Mehr Frei­heit für An­dro­id-Smart­pho­nes

An­dro­id-Ge­rä­te wer­den mit ein paar Knif­fen zu of­fe­ne­ren Sys­te­men. Der so­ge­nann­te Root-Zu­gang gibt Nut­zern vie­le Rech­te, birgt aber auch Ri­si­ken.

Saarbruecker Zeitung - - INTERNET - VON BEN­JA­MIN KRÜ­GER

BER­LIN Wer das Smart­pho­ne an der Wur­zel pa­cken kann, wird zum Su­peru­ser. So wer­den Nut­zer ge­nannt, die Zu­griff auf das so­ge­nann­te „Root“-Kon­to ei­nes Be­triebs­sys­tems ha­ben. Der Be­griff Root kommt aus der Welt der Groß­rech­ner.

Smart­pho­nes mit dem Be­triebs­sys­tem An­dro­id wer­den meist mit ei­nem vom Her­stel­ler an­ge­pass­ten Be­triebs­sys­tem aus­ge­lie­fert. Das er­laubt mal mehr und mal we­ni­ger Op­tio­nen, was Aus­se­hen und Funk­ti­on an­geht. Doch wer gern mehr Kon­trol­le über sein Ge­rät ha­ben will, hat auch bei An­dro­id die Mög­lich­keit, per „Root“selbst zum Sys­tem-Ad­mi­nis­tra­tor mit weit­rei­chen­der Kon­trol­le zu wer­den. Mit dem Root-Zu­griff lässt sich et­wa das kom­plet­te An­dro­id-Sys­tem si­chern, er­klärt Han­nes Cze­rul­la vom Fach­ma­ga­zin c’t. Ähn­lich wie bei App­les iOS kön­nen so al­le Da­ten und Ein­stel­lun­gen und auch gan­ze Apps ge­si­chert wer­den, da­mit sie im Not­fall wie­der zur Ver­fü­gung ste­hen.

Im Root-Kon­to gibt es auch um­fang­rei­che Ein­stel­lun­gen zum Rech­te­ma­nage­ment. Et­wa, ob ei­ne App die Kon­takt­lis­te le­sen kann oder an­de­re per­sön­li­che Da­ten ein­se­hen darf. Cze­rul­la rät hier aber zur Vor­sicht. Ge­währt der Nut­zer ei­ner App mehr Rech­te, als sie ei­gent­lich ha­ben soll­te, ist die Si­cher­heit der ei­ge­nen Da­ten auf dem Ge­rät ge­fähr­det. „Apps soll­ten nur die Zu­griffs­rech­te er­hal­ten, die sie un­be­dingt brau­chen.“Wer­den ei­ner App an­ders­her­um zu we­nig Rech­te ge­währt, funk­tio­niert sie mög­li­cher­wei­se nicht mehr rich­tig.

Die­ses Pro­blem lässt sich al­ler­dings mit dem An­dro­id-Pro­gramm SRT App­guard um­ge­hen (ba­ckes-srt.com). Es wur­de vom Saar­brü­cker Pro­fes­sor für In­for­ma­ti­ons­si­cher­heit Micha­el Ba­ckes ent­wi­ckelt. Mit ihr kann der Nut­zer ge­nau se­hen, wel­che Da­ten al­le in­stal­lier­ten Apps sam­meln. Soll­te dann zu er­ken­nen sein, dass ein Chat-Pro­gramm zum Bei­spiel Te­le­fon­da­ten auf­zeich­net, kann der Nut­zer die­se Funk­ti­on ein­fach un­ter­bin­den.

