Ein Em­por­kömm­ling for­dert den Star der Stars her­aus

Der Su­per Bowl ist das größ­te Ein­zel­sport-Er­eig­nis der Welt. Wenn die At­lan­ta Fal­cons auf die New En­g­land Pa­tri­ots tref­fen, ste­hen zwei sehr ver­schie­de­ne Quar­ter­backs im Mit­tel­punkt: Matt Ryan und Tom Bra­dy.

Saarbruecker Zeitung - - SUPER BOWL - VON MAR­TIN BIALECKI

HOUS­TON (dpa) Die 51. Auf­la­ge des Su­per Bowl ist nicht nur das Auf­ein­an­der­tref­fen von zwei der of­fen­siv­stärks­ten Mann­schaf­ten im US-ame­ri­ka­ni­schen Pro­fi-Foot­ball. Das Spek­ta­kel an die­sem Sonn­tag (0.30 Uhr/Sat. 1) ist auch ein Du­ell zwei­er grund­ver­schie­de­ner Quar­ter­backs: Tom Bra­dy bei den New En­g­land Pa­tri­ots, Matt Ryan bei den At­lan­ta Fal­cons. Nur in der Spiel­an­la­ge ähn­lich, ge­hen sie mit un­ter­schied­li­chen Er­war­tun­gen aufs Feld.

Für Bra­dy geht es dar­um, sei­nen Na­men in den Ge­schichts­bü­chern zu ze­men­tie­ren. Für „Mat­ty Ice“Ryan wä­re ein Tri­umph da­ge­gen zu­nächst nur krö­nen­der Ab­schluss der bes­ten Sai­son sei­ner Kar­rie­re. Bra­dy hat den Olymp des Ame­ri­can Foot­ball be­reits vier Mal mit den Pa­tri­ots er­klom­men. Mit ei­nem Sieg wä­re der 39-Jäh­ri­ge der ers­te Quar­ter­back mit fünf Su­per-Bowl-Ti­teln. Ei­ne his­to­ri­sche Mar­ke: Bra­dy wür­de die NFL-Grö­ßen Joe Mon­ta­na und Ter­ry Brad­shaw hin­ter sich las­sen, die je­weils vier Mal die Vin­ce-Lom­bar­di-Tro­phäe, die der Su­per-Bowl-Ge­win­ner er­hält, hoch­hiel­ten.

Für Bra­dy ist es die sieb­te Su­per­Bowl-Teil­nah­me, schon das ist ein Re­kord. Zu sei­nen vier Su­per­Bowl-Sie­gen rei­hen sich drei Su­per-Bowl-MVP-Tro­phä­en, die an den bes­ten Spie­ler des End­spiels ver­ge­ben wird, so­wie zwei MVP-Aus­zeich­nun­gen für den bes­ten Spie­ler der re­gu­lä­ren Sai­son in der nord­ame­ri­ka­ni­schen Foot­ball-Li­ga NFL.

Bra­dy ist ein Star, gilt als ei­ner der bes­ten Quar­ter­backs über­haupt. Ver­hei­ra­tet mit Ex-Su­per­mo­del Gi­se­le Bünd­chen, aus­ge­stat­tet mit mil­lio­nen­schwe­ren Wer­be­ver­trä­gen, ist er ein strah­len­der „All-Ame­ri­canBoy“, ein Vor­zei­geA­me­ri­ka­ner. Und neu­er­dings auch ein scharf kri­ti­sier­ter: Sei­ne Un­ter­stüt­zung Do­nald Trumps stößt vie­len sau­er auf, der heu­ti­ge US-Prä­si­dent brüs­tet sich mit der Freund­schaft zu dem Ath­le­ten.

