Die Kunst zieht in die Werk­statt

Am 28. April wird die elf­te Lan­des­kunst­aus­stel­lung „SaarArt“er­öff­net. Ku­ra­to­rin Cor­ne­lie­ke La­ger­waard hat da­zu auch vie­le jun­ge Künst­ler ein­ge­la­den. Ei­ne Werk­statt­hal­le in Bur­bach er­setzt die feh­len­den Aus­stel­lungs­flä­chen des Saar­land­mu­se­ums.

Saarbruecker Zeitung - - KULTUR - VON ESTHER BREN­NER

SAARBRÜCKEN. „Er­staun­lich le­ben­dig“, fin­det Cor­ne­lie­ke La­ger­waard die Kunst­sze­ne an der Saar. Über 60 Ate­lier­be­su­che im gan­zen Land hat sie be­reits ge­macht, um ei­ne Aus­wahl für die Schau zu tref­fen und ins Ge­spräch zu kom­men mit den Künst­lern im Land. „Ich bin ge­zielt auf die Su­che ge­gan­gen“, er­zählt sie. Ei­ni­ge Ar­bei­ten hat sie da­bei gleich in den Ate­liers aus­ge­wählt, an­de­re wer­den ei­gens für die „SaarArt" ent­ste­hen. Zu­dem wird La­ger­waard den krea­ti­ven Out­put der Hoch­schu­le der Bil­den­den Küns­te Saar (HBK) nut­zen. Dort hat sie meh­re­re Künst­le­rin­nen und Künst­ler re­kru­tiert, auch ei­ni­ge HBK-Pro­fes­so­ren zei­gen Ar­bei­ten – dar­un­ter nicht nur klas­si­sche Ma­le­rei, son­dern auch „jun­ge Kunst“in Form von In­stal­la­tio­nen, Per­for­man­ces und Klang­kunst. „Ich will spie­geln, was ak­tu­ell los ist in der hie­si­gen Kunst­sze­ne“, um­fasst sie ih­ren Auf­trag. Ges­tern stell­te sie mit Kul­tur­mi­nis­ter Ul­rich Com­mer­çon (SPD) ihr Kon­zept und den neu­en Aus­stel­lungs­ort vor.

Der freu­te sich, dass er das Bud­get für die Schau um rund 60 000 Eu­ro auf 270 000 Eu­ro stei­gern konn­te im Ver­gleich zur SaarArt 2013. Und auch Saar-To­to wird 50 000 Eu­ro zu­schie­ßen, 30 000 Eu­ro mehr als vor vier Jah­ren. Das ist auch nö­tig, schließ­lich kos­tet die tem­po­rä­re mu­sea­le Er­schlie­ßung des neu­en Haupt­stand­or­tes für die Schau zu­sätz­li­ches Geld.

La­ger­waard, seit 1988 Lei­te­rin des Mu­se­ums St. Wen­del, ar­bei­tet für die­se „SaarArt“un­ter er­schwer­ten Be­din­gun­gen: Durch die bau­be­ding­te Schlie­ßung des Saar­land­mu­se­ums fiel die größ­te

Aus­stel­lungs­flä­che weg. Doch sie hat (mit­hil­fe der Saar­brü­cker GIU) ei­nen span­nen­den Er­satz ge­fun­den: Die gro­ße Back­stein-Hal­le aus den 30er Jah­ren auf dem Ge­län­de des ehe­ma­li­gen Bahn-Aus­bes­se­rungs­wer­kes in Bur­bach, ehe­mals ei­ne Lehr­werk­statt, wird zur­zeit mit L-för­mi­gen, drei Me­ter ho­hen Wän­den aus­ge­stat­tet. Bei der Aus­stel­lungs­kon­zep­ti­on hat das an der HBK an­ge­sie­del­te K 8In­sti­tut für stra­te­gi­sche Äs­t­he­tik mit­ge­wirkt, das sich bei­spiels­wei­se auch um die hoch­kom­ple­xen Brand­schutz­re­geln küm­mer­te. Rund 30 Po­si­tio­nen wer­den in der Hal­le auf gut 1400 Qua­drat­me­tern zu se­hen sein.

