Cal­ha­nog­lu für vier Mo­na­te ge­sperrt

Stra­fe we­gen Ver­trags­bruchs: Sai­son ist für Mit­tel­feld­spie­ler von Fuß­ball-Bun­des­li­gist Bay­er Leverkusen be­en­det.

Saarbruecker Zeitung - - SPORT - VON OLI­VER MUCHA

LAUSANNE/LEVERKUSEN (sid) Bit­te­re Pil­le für Bay­er Leverkusen und Ha­kan Cal­ha­nog­lu: Der In­ter­na­tio­na­le Sport­ge­richts­hof (CAS) be­stä­tig­te ges­tern die vom Fuß­bal­lWelt­ver­band (Fifa) aus­ge­spro­che­ne vier­mo­na­ti­ge Sper­re we­gen Ver­trags­bruchs ge­gen den Mit­tel­feld­spie­ler. Die Sai­son ist für Cal­ha­nog­lu da­mit be­en­det. Der 22 Jah­re al­te tür­ki­sche Na­tio­nal­spie­ler darf schon heu­te im Spiel des Bun­des­li­gis­ten beim Ham­bur­ger SV (20.30 Uhr) nicht mehr auf­lau­fen. Cal­ha­nog­lu muss zu­dem 100 000 Eu­ro Stra­fe zah­len. Ein Ein­spruch ge­gen das Ur­teil ist nicht mög­lich.

„So et­was kann ei­nen ka­putt ma­chen. Aber ich ha­be in mei­ner Kar­rie­re schon ei­ni­ges er­lebt. Die­se An­ge­le­gen­heit wird mich nur noch stär­ker ma­chen. Das Schlimms­te für mich ist, dass mein Club Bay­er in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen wird. Das macht mich trau­rig. Ich ha­be Schuld­ge­füh­le, es tut mir un­end­lich leid“, sag­te Cal­ha­nog­lu.

Bay­er Leverkusen zeigt we­nig Ver­ständ­nis für die Sper­re. „Wir be­dau­ern na­tür­lich die­se für uns in kei­ner Wei­se nach­voll­zieh­ba­re Ent­schei­dung“, er­klär­te Sport­di­rek­tor Ru­di Völ­ler: „Sie ist ein schwe­rer Schlag für Ha­kan, aber auch für uns. Ob­wohl Bay­er Leverkusen nichts mit den Vor­gän­gen im Jahr 2011 zu tun hat, wer­den auch wir schwer be­straft. Nun fehlt uns in der ent­schei­den­den Sai­son­pha­se ein ganz wich­ti­ger Spie­ler.“

Hin­ter­grund der Sper­re ist ei­ne Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Cal­ha­nog­lu und dem tür­ki­schen Erst­li­gis­ten Tr­ab­zons­por. Wäh­rend sei­ner Zeit beim Karls­ru­her SC im Jahr 2011 hat­te Cal­ha­nog­lu als Min­der­jäh­ri­ger ei­ne Ver­ein­ba­rung mit Tr­ab­zons­por be­züg­lich ei­nes Wech­sels ge­trof­fen. Er ver­län­ger­te je­doch dann sei­nen Ver­trag beim KSC – und wech­sel­te spä­ter zum HSV. Der CAS sah wie die Fifa das Ver­hal­ten des Spie­lers als Ver­trags­bruch ge­gen­über Tr­ab­zons­por und folg­te dem Ur­teil des Welt­ver­ban­des aus dem Ja­nu­ar 2016. Cal­ha­nog­lu ha­be ge­gen das Fifa-Re­gle­ment zu Trans­fers von Spie­lern ver­sto­ßen, hieß es im CAS-Ur­teil.

Bei der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Sport­ge­richts­hof im Ok­to­ber hat­te Cal­ha­nog­lus Be­ra­ter Bek­tas De­mir­tas da­mit ar­gu­men­tiert, dass sein Schütz­ling 2011 noch min­der­jäh­rig ge­we­sen sei. Sein Va­ter Hü­sey­in hat­te da­mals den Ver­trag mit Tr­ab­zons­por un­ter­schrie­ben. „Ich war 17 Jah­re alt und ha­be beim Karls­ru­her SC ge­spielt. Ich ha­be zu­fäl­lig über ei­nen Freund mit­be­kom­men, dass sich mein Va­ter in Darm­stadt in ei­nem Re­stau­rant mit Ver­tre­tern von Tr­ab­zons­por trifft“, sag­te Cal­ha­nog­lu: „In un­se­rer Kul­tur hat der Va­ter das Sa­gen. Es ge­hört sich nicht, ihm kei­nen Re­spekt ent­ge­gen zu brin­gen. Ich war 17 Jah­re alt und war mir der Trag­wei­te nicht bewusst. Ich hat­te doch nur Fuß­ball im Kopf. Ich ha­be mei­nem Va­ter ver­traut.“

Das Ver­trau­en Cal­ha­nog­lus führ­te nun zu ei­nem vor­zei­ti­gen Sai­son­en­de. Für Bay­er-Ge­schäfts­füh­rer Micha­el Scha­de ei­ne un­ge­recht­fer­tig­te Ent­schei­dung: „Es trifft ne­ben dem Spie­ler ei­nen Ver­ein, der an den da­ma­li­gen Er­eig­nis­sen ab­so­lut un­be­tei­ligt war. Lei­der bleibt uns aber nichts an­de­res üb­rig, als das Ur­teil hin­zu­neh­men.“Leverkusen fehlt da­mit bei der Auf­hol­jagd in der Li­ga und in der K.o.-Pha­se der Cham­pi­ons Le­ague ein Schlüs­sel­spie­ler. Cal­ha­nog­lu, der 2014 für 14,5 Mil­lio­nen Eu­ro Ab­lö­se von Ham­burg ge­kom­men war, er­ziel­te in der lau­fen­den Sai­son bei 15 Li­ga-Ein­sät­zen sechs To­re und be­rei­te­te fünf Tref­fer vor.

FO­TO: EIBNER/IMA­GO

Schock für Ha­kan Cal­ha­nog­lu: Er darf ab so­fort nicht mehr spie­len, da er ge­gen­über dem tür­ki­schen Erst­li­gis­ten Tr­ab­zons­por ver­trags­brü­chig war.

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