Pfif­fi und Mie­zi auf der An­kla­ge­bank

Strei­tig­kei­ten um das Hal­ten von Hun­den oder Kat­zen in den ei­ge­nen Wän­den wer­den oft vor Ge­rich­ten aus­ge­tra­gen. Hier ei­ni­ge Bei­spie­le.

Saarbruecker Zeitung - - SPORT - VON MA­IK HEITMANN UND WOLF­GANG BÜSER

KA­MEN Ein Mie­ter in ei­ner Woh­nungs­ei­gen­tums­an­la­ge nahm ei­nen Hund auf, oh­ne sich die nach der Ge­mein­schafts­ord­nung nö­ti­ge Er­laub­nis ein­ge­holt zu ha­ben. Die Ge­mein­schaft woll­te das Tier wie­der vor die Tür set­zen – und schei­ter­te am Amts­ge­richt Han­no­ver: Weil der Vier­bei­ner in ei­ner fast 100 Qua­drat­me­ter gro­ßen Woh­nung leb­te und sich im Trep­pen­haus kaum „un­an­ge­nehm be­merk­bar“mach­te, er­teil­te ihm das Ge­richt ein Blei­be­recht. Der Mie­ter ha­be „das Recht der Hun­de­hal­tung als Aus­druck der frei­en Be­stim­mung des höchst­per­sön­li­chen Le­bens­be­rei­ches“wahr­ge­nom­men, so die Rich­ter (Az.: 541 C 3858/15).

In ei­nem Fall vor dem Amts­ge­richt Ham­burg-Barm­bek durf­ten Hun­de nicht oh­ne Ge­neh­mi­gung des Ver­mie­ters ge­hal­ten wer­den. In dem kon­kre­ten Fall han­del­te es sich um ei­nen „Ame­ri­can Bull­dog“, der in die Lis­te ge­fähr­li­cher Vier­bei­ner auf­ge­nom­men wur­de. Mit­mie­ter be­schwer­ten sich über das Tier, und der Ver­mie­ter ver­pflich­te­te den Mie­ter, es ab­zu­ge­ben. Zu Recht, so das Ge­richt. Ins­be­son­de­re des­we­gen, weil der Mie­ter – trotz des Pas­sus im Miet­ver­trag – beim Ein­zug nicht an­ge­ge­ben hat­te, dass er ei­nen Hund be­sitzt (Az.: 816 C 305/05).

Das Amts­ge­richt Wai­b­lin­gen mach­te ei­nem Ver­mie­ter klar, dass er Mie­tern nicht ge­ne­rell ei­ne Hun­de­hal­tung un­ter­sa­gen dür­fe. Es müss­ten Um­stän­de vor­lie­gen, nach de­nen zu be­fürch­ten oder be­reits ein­ge­tre­ten sei, dass der Vier­bei­ner für die üb­ri­gen Mie­ter ei­ne un­zu­mut­ba­re Be­läs­ti­gung dar­stel­le – zum Bei­spiel, in­dem er „über das nor­ma­le Maß hin­aus bellt“. Aber: Zieht der Hund stark an der Lei­ne, so­bald er an­de­re Men­schen sieht, kön­ne dar­aus ei­ne „Ge­fähr­lich­keit“nicht ab­ge­lei­tet wer­den (Az.: 9 C 327/13).

Ein Ver­mie­ter darf in sei­nen Miet­ver­trä­gen nicht ge­ne­rell die Hal­tung von Kat­zen oder Hun­den aus­schlie­ßen. Ob im Ein­zel­fall ei­ne Tier­hal­tung ge­neh­migt wer­den muss, rich­tet sich nach den ge­ge­be­nen Um­stän­den. Klar ist, dass Mie­ter ver­lan­gen kön­nen, dass sie in ih­rer 50 Qua­drat­me­ter gro­ßen Woh­nung zwei La­b­ra­dor-Re­trie­ver hal­ten dür­fen. Das ent­schied das Amts­ge­richt Rein­bek (Az.: 11 C 15/14).

Ein Ge­schwis­ter­paar, das vom Ver­mie­ter beim Ein­zug in die Woh­nung die Er­laub­nis be­kom­men hat­te, ei­ne Kat­ze zu hal­ten, muss­te die Kün­di­gung des Miet­ver­hält­nis­ses hin­neh­men, da es vier Jah­re spä­ter in der 100 Qua­drat­me­ter gro­ßen Woh­nung 18 Kat­zen hielt und es im ge­mein­schaft­li­chen Trep­pen­haus „un­er­träg­lich stinkt“. Die Ge­schwis­ter könn­ten nicht ar­gu­men­tie­ren, dass es „in der Woh­nung oder gar im Trep­pen­haus nicht riecht und es sich nicht um 18 aus­ge­wach­se­ne, son­dern um elf jun­ge und nur sie­ben aus­ge­wach­se­ne Tie­re han­delt“. Bei der Ab­wä­gung zwi­schen den be­rech­tig­ten In­ter­es­sen der Par­tei­en kam das Amts­ge­richt Augs­burg zu dem Er­geb­nis, dass die Kün­di­gung rech­tens ge­we­sen ist. Denn die Woh­nung die­ne in ers­ter Li­nie Wohn­zwe­cken und nicht der Be­treu­ung von Kat­zen. Es kom­me nicht dar­auf an, wie stark der Ge­ruch letzt­end­lich sei. Schon sie­ben er­wach­se­ne Kat­zen aus­schließ­lich in der Woh­nung zu hal­ten, stel­le ei­ne Pflicht­ver­let­zung des Mie­ters dar (Az.: 71 C 1264/15).

Ha­ben zwei Kat­zen ei­nes Mie­ters über Jah­re hin­weg Tep­pich und Bo­den­be­lag – trotz Kat­zen­klo – in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen, so kann der Ver­mie­ter ver­lan­gen, dass die beim Aus­zug der Mie­ter fäl­li­ge Re­no­vie­rung zu­min­dest zum Teil von dem Mie­ter er­setzt wird. Das er­ge­be sich un­ter an­de­rem aus der Haf­tung der Tier­hal­ter, die Ju­ris­ten aus dem Bür­ger­li­chen Ge­setz­buch ab­lei­ten. Vor dem Amts­ge­richt Bre­men ging es um rund 1500 Eu­ro, die die Mie­ter zu­rück­zah­len muss­ten. Denn die Urin­res­te wa­ren so­gar ins Mau­er­werk ein­ge­drun­gen. Wei­te­re 2600 Eu­ro an Re­no­vie­rungs­kos­ten konn­te der Ver­mie­ter aber nicht auf sei­nen Ex-Mie­ter ab­wäl­zen: Der Tep­pich­bo­den sei schon so alt ge­we­sen, dass er oh­ne­hin hät­te er­neu­ert wer­den müs­sen (Az.: 19 C 479/13).

Wird der Fuß­bo­den in ei­ner Miet­woh­nung durch Urin von drei Kat­zen des Mie­ters so ver­un­rei­nigt, dass er aus­ge­wech­selt wer­den muss, so braucht da­für die Pri­vat­haft­pflicht­ver­si­che­rung des Mie­ters nicht ein­zu­tre­ten. Die Be­grün­dung des Saar­län­di­schen Ober­lan­des­ge­rich­tes: Für ei­ne sicht­lich un­sach­ge­mä­ße Tier­hal­tung muss der Ver­si­che­rer nicht ein­ste­hen – zu­mal hier in den Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen ein Leis­tungs­aus­schluss der Miet­sa­che „we­gen Ab­nut­zung“vor­ge­se­hen ist (Az.: 5 W 72/13).

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