La­ger­waard führ­te bei ei­nem Orts­ter­min mit un­se­rer Zei­tung ver­gan­ge­ne Wo­che be­geis­tert durch die gro­ße, licht­durch­flu­te­te Hal­le, de­ren Räu­me im hin­te­ren Be­reich sich be­son­ders für Rau­mund Vi­deo­in­stal­la­tio­nen eig­nen, aber auch das Kin­der-Ate­lier be­her­ber­gen wer­den. Auf Kunst­ver­mitt­lung le­gen La­ger­waard und Com­mer­çon ge­stei­ger­ten Wert. So sol­len mög­lichst vie­le Schü­ler Ge­le­gen­heit ha­ben, die Schau zu be­su­chen und sie spie­le­risch – un­ter Ein­be­zie­hung di­gi­ta­ler Me­di­en und Smart-Pho­nes – zu er­kun­den. Für den Trans­port per Bus kommt ein Spon­sor auf, teil­te La­ger­waard mit.

Wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wird die SaarArt bis 2. Ju­li an meh­re­ren Stand­or­ten ge­zeigt. Mit da­bei sind die Städ­ti­sche Ga­le­rie Neun­kir­chen, das Mu­se­um St. Wen­del, das Mu­se­um Lud­wig und das For­schungs­zen­trum für Künst­ler­nach­läs­se in Saar­lou­is, der In­nen­hof der Stadt­ga­le­rie Saarbrücken (Licht­in­stal­la­tio­nen), die Schloss­kir­che und das Saar­län­di­sche Künst­ler­haus in Saarbrücken, die Völk­lin­ger Hüt­te, aber auch die Saar­län­di­sche Ga­le­rie in Ber­lin, wo sich zwei jun­ge Künst­ler prä­sen­tie­ren. Im Ku­Ba Kul­tur­zen­trum am Eu­ro­bahn­hof wird ein Groß­teil des Be­gleit­pro­gram­mes lau­fen. Das Mu­se­um Schloss Fel­len­berg zeigt sechs Po­si­tio­nen, dar­un­ter das Werk des Bild­hau­ers Paul Schnei­der, der zu sei­nem 90. Ge­burts­tag am 5. Mai dort mit ei­nem Emp­fang ge­ehrt wird. Ge­plant ist auch Klang­kunst in der Sen­de­hal­le in Fels­berg.

„Es wird ei­ne Lan­des­kunst­schau an un­ge­wöhn­li­chen Or­ten“, freut sich La­ger­waard. Ge­spannt sein darf man auf die Öff­nung des seit Jah­ren ge­schlos­se­nen Pin­gus­son-Baus. Des­sen Erd­ge­schoss soll be­spielt wer­den mit Per­for­mance-Kunst aus der HBKSchmie­de der Pro­fes­so­ren Ge­org Win­ter und Eric Lanz, ent­wi­ckelt in ei­nem Pro­jekt mit Stu­die­ren­den. La­ger­waard nimmt auch die Ar­bei­ten von Co­mic­zeich­nern aus der Re­gi­on mit auf so­wie Po­si­tio­nen der Ur­ban Art, die mitt­ler­wei­le im Saar­land fest ver­an­kert ist. „Ei­ni­ge der Künst­ler und Künst­le­rin­nen, die wir zei­gen wer­den, stu­die­ren noch“, er­zählt sie. Ins­ge­samt hat sie 92 Po­si­tio­nen aus­ge­wählt.

„Mir ist wich­tig, dass die ver­schie­de­nen Ausstellungen in sich funk­tio­nie­ren“, sagt die Ku­ra­to­rin. Zwar ha­be sie auf ex­pli­zi­te The­men­set­zun­gen ver­zich­tet, den­noch exis­tie­re ei­ne Ord­nung aus the­ma­ti­schen Be­zü­gen der zu­sam­men­ge­stell­ten Wer­ke un­ter­ein­an­der, die der Be­trach­ter auch er­ken­nen kön­ne.

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