Li­by­en soll Flücht­lin­ge aus Afri­ka stop­pen

In dem Bür­ger­kriegs­land star­ten die meis­ten Boo­te nach Eu­ro­pa. Die EU will sie auf­hal­ten las­sen. Men­schen­recht­ler üben har­te Kri­tik.

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE -

VALETTA/BER­LIN (epd/dpa) Die EU-Staa­ten wol­len die Mi­gra­ti­on übers Mit­tel­meer nach Eu­ro­pa deut­lich ein­däm­men und da­für en­ger mit dem Kri­sen­land Li­by­en zu­sam­men­ar­bei­ten. Dar­auf ei­nig­ten sich die Staats- und Re­gie­rungs­chefs der EU ges­tern auf ei­nem Son­der­gip­fel auf Mal­ta. In ei­ner Er­klä­rung be­kräf­tig­ten sie ih­re Ent­schlos­sen­heit, die Flucht­be­we­gung über die zen­tra­le Mit­tel­meer­rou­te zwi­schen Li­by­en und Ita­li­en zu re­du­zie­ren. Ge­gen Schleu­ser soll hart vor­ge­gan­gen und der li­by­sche Grenz­schutz ge­stärkt wer­den. Dies sind Tei­le ei­nes Zehn-Punk­tePlans, des­sen Um­set­zung im März und Ju­ni kon­trol­liert wer­den soll.

Men­schen­recht­ler üb­ten schar­fe Kri­tik an dem ge­plan­ten Flücht­lings­pakt mit Li­by­en. „Der schänd­li­che De­al, den die EU mit Li­by­en an­ge­peilt hat, wird Zehn­tau­sen­de Men­schen in ei­nem von Kon­flik­ten zer­ris­se­nen Land ein­sper­ren, in dem sie ein ho­hes Ri­si­ko von Fol­ter und Aus­beu­tung ha­ben“, sag­te die Brüs­se­ler Di­rek­to­rin von Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal, Iver­na McGo­wan. Eu­ro­pa zei­ge Flücht­lin­gen ein­mal mehr kalt­her­zig den Rü­cken.

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) ver­tei­dig­te den EU-Plan. „Die Si­tua­ti­on der Flücht­lin­ge ist dra­ma­tisch in Li­by­en“, räum­te sie je­doch in Val­let­ta ein. „Wir brau­chen ei­ne po­li­ti­sche Lö­sung für ein sta­bi­les Li­by­en. Dar­an ist noch viel zu ar­bei­ten.“Li­by­en müs­se in die La­ge ver­setzt wer­den, die il­le­ga­le Mi­gra­ti­on bes­ser zu be­kämp­fen. Wich­tig sei auch der Schutz der Gren­ze im Sü­den zum Ni­ger, ei­nem Tran­sit­land vie­ler Flücht­lin­ge. In Li­by­en kämp­fen seit dem blu­ti­gen Um­sturz 2011 schwer be­waff­ne­te Mi­li­zen um die Macht in dem öl­rei­chen Land.

Im Fo­kus der EUMaß­nah­men ge­gen il­le­ga­le Mi­gra­ti­on und Men­schen­schmug­gel ste­hen der Er­klä­rung zu­fol­ge das Trai­ning, die Aus­rüs­tung und die Un­ter­stüt­zung der li­by­schen Küs­ten­wa­che. Be­reits lau­fen­de Pro­gram­me müss­ten deut­lich auf­ge­stockt wer­den.

Im Rah­men der Ope­ra­ti­on „So­phia“ge­hen be­reits Sol­da­ten aus vie­len EULän­dern im Mit­tel­meer zwi­schen Ita­li­en und Li­by­en ge­gen Men­schen­schmug­gel und Schleu­ser vor und ret­ten Flücht­lin­ge aus See­not. Zu­dem bil­den sie Mit­ar­bei­ter der li­by­schen Küs­ten­wa­che aus. Lang­fris­tig geht es der EU auch dar­um, be­reits in die EU ge­lang­te Men­schen leich­ter nach Nord­afri­ka zu­rück­brin­gen zu kön­nen. Als Vor­bild gilt der EU-Tür­kei-Pakt, der seit März 2016 hält. Im Jahr 2016 ka­men nach EU-An­ga­ben rund 181 000 Men­schen in Boo­ten über das zen­tra­le Mit­tel­meer nach Eu­ro­pa. 90 Pro­zent von ih­nen le­gen in Li­by­en ab.

„Wir brau­chen ei­ne po­li­ti­sche Lö­sung für ein sta­bi­les Li­by­en."

An­ge­la Mer­kel

Bun­des­kanz­le­rin

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.