Ganz an­ders Matt Ryan, dem die­ses Ram­pen­licht fremd ist. Er wird sei­nen ers­ten Su­per Bowl be­strei­ten. Der 31-Jäh­ri­ge führ­te die Fal­cons mit hoch­prä­zi­sem Pass-Spiel zu elf Sie­gen wäh­rend der re­gu­lä­ren Sai­son. Und auch in der End­run­de konn­ten we­der die Se­at­tle Sea­hawks, noch die Gre­en Bay Pa­ckers ein Mit­tel ge­gen den auf Hoch­tou­ren lau­fen­den An­griff aus At­lan­ta fin­den. Die Fal­cons ka­men in ih­ren bei­den Be­geg­nun­gen auf 80 Punk­te.

Ryan ran­giert in al­len wich­ti­gen Quar­ter­back-Sta­tis­ti­ken an ers­ter oder zwei­ter Stel­le. Und er ist der hei­ßes­te An­wär­ter auf die dies­jäh­ri­ge MVP-Aus­zeich­nung für den bes­ten Spie­ler der Li­ga. Zwar kann Ryan mit Bra­dys Tro­phä­en­samm­lung nicht mit­hal­ten. Aber er hat im­mer­hin ei­ne Aus­zeich­nung, die Bra­dy ver­wehrt blieb – die für den bes­ten of­fen­si­ven Nach­wuchs­spie­ler des Jah­res.

Ryan pri­vat und „Mat­ty Ice“Ryan auf dem Feld gel­ten als zwei ver­schie­de­ne Per­so­nen. Von stil­ler Zu­rück­hal­tung der ei­ne, von ex­tre­mem Wett­kampf­geist der an­de­re. Be­lieb­te In­ter­view-Aus­sa­ge: „Ich bin ziem­lich lang­wei­lig.“Be­le­ge? Lieb­lings­piz­za: Kä­se. Lieb­lings­eis: Va­nil­le. Sein Va­ter, schreibt die Zei­tung „New York Ti­mes“, muss bei die­sen Sät­zen im­mer la­chen und sagt: „Matt ist ein­fach auf dem Bo­den ge­blie­ben. Er ist nicht lang­wei­lig. Jetzt hat ei­nen Mil­lio­nen-Dol­lar-Ver­trag – aber er hat nicht ver­ges­sen, wie oft er an­ge­ru­fen hat, weil er kein Geld mehr für Ben­zin hat­te.“

In ih­rer phy­si­schen Er­schei­nung sind sich Bra­dy und Ryan ähn­lich. Bei­de sind 1,93 Me­ter groß und wie­gen um die 100 Ki­lo­gramm. Sie agie­ren auch ähn­lich. Sta­tis­ti­ken zei­gen, dass für sie im Ge­gen­satz zu an­de­ren Quar­ter­backs der Li­ga der Lauf nur ei­ne Not­fall-Op­ti­on ist. Sie wer­fen ih­re Päs­se fast nur aus der „Po­cket“her­aus – so wird der Raum um den Quar­ter­back ge­nannt.

Ryan brach­te wäh­rend der re­gu­lä­ren Sai­son 373 sei­ner 534 Pass­ver­su­che an den Mann. In 16 Spie­len warf er den Ball 4994 Yards weit und er­ziel­te 38 Touch­downs. Dem ste­hen sie­ben In­ter­cep­ti­ons ge­gen­über – al­so Wür­fe, die von geg­ne­ri­schen Spie­lern ab­ge­fan­gen wur­den. Bra­dy, der wäh­rend der ers­ten vier Spie­le der Sai­son zum Zu­schau­en ver­bannt war, sam­mel­te 28 Touch­downs und leis­te­te sich nur zwei In­ter­cep­ti­ons. Er brach­te es auf 3554 Yards mit sei­nen Pass­ver­su­chen.

Die At­lan­ta Fal­cons und die New En­g­land Pa­tri­ots be­ste­chen durch ih­re Of­fen­si­ve, aber nur ei­ner der Top-Quar­ter­backs wird sei­ne Mann­schaft zum gro­ßen Tri­umph füh­ren kön­nen.

FOTOS: AFP

Wer führt sei­ne Mann­schaft zum Sieg im 51. Su­per Bowl: Matt Ryan (links) oder Tom Bra­dy?

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