Aber wie funk­tio­niert nun die­ses so­ge­nann­te Roo­ten? Je nach Ge­rät und in­stal­lier­ter An­dro­idVer­si­on ziem­lich un­ter­schied­lich. De­tail­lier­te An­lei­tun­gen gibt es im Netz zum Bei­spiel bei pcwelt.de. Wich­tig: Vor dem Roo­ten soll­ten un­be­dingt al­le Da­ten ge­si­chert wer­den. PC Welt rät et­wa zur Soft­ware „MyPho­neEx­plo­rer“oder den Back­up-Lö­sun­gen der Her­stel­ler.

Das Roo­ten selbst fin­det meist durch die In­stal­la­ti­on und Aus­füh­rung ei­nes An­dro­id-Pro­gramm­pa­ke­tes, ei­ner so­ge­nann­ten APKDa­tei, statt. An­de­re We­ge funk­tio­nie­ren über ei­ne Ka­bel­ver­bin­dung zum Com­pu­ter. Han­nes Cze­rul­la warnt aber vor Apps, die mit ei­nem au­to­ma­ti­schen Root-Vor­gang wer­ben: „1-Click-Roo­tin­gApps ver­spre­chen ei­ne be­que­me Lö­sung, könn­ten aber ver­su­chen, den Nut­zer auf un­se­riö­se Sei­ten zu lo­cken oder selbst Da­ten ab­zu­grei­fen.“

Ist der Vor­gang ab­ge­schlos­sen, soll­te ge­prüft wer­den, ob al­les kor­rekt funk­tio­niert hat. Da­bei hel­fen Apps wie Root Check oder Root Che­cker aus dem Goog­le Play Sto­re. Im Er­folgs­fall sind Nut­zer nun mit Ad­mi­nis­tra­tor­rech­ten aus­ge­stat­tet.

Ist ein Smart­pho­ne ge­roo­tet, ist auch der Weg für ein an­de­res Be­triebs­sys­tem frei. Die­se frei­en Spei­cher ver­spre­chen zum Bei­spiel mehr Frei­hei­ten für den Nut­zer, ein schnel­le­res Ge­rät und län­ge­re Ak­ku­lauf­zei­ten. Weil bei der In­stal­la­ti­on Smart­pho­nes ge­le­gent­lich den Di­enst ein­stel­len, ist der Wech­sel des Be­triebs­sys­tems al­ler­dings nur et­was für er­fah­re­ne­re Nut­zer. Die Ex­per­ten ra­ten, die In­stal­la­ti­on erst ein­mal auf ei­nem äl­te­ren Ge­rät zu tes­ten.

Ob man nun nur Ad­mi­nis­tra­tor­rech­te er­langt oder das Be­triebs­sys­tem wech­selt: Nut­zer müs­sen im­mer im Hin­ter­kopf be­hal­ten, dass es ein Ein­griff in das Sys­tem ist, der von den Her­stel­lern nicht ge­wollt ist. Im Scha­dens­fall kann der Her­stel­ler die Ga­ran­tie ver­wei­gern, wenn sich nicht aus­schlie­ßen lässt, dass die Ma­ni­pu­la­ti­on am Be­triebs­sys­tem mit dem Scha­den zu tun ha­ben könn­te. Die Ge­währ­leis­tung ist laut Mat­thi­as Kir­sch­ner da­von nicht be­trof­fen.

Gut zu wis­sen: Der ein­fa­che Vor­gang kann meist recht leicht rück­gän­gig ge­macht wer­den. Wie das funk­tio­niert, un­ter­schei­det sich auch wie­der je nach Ge­rät und ge­nutz­ter Me­tho­de. Meist rei­chen das Lö­schen ei­ni­ger Da­tei­en und ein an­schlie­ßen­der Neu­start.

Mit dem Root-Zu­griff lässt sich et­wa das

kom­plet­te An­dro­id-Sys­tem si­chern.

FO­TO: WARNECKE/DPA

In den Werks­ein­stel­lun­gen ha­ben An­dro­id-Be­triebs­sys­te­me vie­le Ein­schrän­kun­gen. Mit ei­nem Root-Zu­griff las­sen sie sich lö­sen.

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