Das At­ten­tat auf den „Schläch­ter von Prag”

Der Film „Ope­ra­ti­on An­thro­po­id“, der auf DVD er­scheint, er­zählt vom An­schlag auf SS-Mann Rein­hard Heyd­rich im Jahr 1942.

Saarbruecker Zeitung - - KULTUR - VON TO­BI­AS KESSLER

SAARBRÜCKEN Am 27. Mai 1942 wird Rein­hard Heyd­rich, der „Schläch­ter von Prag“und füh­ren­de Or­ga­ni­sa­tor des Ho­lo­caust, bei ei­nem An­schlag in Prag schwer ver­letzt. Acht Ta­ge spä­ter stirbt er, zu­gleich spürt das NSRe­gime die At­ten­tä­ter, tsche­chi­sche Wi­der­stands­kämp­fer, in ei­ner Kir­che auf. Dem An­griff deut­scher Sol­da­ten hal­ten die Män­ner dort ei­ni­ge St­un­den stand, be­vor sich die letz­ten vier das Leben neh­men. Die Ge­schich­te die­ses An­schlags, den die tsche­chi­sche Exil­re­gie­rung in Lon­don un­ter dem Ope­ra­ti­ons­na­men „An­thro­po­id“ge­plant hat­te, er­zähl­te Re­gis­seur Le­wis Gil­bert 1975 im heu­te fast ver­ges­se­nen Film „Ope­ra­ti­on Day­break“.

Nun hat sich sein Kol­le­ge Se­an El­lis der his­to­ri­schen Epi­so­de ge­wid­met, lan­ge re­cher­chiert und in Prag ge­dreht. Sein Film „Ope­ra­ti­on An­thro­po­id“(DVD von Uni­ver­sum Film), ist pa­ckend – wenn auch nicht durch­weg. So vir­tu­os span­nend wie et­wa Bryan Sin­ger im St­auf­fen­berg-Film „Ope­ra­ti­on Wal­kü­re“er­zählt El­lis nicht; er lässt sei­ne Haupt­fi­gu­ren et­was un­mo­ti­vier­te Roman­zen er­le­ben und ver­zet­telt sich in der Vor­be­rei­tungs­pha­se des At­ten­tats. In­ter­es­san­ter sind da die Span­nun­gen un­ter den Wi­der­stands­kämp­fern, von de­nen man­che am Sinn des At­ten­tats zwei­feln, weil sie die Ra­che der Na­zis fürch­ten, zu Recht: Nach dem Tod Heyd­richs lösch­ten die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten gan­ze Dör­fer aus.

Man­che Län­gen hat der Film, gleich­zei­tig ver­stört er durch ei­ne Fol­ter- und ei­ne Selbst­mord­sze­ne, die schwer zu er­tra­gen sind. Dann wie­der nimmt er sich ei­ni­ge Wir­kung durch ver­brauch­te Kli­schees: Ei­ne Fi­gur, die an­fangs mit gro­ßer Angst kämpft, wächst im ac­tion­las­ti­gen Fi­na­le über sich hin­aus. Und wohl in kei­nem Kriegs­film seit den 60er Jah­ren hat man so vie­le deut­sche Sol­da­ten un­ent­wegt „Los Los!“und „Schnell Schnell!“schrei­en hö­ren.

Se­hens­wert ist der Film den­noch, nicht zu­letzt durch Cil­li­an Mur­phy, der ei­nen der At­ten­tä­ter spielt: nicht als glü­hen­den, mit­rei­ßen­den Idea­lis­ten, son­dern als grim­mi­gen, ent­schlos­se­nen Mann, der ahnt, dass er nicht mit dem Leben da­von­kom­men wird. .............................................

FO­TO: UNI­VER­SUM

Cil­li­an Mur­phy als Wi­der­stands­kämp­fer Jo­sef Gab­cik.

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