But­ter­weg­ge ge­gen Hy­per­rei­che

Lin­ker Bun­des­prä­si­den­ten­kan­di­dat er­freut 350 Zu­hö­rer in Saarbrücken.

Saarbruecker Zeitung - - LANDESPOLITIK - VON DIETMAR KLOSTERMANN

SAARBRÜCKEN Vie­le der et­wa 350 Be­su­cher im prop­pen­vol­len Saar­brü­cker Schloss­fest­saal ha­ben am Mitt­woch­abend ste­hen müs­sen, die bei­den Be­am­ten des Bun­des­kri­mi­nal­am­tes mach­ten ih­re re­ser­vier­ten Plät­ze frei für äl­te­re Bür­ger, die die Re­de von Chris­toph But­ter­weg­ge hö­ren woll­ten. Der 66-jäh­ri­ge eme­ri­tier­te Po­li­ti­kPro­fes­sor aus Köln er­klär­te in sei­ner gut halb­stün­di­gen An­spra­che, war­um er ge­gen sei­nen Ex-Ge­nos­sen Frank-Wal­ter St­ein­mei­er (SPD) an­tritt, um Bun­des­prä­si­dent zu wer­den. „Es geht mir um die so­zia­le Fra­ge, die zu­neh­men­de Spal­tung der Ge­sell­schaft in Arm und Reich“, sag­te But­ter­weg­ge, der nach sei­ner Re­de gleich zum Bahn­hof eil­te, um noch abends den 14 Mo­na­te al­ten Sohn zu se­hen, wie Links­frak­ti­ons­chef Os­kar La­fon­tai­ne des­sen frü­hen Ab­gang ent­schul­dig­te. But­ter­weg­ge, einst ge­mein­sam mit dem spä­te­ren Agen­da-Kanz­ler Ger­hard Schrö­der (SPD) bei den Ju­sos ak­tiv, ist sei­ner Li­nie treu ge­blie­ben. Er gei­ßel­te die Fa­mi­lie Quandt/Klat­ten, die al­lein durch ih­re BMW-An­tei­le ei­ne Jah­res-Di­vi­den­de von 994 Mil­lio­nen Eu­ro er­zie­le. „Das sind kei­ne Su­per­rei­chen, das hört sich zu po­si­tiv an. Das sind Hy­per­rei­che“, be­ton­te But­ter­weg­ge. Die­se Hy­per­rei­chen stün­den in kei­nem Ar­muts- und Reichs­tums­be­richt der Bun­des­re­gie­rung. Und die Quandts, Klat­tens, Al­brechts (Al­di) und wei­te­re wür­den als „Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mer“ver­nied­licht, in Russ­land hie­ßen die­se hy­per­rei­chen Mil­li­ar­dä­re „Olig­ar­chen“.

Der Ap­plaus der Zu­hö­rer so­wie von Sah­ra Wa­genk­necht, Links­frak­ti­ons­che­fin im Bun­des­tag und ih­res Gat­ten La­fon­tai­ne auf dem Po­di­um war ihm si­cher. But­ter­weg­ge sag­te, dass die Po­li­tik des Neo­li­be­ra­lis­mus der Schrö­de­r­und Mer­kel-Re­gie­run­gen mit der Ver­ar­mung brei­ter Ar­beit­neh­mer­schich­ten und der Rent­ner, so­wie der durch die­se Po­li­tik er­zeug­ten Ab­stiegs­angst der Mit­tel­schich­ten den Auf­stieg der rechts­po­pu­lis­ti­schen AfD erst be­güns­tigt ha­be.

Wa­genk­necht ver­wies auf das ös­ter­rei­chi­sche Ren­ten­sys­tem, das im Schnitt 800 Eu­ro mehr im Mo­nat für je­den Rent­ner brin­ge. Ju­bel ern­te­te La­fon­tai­ne, der rief: „War­um gibt es kei­ne Auf­stän­de da­ge­gen?“Die Men­schen setz­ten sich heu­te zu we­nig zur Wehr.

FO­TO: DPA

Chris­toph But­ter­weg­ge

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