tet

Die Prä­sen­ta­ti­on des „Weiß­buchs“von Pre­mier­mi­nis­te­rin May im Par­la­ment ent­puppt sich für die Op­po­si­ti­on als Ent­täu­schung.

Saarbruecker Zeitung - - POLITIK - VON SIL­VIA KUSIDLO

LON­DON (dpa) Der bri­ti­sche Br­ex­itMi­nis­ter Da­vid Da­vis hat den mit Span­nung er­war­te­ten Stra­te­gie­plan der Re­gie­rung zum Aus­stieg aus der EU vor­ge­stellt und schar­fe Kri­tik ein­ste­cken müs­sen. In der Re­de des Mi­nis­ters vor dem Par­la­ment in Lon­don gab es aus Sicht der Op­po­si­ti­on kei­ne we­sent­li­chen neu­en Punk­te. Da­vis be­stä­tig­te in sei­ner Er­klä­rung ges­tern den Aus­stieg aus dem eu­ro­päi­schen Bin­nen­markt und aus der Zoll­uni­on – auch letz­te­res war be­reits durch­ge­si­ckert.

Der La­bour-Ab­ge­ord­ne­te Keir St­ar­mer war em­pört: „Die­se Stel­lung­nah­me sagt gar nichts aus!“. Ste­phen Ge­thins von der Schot­ti­schen Na­tio­nal­par­tei be­zeich­ne­te es als be­fremd­lich, dass das so­ge­nann­te Weiß­buch erst nach der ers­ten Ab­stim­mung über das Br­ex­it-Ge­setz prä­sen­tiert wor­den sei und nichts Neu­es ent­hal­te. „Das ist ei­ne Saue­rei.“

Die gleich­zei­tig ver­öf­fent­lich­te 77 Sei­ten um­fas­sen­de Do­ku­men­ta­ti­on han­gel­te sich an der Grund­satz­re­de ent­lang, die Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May Mit­te Ja­nu­ar in Lon­don ge­hal­ten hat­te. Da­mals kün­dig­te May ei­nen „har­ten Br­ex­it“an: Sie will Groß­bri­tan­ni­en auch aus dem eu­ro­päi­schen Bin­nen­markt füh­ren. Sie ver­sprach auf Druck der Op­po­si­ti­on und von Kri­ti­kern in den ei­ge­nen Rei­hen, ih­re Ver­hand­lungs­stra­te­gie noch ge­nau­er in dem Weiß­buch zu um­rei­ßen. In sei­ner Re­de sprach Da­vis von ei­ner „po­si­ti­ven Part­ner­schaft zwi­schen Groß­bri­tan­ni­en und der Eu­ro­päi­schen Uni­on“. Er be­ton­te un­ter an­de­rem, dass sein Land die Zahl der Men­schen kon­trol­lie­ren müs­se, die aus an­de­ren EU-Staa­ten kom­men, blieb aber auch hier un­kon­kret.

Nach EU-Sta­tis­ti­ken leben der­zeit knapp drei Mil­lio­nen EU-Aus­län­der in Groß­bri­tan­ni­en. Die größ­te Grup­pe stel­len die Po­len; Schät­zun­gen zu­fol­ge leben et­wa 870 000 in Groß­bri­tan­ni­en. Et­wa ei­ne Mil­li­on bri­ti­scher Staats­bür­ger leben in an­de­ren Staa­ten.

May konn­te am Abend zu­vor im Par­la­ment ei­nen über­ra­schend deut­li­chen Er­folg ver­bu­chen. Die gro­ße Mehr­heit (498 zu 114) der Ab­ge­ord­ne­ten im Un­ter­haus stimm­te dem Br­ex­it-Ge­setz­ent­wurf nach ei­ner zwei­tä­gi­gen De­bat­te zu. Ge­gen die Vor­la­ge hat­ten un­ter an­de­rem Dut­zen­de La­bourAb­ge­ord­ne­te und die Schot­ti­sche Na­tio­nal­par­tei vo­tiert. Schott­land hat­te sich bei dem Re­fe­ren­dum vor mehr als sie­ben Mo­na­ten mit 62 Pro­zent für den Ver­bleib in der EU aus­ge­spro­chen.

Das war je­doch nur die ers­te Hür­de für das Br­ex­it-Ge­setz. Die ent­schei­den­de Ab­stim­mung wird am kom­men­den Mitt­woch er­war­tet. Da­nach kommt der Ent­wurf ins Ober­haus. Er soll bis zum 7. März bei­de Kam­mern des Par­la­ments pas­sie­ren.

Erst kürz­lich hat­te das höchs­te bri­ti­sche Ge­richt ent­schie­den, dass das Par­la­ment das letz­te Wort über die Aus­tritts­er­klä­rung ha­ben muss. May will sich mit dem Br­ex­it-Ge­setz von den Ab­ge­ord­ne­ten die Voll­macht für den Schei­dungs­an­trag von der Eu­ro­päi­schen Uni­on ge­ben las­sen. In dem sehr kur­zen Ge­setz­ent­wurf heißt es: „Die Pre­mier­mi­nis­te­rin darf die Ab­sicht des Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reichs zum Aus­tritt aus der EU, ge­mäß Ar­ti­kel 50 des Ver­trags über die Eu­ro­päi­sche Uni­on, be­kannt ge­ben.“

Bis spä­tes­tens En­de März will die Pre­mier­mi­nis­te­rin die In­sti­tu­tio­nen in Brüs­sel über den Aus­tritts­wunsch ih­res Lan­des of­fi­zi­ell in­for­mie­ren. Mög­li­cher­wei­se ge­schieht dies aber so­gar noch frü­her. Me­dien­be­rich­ten zu­fol­ge könn­te sie da­für ei­nen EU-Gip­fel in Brüs­sel am 9. und 10. März nut­zen. Erst da­nach kön­nen dann die Ver­hand­lun­gen über den Aus­tritt aus der Eu­ro­päi­schen Uni­on be­gin­nen.

FO­TO: WIRE/DPA

Die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May muss­te sich im Par­la­ment je­de Men­ge Kri­tik an­hö­ren.

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